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Kelten schmückten Brücken mit Menschenköpfen

Die Kelten – kein zimperliches Volk. Die Ausgrabungsstätte in La Tène am Neuenburgersee diente bizarren kultischen Zwecken: Das zeigt eine neue Ausstellung im Landesmuseum Zürich.

Am Neuenburgersee entdeckte der Fischer Hans Kopp im November 1857 Holzpfähle und Waffen im seichten Wasser neben dem heutigen Zihlkanal. Der Bieler Sammler Friederich Schwab hatte den Fischer beauftragt, nach Altertümern zu suchen. Schwab hatte zunächst geglaubt, er habe eine Pfahlbausiedlung entdeckt. Das stellte sich jedoch bald als Irrtum heraus.

Fischer Kopp war auf die Spuren von Kelten gestossen, die in die Zeit zwischen 250 und 150 vor Christus zurückreichen. Die Fundstätte erlangte rasch internationale Bedeutung; seit 1874 ist der Ort des Fundes, La Tène, ein Synonym für die jüngere Eisenzeit in Europa. Aus dem ehemaligen Flussbett der Zihl wurden über die Jahre mehr als 3000 Gegenstände geborgen, hauptsächlich Waffen, aber auch Fibeln und Werkzeuge aus Eisen sowie tierische und menschliche Knochen. Bei den ersten offiziellen Grabungen (1907-1917) stiessen die Archäologen zudem auf die Überreste zweier keltischer Holzbrücken aus dem 3. und 7. Jahrhundert vor Christus.

Die Funde gaben Forschern während Jahrzehnten Rätsel auf, was sich vor rund 2200 Jahren an der Zihl genau abgespielt hatte. War La Tène eine Militärstation mit Waffenlager? Ein Oppidum, in dem die umliegende Bevölkerung bei Angriffen Zuflucht suchte? Oder eine Grenzstation?

Die neueste Forschung, die 2003 durch eine Notgrabung in La Tène bereichert und im Keltenjahr 2007 durch ein Nationalfondsprojekt verstärkt wurde, hat eine These aus den 50er- und 60er-Jahren weitgehend bestätigt: La Tène war eine Kultstätte, und die Brücken über die Zihl dienten nicht allein dem Verkehr. Die kleine Wanderausstellung «Keltischer Kult am Neuenburgersee - La Tène», die heute im Landesmuseum Zürich eröffnet wird, bringt die neuesten Erkenntnisse der Forschung einem breiten Publikum näher.

Auf rituelle Handlungen weist die kriminaltechnische Untersuchung von Tier- und Menschenschädeln hin, die zwischen den Brücken lagen. Hieb- und Schnittmarken in einer Schädeldecke deuten die Forscher so: Ein Rechtshänder muss von vorn mit einem scharfen Beil, Dolch oder Schwert auf den 25- bis 40-jährigen Mann eingeschlagen haben. «Das Opfer wurde wahrscheinlich festgehalten. Ob der Mann schon tot war oder nicht, als er die Hiebe erhielt, weiss man nicht», sagt der Projektleiter der Ausstellung, Luca Tori.

Kratzspuren von Werkzeugen an der Basis von Pferde- und Menschenschädeln belegen ferner, dass diese Köpfe nach keltischem Brauch auf Pfähle der Brücke gespiesst worden waren. Die in La Tène gefundenen Waffen sind ungebraucht und teils absichtlich verbogen worden. Das ist ein weiteres starkes Indiz für eine Kultstätte.

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