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Ein Blutbad in der Bronzezeit

Deutsche Archäologen haben in Mecklenburg-Vorpommern Knochenreste, Waffen und andere Funde analysiert – und kommen zum Schluss, dass dort wohl eine brutale Schlacht geschlagen wurde.

Tod durch einen harten Schlag? Ein gefundener Schädel mit einer Verletzung im Stirnbereich.
Tod durch einen harten Schlag? Ein gefundener Schädel mit einer Verletzung im Stirnbereich.
Ute Brinker

Friedlich und still fliesst der Fluss Tollense durch das Tal nahe Altentreptow – ein norddeutsches Idyll, das in den vergangenen Jahren hin und wieder gestört wurde, weil sich an den Ufern menschliche Knochen fanden, dann ein Schlagstock und allerlei Gegenstände aus der Bronzezeit. Grund genug für den Historiker Thomas Terberger von der Universität Greifswald, der Sache nachzugehen. Gemeinsam mit Detlev Jantzen vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege, dem Neurochirurgen Jürgen Piek aus Rostock und weiteren Forscherinnen und Forschern begannen sie im Frühling damit, den Fluss systematisch zu erkunden.

Zunächst analysierten die Forscher die bereits gefundenen Menschenknochen, datierten sie mit Hilfe von Radiokarbon-Analysen und schickten im Sommer schliesslich Taucher in den Fluss, die tatsächlich viele weitere Funde machten. Wie die Wissenschaftler heute mitteilten, überraschte sie nicht nur die Zahl der Knochenreste, sondern auch ihre Streuung: Die menschlichen Überreste waren über eine Länge von mehr als einem Kilometer verteilt und stammen, wie die ersten Analysen nun zeigen, aus der Zeit um 1250 vor Christus. Ein starkes Indiz dafür, dass an diesem Ort viele Menschen gleichzeitig zu Tode kamen, zumal auffallend viele junge Männer unter ihnen waren.

Holzknüppel und eingeschlagener Schädel

Ein Schlachtplatz aus der Bronzezeit? Ja, vermuten die Archäologen angesichts der Knochenreste und der gefundenen Waffen, zu denen neben Pfeilen und Bögen auch schlichte Holzwaffen zählen. Schon zuvor waren dort ein verletzter Schädel und ein hölzerner Gegenstand mit einem keulenartigen Kopf gefunden worden, quasi ein vorchristlicher Baseballschläger, der offensichtlich für Gewalttaten vorgesehen war. Weil neben einzelnen Knochen auch Überreste von gesamten Skeletten gefunden wurden, glauben die Forscher, dass diese Menschen im Tollensetal starben – und später durch die Strömung des Flusses oder ein Hochwasser weiter getrieben wurden und in stillen Uferbereichen ihre letzte Ruhestätte fanden.

Sogar Pferdeknochen kamen bei den Ausgrabungen ans Licht, wie die Wissenschaftler berichten. Waren an der Schlacht also auch berittene Kämpfer beteiligt? Um diese und weitere Fragen zu klären, bauen die Archäologen nun ein interdisziplinäres Team auf, das die Fundregion und auch die Umgebung systematisch untersuchen wird. Neben Ausgrabungen sollen Analysen des Erbguts zeigen, ob es zwischen den Toten familiäre Bindungen gab. Und schliesslich sollen Geologen und Botaniker helfen, ein Bild von dieser Kulturlandschaft während der Bronzezeit zu entwickeln. Was dabei zum Vorschein kommen wird, ist offen – doch sicher sind die Forscher bereits heute darin, dass die Fundstelle eine herausragende archäologische Entdeckung ist.

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