«Die Haut vergisst nicht»

Nur in Neuseeland und Australien gibt es im Verhältnis mehr Hautkrebsfälle als in der Schweiz. Ruth Barbezat von der Schweizer Krebsliga nennt gegenüber DerBund.ch/Newsnet mögliche Gründe.

Zu wenig geschützt: Eine Besucherin am Openair-Festival in St. Gallen.

Zu wenig geschützt: Eine Besucherin am Openair-Festival in St. Gallen.

Jan Knüsel

Die Schweiz liegt unter allen europäischen Ländern an erster Stelle. Wie kommt das?Ein Grund könnte sein, dass die sehr gute medizinische Versorgung in der Schweiz ermöglicht, Melanome frühzeitig zu erkennen und sie auch als Erkrankung zu erfassen. Die Mortalität befindet sich auf dem durchschnittlichen europäischen Niveau.

Wie kann es sein, dass ein Land mit so wenig Sonne so viele Hautkrebsfälle hat?Unser Freizeitverhalten mit den entsprechenden finanziellen Mitteln ermöglicht es, in den sonnenarmen Jahreszeiten in ferne Länder zu verreisen. Aber auch in den Bergen steigt die Intensität der UV-Strahlung an. Damit setzen wir uns einem höheren Risiko aus.

Die Schweizer sind gemäss der Studie fleissige Solariumsbesucher. Ist das gefährlich?Wir informieren im Rahmen unserer Präventionskampagnen laufend, dass, wer sich im Solarium bräunt, sein Risiko erhöht, an Hautkrebs zu erkranken und die Hautalterung beschleunigt. Ebenso raten wir von Solariumbesuchen dringend ab.

Wie ist der Stand der Hautkrebsprävention in der Schweiz? Machen es andere Länder besser?Die Krebsliga engagiert sich seit Jahren für die Sensibilisierung der Bevölkerung für Sonnenschutz. Wir passen unsere Kampagnen laufend den wissenschaftlichen Erkenntnissen an. Unsere wichtigsten Ratschläge sind: Zwischen 11 und 15 Uhr im Schatten bleiben, Hut, Sonnenbrille und Kleider tragen, Sonnenschutzmittel auftragen und wie vorhin schon erwähnt: Nicht ins Solarium gehen.

Was ist die beste Vorbeugung gegen Hautkrebs?Sonnenschutz ist die beste Hautkrebsprävention.

Wie gefährlich ist ein scheinbar leichter Sonnenbrand?Die Haut vergisst keine intensive Sonnenexposition, besonders dann nicht, wenn es zu einer Rötung oder gar Blasenbildung gekommen ist. Aber auch ohne Sonnenbrand wird die Haut durch UV-Strahlen geschädigt. In unseren Zellen befindet sich die Erbsubstanz (DNA). In der Erbsubstanz sind die Informationen gespeichert, die für die Entwicklung und den Stoffwechsel der Zellen notwendig sind. Bis zu einem gewissen Mass kann der Körper DNA-Schäden reparieren.

Welcher Hauttyp ist am meisten gefährdet?Die Hauptursache für eine Hautkrebserkrankung ist eine regelmässige oder intensive Sonnenexposition. Auch die künstliche Sonne im Solarium erhöht das Risiko. Besonders gefährdet sind Menschen mit heller Haut (Hauttyp I und II), vielen Sonnenbränden, die besonders im Kindheits- und Jugendalter vorgekommen sind, sowie Menschen mit mehr als 50 Pigmentmalen am Körper. Eigene Hautkrebserkrankung oder Vorkommen von Hautkrebs in der Familie erhöhen ebenfalls das Risiko.

Es wird gesagt, dass das Ozonloch in der Arktis eine Rekordgrösse erreicht hat und man dadurch unter gewissen Umständen schnell einen Sonnenbrand bekommt. Können Sie dieses Phänomen bestätigen? Ist die Sonne dieses Jahr gefährlicher? Selbst wenn die Kraft der Sonne noch gering erscheint, schädigen die UV-Strahlen die Haut. Die Sonne im Frühling verleitet zum draussen sitzen und Kleider ausziehen. Eine sonnenungewohnte Haut reagiert empfindlich und rötet rascher. Im Frühling sollte die Haut langsam an die Sonne gewöhnt werden, in dem man im Schatten bleibt oder sich mit Kleidern schützt. Es gibt gegenwärtig keinen Anlass, die bisherigen Empfehlungen zum Sonnenschutz anzupassen. Die von der Krebsliga empfohlenen Massnahmen haben ihre Gültigkeit sowohl im Frühling wie auch im Sommer.

DerBund.ch/Newsnet

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