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Auf der Suche nach Cervantes' Leichnam

Fast vier Jahrhunderte nach seinem Tod suchen Forscher in einer Madrider Kirche nach den Gebeinen des Nationalhelden und spanischen Schrifstellers Miguel de Cervantes.

Elektromagnetische Wellen: Forscher suchen in einer Madrider Kirche nach den sterblichen Überresten von Miguel de Cervanztes. (28. April 2014)
Elektromagnetische Wellen: Forscher suchen in einer Madrider Kirche nach den sterblichen Überresten von Miguel de Cervanztes. (28. April 2014)
Reuters

Fast vier Jahrhunderte nach dem Tod des spanischen Nationaldichters Miguel de Cervantes haben sich Forscher auf die Suche nach seinen Gebeinen gemacht. Zwei Techniker begannen unter regem Medieninteresse damit, eine Madrider Kirche mithilfe eines Radars abzusuchen.

Der Schöpfer des berühmten Romans «Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha» soll in der Kirche des Klosters der Trinitarierinnen im Zentrum der spanischen Hauptstadt bestattet worden sein. Er starb am 22. April 1616 in grosser Armut. Wo genau Cervantes liegen könnte, ist jedoch bis heute nicht bekannt.

Cervantes soll Gedenkstein erhalten

Das Kloster wurde über die Jahrzehnte immer wieder vergrössert, etwa 15 Menschen wurden in der Kirche bestattet. In einer ersten Phase wollen die Wissenschaftler um den Historiker Fernando de Pardo drei Tage lang zwei an das Kloster angrenzende Kirchenräume absuchen.

Dabei werfen die elektromagnetischen Wellen jegliche Erhebung wie etwa ein Grab zurück zu dem Radar, wie de Pardo erklärte. Die Ergebnisse der Aufzeichnungen werden dann ausgewertet, was zwei bis drei Wochen dauern könnte.

Anschliessend erhält die Stadtverwaltung von Madrid einen Bericht über das Projekt, das insgesamt rund 100'000 Euro kosten dürfte. Cervantes sei eine «Figur von weltweiter Relevanz», erläuterte de Pardo: «Die ganze Menschheit steht in seiner Schuld.» Nun, da es technologisch möglich sei, solle der Schriftsteller aus seinem anonymen Grab geholt werden und einen Gedenkstein erhalten. Dabei soll die letzte Ruhestätte aber in der Kirche bleiben.

Verletzt in der Schlacht von Lepanto

Der Forensiker und Anthropologe Francisco Etxeberria verwies noch vor Beginn der Radarsuche auf die Tatsache, dass zwar eine Grabstätte gefunden werden könne, damit aber noch nicht die Identität des Bestatteten belegt sei. Dies sei Aufgabe von Archäologen und Forensikern.

Selbst wenn Knochen gefunden werden, wird ein Abgleich mit der DNA von Nachfahren des grossen Autors wenig helfen: es gibt nur noch Nachkommen von Cervantes' Bruder Rodrigo, und nach zwölf Generationen hätten diese nur noch «ein Minimum» mit dem Dichter gemeinsam, erläuterte de Pardo.

Stattdessen wollen die Forscher versuchen, Cervantes anhand seiner bekannten körperlichen Eigenschaften zu identifizieren: dazu gehören ein krummer Rücken, eine wahrscheinliche Arthrose und eine Adlernase. Zudem schrieb Cervantes kurz vor seinem Tod über sich selbst, er habe nur noch sechs Zähne. Vor allem aber wurde der Schriftsteller bei der Schlacht von Lepanto 1571 an der linken Hand so verletzt, dass er sie nicht mehr benutzen konnte

(SDA)

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