Mars-Experiment der Nasa nach acht Monaten beendet

Sechs Menschen lebten acht Monate auf engem Raum in einer marsähnlichen Landschaft auf einem Vulkan auf Hawaii. Nun freuen sich die vier Männer und zwei Frauen auf frisches Obst und Gemüse.

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Für vier Männer und zwei Frauen ist ein Langzeitexperiment auf Hawaii zu Ende gegangen. Die Gruppe verbrachte acht Monate gemeinsam in einer von der Aussenwelt abgeschotteten Station auf dem Mauna Loa, dem grössten Vulkan der Erde. Die Nasa wollte mit dem Experiment herausfinden, wie sich langfristige Weltraummissionen auf die Psyche von Astronauten auswirken.

Nach dem Ende des Versuchs genossen die Teilnehmer frisches Obst und Gemüse – und ein leckeres Eiergericht, das die Missionsleitern Kim Binsted am Sonntag servierte. In den vergangenen Monaten ernährten sie sich hauptsächlich von Tiefkühlkost und Lebensmittelkonserven. Die mit ihrer Hilfe gewonnenen Daten sollen der US-Raumfahrtbehörde in Zukunft dabei helfen, Teilnehmer für langjährige Weltraummissionen auszuwählen – zum Beispiel, wenn es in den 2030er Jahren zum Mars gehen soll.

Konflikte unvermeidlich

Zwischenmenschliches wurde erforscht, Belastbarkeit, Stimmungen, Konflikte und die Fähigkeit, Streitigkeiten auszuhalten, auszutragen und beizulegen. «Das ist unsere fünfte Mission, und wir haben viel dabei gelernt», resümiert Binsted. «Eine Sache ist, dass es selbst in den besten Teams Konflikte geben wird. Wirklich wichtig ist daher, eine Crew zu haben, in der sowohl die Einzelperson als auch die Gruppe wirklich belastbar und fähig ist, Konflikten ins Auge zu sehen und wieder miteinander zurecht zu kommen.»

Die Station, Hawaii Space Exploration Analog and Simulation, kurz HI-SEAS, befindet sich auf dem Gipfel des Mauna Loa, des grössten aktiven Vulkans der Erde. (Bild: Google Maps)

Die Kommunikation mit der Aussenwelt wurde 20 Minuten verzögert – so lange brauchen Signale, um von der Erde zum Mars zu gelangen. Der Kuppelbau bietet nur 110 Quadratmeter Platz, die Besatzungsmitglieder teilten sich eine Dusche, zwei Toiletten, eine Küche und ein Labor. Jeder hatte ein eigenes kleines Schlafquartier. Das Verlassen der Station war nur in Raumanzügen erlaubt, etwa um Forschungsaufgaben zu erfüllen.

Virtual Reality zur Entspannung

Jeder Insasse trug jederzeit spezielle Sensoren, die seine Stimmung aufzeichneten, wie laut sie miteinander sprachen, ob sie die Nähe des anderen suchten oder ihm aus dem Weg gehen wollten. Sie spielten Spiele, um herauszufinden, wie gut sie miteinander zurechtkommen und wie sie mit Stress umgehen. Es gab auch eine kleine, zeitweise Fluchtmöglichkeit aus der Enge: VR-Brillen, die sie in vertraute Umgebungen versetzen konnten – aber eben nur in eine virtuelle Realität.

Altmodisch wirkt da fast, dass die Besatzungsmitglieder auch Tagebuch führten und aufschrieben, wie sie sich fühlten. Bei den vorigen vier, acht und zwölf Monate langen Experimenten sei es in erster Linie um den Zusammenhalt der Besatzung und ihre Leistungsfähigkeit gegangen, erklärt Binsted. «Bei dieser Mission und der nächsten schauen wir auf Auswahl und Zusammensetzung von Besatzungen.»

Von Biosphere 2 gelernt

Die Besatzungsmitglieder waren im Januar optimistisch in das Experiment gegangen. Aber es gab auch Ängste: «Meine grösste Sorge war, dass es uns wie der Besatzung von Biosphere 2 geht, was nicht ein sehr schönes Bild war», sagte Kommandant James Bevington.

Biosphere 2 war ein Experiment in den 1990er Jahren, das völlig ausser Kontrolle geriet. In dem durchsichtigen, einem Treibhaus ähnlichen Komplex in Arizona sollte eine Besatzung aus vier Männern und vier Frauen in verschiedenen Ökosystemen herausfinden, was Menschen für das Leben auf anderen Planeten brauchen. Probleme gab es, als die Kohlendioxidkonzentration gefährlich anstieg und Pflanzen und Tiere eingingen. Die Besatzungsmitglieder litten Hunger und zerstritten sich in den zwei Jahren des Experiments so heftig, dass einige auch danach kein Wort mehr miteinander wechselten.

Eine Lehre daraus ist, dass die Besatzung von HI-SEAS nicht in einem Glaskasten sitzt, in dem sie sich stetig beobachtet fühlt. Und dass sie nicht die ganze Zeit in dem Komplex verbringen musste.

Die Spezialistin für Informationstechnologie des Teams, Laura Park, hält lange Weltraumreisen für «absolut machbar». «Es gibt bestimmte technische Herausforderungen, die gelöst werden müssen. Es gibt sicherlich menschliche Faktoren, die bedacht werden müssen», erklärte sie in einer Videobotschaft aus der Station. Die sechste Mission wird bereits vorbereitet. (nag/dapd)

Erstellt: 18.09.2017, 16:48 Uhr

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