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Ein ganz normaler Mann

Wie viel braucht es, um ein Massenmörder zu werden? Und wie viel, um zu desertieren? Die Geschichte eines deutschen Soldaten, der in einer Dezembernacht 1942 bei Schaffhausen über die Schweizer Grenze floh.

Arbeitskräfte ins Lager, den Rest erschiessen: Der jüdische Friedhof im polnischen Jozefow (1965).
Arbeitskräfte ins Lager, den Rest erschiessen: Der jüdische Friedhof im polnischen Jozefow (1965).
Yad Vashem (2), USHMM
Die meisten machten mit: Weihnachten beim Reserve-Polizeibataillon 101 in Lodz (1940).
Die meisten machten mit: Weihnachten beim Reserve-Polizeibataillon 101 in Lodz (1940).
Yad Vashem (2), USHMM
Erniedrigung von Juden in Lukow (um 1942).
Erniedrigung von Juden in Lukow (um 1942).
Yad Vashem (2), USHMM
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Die Männer wurden frühmorgens aus ihren Pritschen geholt. Es war noch dunkle Nacht, als sie im polnischen Bilgoraj, 75 Kilometer südlich von Lublin, auf die Lastwagen kletterten. Sie fuhren zu ihrem ersten grossen Einsatz, ohne zu wissen, worum es gehen würde.

Die Lastwagen hielten dreissig Kilometer weiter südöstlich. Es wurde allmählich hell. Aus der Dämmerung schälte sich ein einfaches polnisches Dorf mit seinen weissen, strohgedeckten Häusern. In Jozefow lebten neben den Christen auch 1800 Juden. Die Männer kletterten von den Lastwagen und sammelten sich um ihren Befehlshaber. Das Bataillon, sagte der deutsche Major Trapp, habe den Auftrag, die Juden zusammenzutreiben: Junge, gesunde Männer sollten in ein Arbeitslager gebracht, die übrigen erschossen werden.

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