Eine Impfung könnte Hunderttausende Leben retten

Malaria ist in vielen Weltgegenden ein riesiges Problem. Abhilfe soll eine gezielte Infektion mit gleichzeitiger Schutzmassnahme bringen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Eine wirksame Impfung gegen Malaria durch das Injizieren von lebenden Erregern unter Schutz durch Medikamente könnte möglich sein. Darauf deutet eine Pilotstudie mit noch wenigen Probanden hin, die jetzt in der Fachzeitschrift «Nature» veröffentlicht wurde.

«Man hat mit der Studie den Beweis erbracht, dass das Konzept umsetzbar sein könnte», sagte Heimo Lagler von der MedUni Wien, der an der Untersuchung beteiligt war, gegenüber der Nachrichtenagentur APA. Bei der von der Universität Tübingen geleiteten Studie ging es um die Erprobung einer intravenösen Impfung mit lebenden Malaria-Erregern kombiniert mit einem Malaria-Medikament.

Todesraten unter Kindern reduzieren

Trotz aller Erfolge ist die Tropenkrankheit weiterhin in vielen Weltregionen ein riesiges Problem. 2015 verursachte Malaria nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation noch immer 438'000 Todesfälle. Der erste zugelassene Impfstoff RTS,S (GlaxoSmithKline) beruht auf Bruchstücken der Malaria-Erreger und schützt nur zu etwa einem Drittel gegen die Krankheit. Er könnte aber vor allem die Todesraten unter betroffenen Kindern deutlich reduzieren.

Das US-Biotech-Unternehmen Sanaria setzt auf eine andere Strategie: Die ganzen Parasiten in der Form von Sporozoiten sollen als Basis für die Vakzine dienen. Als Sporozoite bezeichnet man den Abschnitt des Lebenszyklus der Parasiten, in dem sie über einen Mückenstich in den Menschen gelangen. Die nun getestete Impfung mit Sporozoiten entspreche damit ganz der Infektion eines Menschen über einen Moskitostich, sagte Lagler.

Stärkung des Immunsystems

Malaria-Sporozoiten, welche ins Blut gelangen, wandern normalerweise in die Leber des Betroffenen ein und vermehren sich dort. Dann tauchen sie wieder im Blut auf. Bei der neuen Impfung wird das aber durch die Gabe des Malariamittels Chloroquin verhindert. Der Erreger kann sich ein Stück weit im Körper entwickeln, wird dann aber gestoppt. Das Immunsystem kann dadurch eine starke Antwort aufbauen, so das Konzept.

In der Studie erhielten gesunde Probanden dreimal die Vakzine (PfSPZ-CVac) und Chloroquin oder eine Placebo-Impfung. Zehn Wochen nach der letzten Teilimpfung wurden alle Probanden einer künstlichen Infektion mit Malariaerregern ausgesetzt. Das Ergebnis: In der Gruppe mit neun Probanden, welche die höchste Dosis an Malaria-Sporozoiten erhalten hatten, waren alle gegen die Tropenerkrankung geschützt. Bei Verwendung einer geringeren Dosis reduzierte sich die Schutzrate. In der Placebo-Gruppe kam es bei den Probanden zum Auftauchen von Zeichen einer Infektion, die dann schnell behandelt und damit geheilt wurde.

Herausforderungen in der Praxis

Allerdings hat die wissenschaftliche Untersuchung bedeutende Einschränkungen: Zunächst einmal sind Ergebnisse aus einer Studien-Gruppe mit neun Probanden keinesfalls aussagekräftig für die Wirksamkeit einer Vakzine. Zweitens musste der Impfstoff intravenös verabreicht werden, was in vielen Weltregionen, wo die Malaria grassiert, eine grosse Herausforderung darstellt. Ausserdem muss der Impfstoff auch tiefgekühlt gelagert werden, was den Einsatz in entlegenen Gebieten erschwert.

Eine weitere Einschränkung nennt Marcel Tanner vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut, der nicht an der Pilotstudie beteiligt war: Eine flächendeckende Anwendung der neuen Vakzine könnte sich als schwierig erweisen, weil die medizinische Behandlung mit Chloroquin einige Tage nach der Impfung - also ein Zweitkontakt - in Malaria-Gebieten nicht unbedingt gewährleistet wäre, so Tanner gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Die Behandlung sei aber absolut nötig, damit die Geimpften nicht an Malaria erkrankten.

Potential für Reisende und Militär

Potenzial könnte der Impfstoff jedoch für bestimmte Gruppen haben, zum Beispiel für Reisende oder militärisches Personal, sagte Tanner. Sanaria teste auch bestrahlte und dadurch abgeschwächte Malariaerreger. Schliesslich müssten die verschiedenen Impfstoffkandidaten auf ihre Anwendbarkeit hin verglichen werden. Sollten sie sich bewähren, wären sie jedoch ein wichtiges Mittel, um Malaria in den betroffenen Gebieten zu eliminieren. (chi/sda)

Erstellt: 16.02.2017, 11:02 Uhr

Artikel zum Thema

Ein Wunder gegen die Natur

Eine neue biochemische Methode namens «Gene Drive» kann das Erbgut ganzer Arten verändern. Forscher wollen damit Krankheiten wie Malaria oder Dengue ausrotten. Doch ist das ethisch vertretbar? Mehr...

Mehr Malariakranke wegen Migranten

Die Tropenkrankheit Malaria wird in der Schweiz immer häufiger registriert. Vom Fieber betroffen sind vor allem Migranten, die von einem Besuch ihrer Heimat zurückkehren. Mehr...

Im Kampf gegen Malaria und Fadenwürmer

Das Nobelkomitee ehrt Forscher, die sich um die Behandlung tropischer Krankheiten verdient gemacht haben. Dabei hat auch traditionelles Medizinwissen aus China mitgeholfen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Das digitale Monatsabo für Leser.

Nutzen Sie den «Bund» digital ohne Einschränkungen. Für nur CHF 32.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Newsletter

Kurz, bündig, übersichtlich

Montag bis Samstag die besten Beiträge aus der «Bund»-Redaktion. Jetzt kostenlos abonnieren!

Die Welt in Bildern

Alpaka trifft Kuh: 131 Lamas und Alpakas ziehen von der Alp Gorneren und der Griesalp im Kientla zurück ins Tal und beschnuppern beim Vorbeigehen die einheimischen Arten (26. September 2017).
(Bild: Urs Flüeler) Mehr...