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Der Blutzoll hing vom Boden ab

Die Zahl der Opfer in den Schlachten des amerikanischen Sezessionskriegs wurde laut amerikanischen Geologen entscheidend von der Topographie beeinflusst.

Im Visier von Geologen: Die Schlacht von Gettysburg in einer zeitgenössischen Darstellung.
Im Visier von Geologen: Die Schlacht von Gettysburg in einer zeitgenössischen Darstellung.

Fast jeder Amerikaner kann Details zu entscheidenden Schlachten des Bürgerkriegs zwischen der Union, geführt vom damaligen Präsidenten Abraham Lincoln, und den Konföderierten herunterbeten. «Gettysburg» zum Beispiel, 1. bis 3. Juli 1863, Sieg der Unionstruppen, mehr als 27'000 Verwundete auf beiden Seiten, rund 5500 Todesopfer. Oder «Antietam»: 17. September 1862, Sieg der Unionstruppen, mehr als 17'000 Verwundete auf beiden Seiten, rund 3600 Todesopfer.

Untergrund aus Fels – keine Schutzgräben

Laut dem amerikanischen Geologen Robert Whisonant und seiner Kollegin Judy Ellen von der Radford University in Boulder im Bundesstaat Colorado spielte der Untergrund beim Ausgang vieler Kämpfe eine wichtige Rolle – und hatte entscheidenden Einfluss auf die Opferzahlen. Zum Beispiel bei der Schlacht von Gettysburg, die sich über drei Tage hinzog und heute als Wendepunkt des Kriegs zugunsten der Union gilt.

Zu Beginn hatten die Unionstruppen den «High ground» inne, eine erhöhte Position, die einen strategischen Vorteil darstellte – unter anderem, weil die gegnerischen Truppen schon wegen des steigenden Terrains schneller ermüdeten. Die Analyse der Geologen förderte allerdings überraschende Details zutage. «Ein Nachteil für die Union war, dass der harte Fels so nah an der Oberfläche lag, dass die Soldaten keine Gräben ziehen konnten», erklären die Forscher laut der Webseite der «Geological Society of America». Damit waren sie der Artillerie der konförderierten Truppen schutzlos ausgeliefert, die ihrerseits auf dem Weg hinauf erodierten Fels überqueren mussten.

Mehr Überlebende dank Dolomitgestein

Auf diese Weise analysierten Whisonant und Ellen 25 Kämpfe des Sezessionskrieges, darunter auch die «Schlacht am Antietam» im September 1862 – der Überlieferung zufolge der blutigste Tag im gesamten Krieg. Überleben oder nicht, so Whisonant, hing vor allem vom Standort ab. In einer Kampfzone besteht der Boden aus fast reinem Kalkstein, der beim Zerfall «sozusagen schmilzt», wie der Forscher sagt, und deshalb eine sehr flache Fläche bildet – ohne eine natürliche, feste Deckung. In einem dieser Bereiche, heute «Millers Cornfield» genannt, so Whisonant, «schossen sich die Armeen gegenseitig in Stücke, bis zur völligen Entkräftung».

In der Nähe war die Geologie freilich anders ausgeprägt: ebenfalls ein Kalkstein-Untergrund, jedoch mit Anteilen von hartem Dolomit und Schiefer. Eine strukturiertere und gegliederte Topographie also, mit mehr Deckungsmöglichkeiten – und deshalb, so erklärt Whisonant, «war die Zahl der Opfer in diesem Bereich des Schlachtfelds weitaus geringer».

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