Hat Jesus hier sein erstes Wunder vollbracht?

Im Norden Israels wurde ein Tunnelnetzwerk ausgegraben. Experten sagen, hier könnte Jesus Wasser in Wein verwandelt haben.

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Seit Jahrhunderten strömen Pilger zur Hochzeitskirche nach Kafr Kana; eine Stadt im Norden Israels, von der einige glauben, dass sie auf der alten Siedlung von Kana errichtet wurde. Kana soll laut Johannes-Evangelium die Stadt sein, wo Jesus von Nazaret als Gast einer Hochzeitsfeier, sein erstes Wunder vollbracht hat, als er Wasser in Wein verwandelt – und damit das abrupte Ende der Party abgewendet – hat.

Doch so ganz sicher war man sich nie, wo sich die biblische Szenerie abgespielt haben soll. Immer wieder erforschen Wissenschaftler die Authentizität religiöser Orte, mit teils abweichenden bis konträren Ergebnissen.

Jüngste Ausgrabungen bringen nun zutage, dass das biblische Kana ein staubiger Hügel ein paar Kilometer weiter nördlich von Kafr Kana sein könnte und zwar an der archäologischen Stätte von Khirbet Kana. Die Archäologen haben ein Netzwerk von Tunneln freigelegt, die offenbar für den christlichen Gottesdienst benutzt wurden, markiert mit Kreuzen und Verweisen auf «Kyrie Iesou», eine griechische Phrase, die «Herrn Jesus» bedeutet.

Als ebenso aufschlussreicher Fund gilt ein Altar und ein Regal mit Überresten eines Steingefässes mit Platz für fünf weitere. Der Wundererzählung zu entnehmen ist, dass sechs derartige Wasserkrüge, ursprünglich zur rituellen Reinigung gedacht, vorhanden waren.

Keine besseren Beweise

Dr. Tom McCollough leitete die Ausgrabungen. Es gebe drei weitere Stätten, die beanspruchen könnten, das Kana der Heiligen Schriften zu sein. Aber in keiner dieser Stätten hätte man derart zusammenhängende Beweise gefunden wie in Khirbet Kana, so McCollough.

«Wir haben einen grossen, christlichen Höhlenkomplex entdeckt, der von christlichen Pilgern genutzt wurde, die das ‹Wasser-Wein-Wunder› verehrten. Dieser Komplex wurde ab dem späten 5. oder frühen 6. Jahrhundert genutzt und von Pilgern in der Kreuzfahrerzeit des 12. Jahrhunderts weiter genutzt», führt McCollough weiter aus.

Die Hochzeit zu Kana von Paolo Veronese; vollendet 1563, (zu besichtigen im Louvre)

Die Pilgertexte aus der damaligen Zeit, die beschreiben, was die Pilger taten und sahen, als sie nach Kana in Galiläa kamen, stimmten laut McCollough «sehr gut mit dem überein, was wir als Verehrungskomplex aufgedeckt haben».

Als Teil seiner Beweise weist McCollough auf die Arbeit des jüdischen Historikers Flavius Josephus aus dem ersten Jahrhundert hin. Seine Referenzen zu Kana stimmen geografisch mit der Lage von Khirbet Kana überein. «Die neutestamentlichen und rabbinischen Texte behaupten, dass das Dorf jüdisch war, in der Nähe des Sees von Galiläa und der Region des unteren Galiläas. Khirbet Kana erfüllt alle diese Kriterien», so McCollough.

Video: Jesus verwandelt Wasser in Wein

Szene aus dem Film «The Gospel of John» von 2003. Quelle: Youtube.

Angesprochen auf die bisherige Pilgerstätte in Kafr Kana meinte McCollough, dass es die Franziskaner historisch nicht so genau nehmen: «Dieser Ort wurde erst im 18. Jahrhundert als Wallfahrtsort für Suchende in Kana anerkannt. Die Franziskaner verwalteten die christliche Pilgerreise lediglich und erleichterten damit die Passage.»

McCollough glaubt, dass die Entdeckungen in Khirbet Kana sogar die Historizität des Johannes-Evangeliums stützen könnten. «Unsere Ausgrabungen haben gezeigt, dass es sich tatsächlich um ein blühendes jüdisches Dorf handelte, das im Herzen eines grossen Teils des Lebens und des Wirkens Jesu liegt.»

Wein gibt es immer noch

Die Ausgrabungen würden zumindest eine Überprüfung des historischen Wertes der Anspielungen im Johannes-Evangelium auf Kana und Jesus rechtfertigen, so McCollough.

Dass in Kafr Kana dennoch des Wunders gedacht wird, bleibt wohl erhalten: Man kann dort auch Wein kaufen, der aber wohl nicht aus Wasserleitungen fliesst, sondern wie überall angebaut und gewonnen werden muss. (TA/NN)

Erstellt: 02.09.2018, 10:30 Uhr

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