«Nixon war viel schlimmer, als wir dachten»

Richard Nixon habe lange vor dem Watergate-Skandal zu illegalen Methoden gegriffen. Das sagen die Reporter Carl Bernstein und Bob Woodward, 40 Jahre nachdem sie die Affäre enthüllten.

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Vier Jahrzehnte nach der Watergate-Affäre sind die damaligen Enthüllungsreporter Carl Bernstein und Bob Woodward zu der Erkenntnis gekommen, dass der damalige Präsident Richard Nixon «bei weitem schlimmer» war, als sie damals dachten. Seit Watergate hätten sich zahlreiche Legenden um Nixons Rolle in der Affäre gebildet, schrieben sie in einem Leitartikel für die «Washington Post» vom Samstag. Ein Mythos sei, dass «die Vertuschung schlimmer war als die Tat» – diese Vorstellung aber «spielt Ausmass und Reichweite von Nixons kriminellen Handlungen herunter», kritisierten sie.

Die Watergate-Affäre ist nach dem Watergate-Gebäude in Washington benannt, in dem sich die Wahlkampfzentrale der Demokratischen Partei befand. Im Juni 1972 brachen dort fünf Männer ein, um Abhörwanzen anzubringen. Ihre Spur führte auf direktem Weg ins Weisse Haus, zum Wahlkampfteam der Republikaner und dem damaligen Präsidenten Nixon. Zwei Jahre später musste Nixon als bis heute einziger US-Staatschef zurücktreten.

«Nixon führte fünf Kriege»

Nach ausführlichem Studium der seitdem veröffentlichten Dokumente zu Nixons Amtszeit und der Affäre zogen Bernstein und Woodward nun den Schluss, dass die Affäre Sinnbild von Nixons Amtszeit gewesen sei: «Während seiner fünfeinhalbjährigen Präsidentschaft, von 1969 an, startete und steuerte Nixon fünf aufeinanderfolgende und teilweise sich überschneidende Kriege – gegen die Anti-Vietnamkriegsbewegung, die Nachrichtenmedien, die Demokraten, das Justizsystem und – schliesslich – gegen die Geschichte selbst», schrieben sie in ihrem Leitartikel.

Watergate habe nur Nixons ureigene «Mentalität und übliche Verhaltensweise» widergespiegelt, heisst es in dem Artikel weiter. Dazu zählten sie seine «Bereitschaft, zum eigenen politischen Vorteil das Gesetz zu missachten» sowie die stetige Suche «nach Schmutz und Geheimnissen bei seinen Gegnern». Politische Sabotage, Einbrüche sowie Abhörmethoden seien «Lebensform in Nixons Weissem Haus» gewesen, und das schon lange vor Watergate.

In der Sendung «Face the Nation» äusserten sich die beiden Reporter-Legenden auch zu einem brandaktuellen Thema, den «Obama-Leaks». Republikaner äusserten den Verdacht, das Weisse Haus veröffentliche absichtlich geheime Informationen über den Kampf gegen den Terror, damit sich die Obama-Regierung kurz vor den Wahlen profilieren kann. «Wir sollten Vorsicht walten lassen, bevor wir eine Hexenjagd auf die Informanten eröffnen», meinte Carl Bernstein. Man brauche heute mehr denn je echte Berichterstattung und diese beinhalte, falls nötig, den Schutz der Informanten.

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