Droht dem Vater der Gen-Babys die Todesstrafe?

He Jiankui ist aus der Öffentlichkeit verschwunden. Vor Wochen hatte der chinesische Forscher verkündet, genveränderte Babys geschaffen zu haben.

Unter Beschuss: Jiankui He soll für einen wissenschaftlichen Dammbruch gesorgt haben.(Video: Tamedia/Youtube/ The He Lab)

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Das Schicksal des chinesischen Skandalwissenschaftlers He Jiankui ist weiter offen. Die seit Dezember laufenden Untersuchungen der Behörden gegen den Mann, der erstmals direkt in die Evolution des Menschen eingegriffen haben will, dauern an. Unterdessen verbreiten sich unbestätigte Gerüchte über einen Hausarrest und möglicherweise drohende Strafen für den Forscher. Unterdessen soll He gegenüber Kollegen gesagt haben, er werde respektvoll behandelt und es gehe ihm gut.

Der Biophysiker von der Southern University of Science and Technology in Shenzhen hatte Ende November in mehreren Videos und einer Exklusivgeschichte der Nachrichtenagentur AP verkündet, die ersten genetisch veränderten Babys geschaffen zu haben. Das Erbgut der zwei Mädchen will sein Team im Rahmen einer künstlichen Befruchtung und mithilfe der Genschere Crispr-Cas9 so manipuliert haben, dass die Zwillinge sich nicht mit dem Aidserreger HIV anstecken können.

Infografik: Crispr/Cas9 – eine Schere fürs ErbgutZum Vergrössern klicken.

Schon drei Jahre zuvor hatten Forscher vor der Möglichkeit eines solchen Eingriffs gewarnt. In der wissenschaftlichen Gemeinschaft gilt es als tabu, per Genschere veränderte menschliche Embryonen auf Frauen zu übertragen, zumal die Technik nicht genug erforscht und Schäden der geborenen Kinder nicht auszuschliessen sind.

Belege für die Existenz der Babys stehen bislang noch aus, doch Hes Ankündigung löste entsprechend heftige ablehnende Reaktionen in der Forschergemeinschaft aus. Auch chinesische Wissenschaftler protestierten gegen die im Verborgenen durchgeführten Versuche des Biophysikers. Zudem hagelte es fachliche Kritik an den Resultaten, die He wenige Tage später auf einer internationalen Konferenz in Hongkong vorgestellt hatte. Demnach soll die genetische Veränderung nicht planmässig und auch unvollständig erfolgt sein.

Forscher unter Hausarrest

Seit dem Vortrag in Hongkong ist He nicht mehr öffentlich aufgetreten, bereits am 29. November hatte der Wissenschaftler ein Berufsverbot erhalten. Wie US-Medien berichten, wohnt der Forscher mit seiner Familie derzeit auf dem Campus der Shenzhen Southern University of Science and Technology in einem Appartement, das von nicht uniformierten Sicherheitskräften bewacht wird.

Am vergangenen Donnerstag veröffentlichte das Wissenschaftsportal Stat eine E-Mail, die belegt, dass He Zugang zu westlichen Nachrichten hat und in Kontakt mit ausländischen Wissenschaftlern steht. Das bestätigte der britische Entwicklungsbiologe Robin Lovell-Badge vom Londoner Francis Crick Institute. Auch der Bioethiker William Hurlbut von der kalifornischen Stanford University hat laut Stat mehrfach mit dem Chinesen telefoniert oder gemailt. Nach Aussage von Hurlbut bereut He, dass er seinen Versuch nicht früher intensiv mit anderen Forschern diskutiert hat.

Video – Crispr erklärt

Mit Crispr/Cas9 lässt sich die DNA verändern und reparieren. Doch wie funktioniert? Video: Explain-it

Mit welchen Konsequenzen der chinesische Wissenschaftler für das ethisch höchst fragwürdige Menschenexperiment zu rechnen hat, ist offen, aber seit Dezember Gegenstand zahlreicher Spekulationen in englischsprachigen Medien. Vielfach war von Hausarrest die Rede. He kann sich aber offenbar zumindest auf dem Campus frei bewegen. Im britischen Daily Telegraph hiess es zuletzt sogar, He müsse womöglich mit der Todesstrafe für sein Fehlverhalten rechnen. Ob diese Vermutung begründet ist, bleibt aber fraglich. Zwar kann die Todesstrafe in China nach Angaben der Website deathpenaltyworldwide.org für mehr als 50 Straftaten und Fehlverhalten verhängt werden, das Land ist weltweit führend in der Zahl der Hinrichtungen. Die meisten Exekutionen stehen jedoch in Zusammenhang mit Tötungsdelikten. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 14.01.2019, 10:52 Uhr

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