«Das ist das Schiff, das die Menschheitsgeschichte veränderte»

Bei einem vor Haiti entdeckten Wrack soll es sich um die Santa Maria handeln, mit der Christoph Kolumbus 1492 Amerika entdeckte. Es bestehen jedoch erste Zweifel.

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Der angebliche Fund von Christoph Kolumbus’ Flaggschiff Santa Maria hat bereits einen Streit unter Forschern entfacht. Es bestehen Zweifel, dass es sich bei dem Wrack tatsächlich um das legendäre Schiff handelt, mit dem der Entdecker im 15. Jahrhundert zu seiner ersten grossen Expedition aufbrach.

Laut dem US-Forscher Barry Clifford, deuten aber «alle geografischen, archäologischen und topografischen Analysen stark darauf hin, dass es sich um das berühmte Flaggschiff von Kolumbus handelt».

Das Wrack wurde bereits 2003 in einer Gegend gefunden, wo die Santa Maria nach Kolumbus' eigenen Angaben sank. Die Überreste – unter anderem eine Kanone – hätten damals falsche Ergebnisse gebracht, sagte Clifford. Vor zwei Wochen kehrte er mit einem Expertenteam zur angeblichen Santa Maria zurück und ist sich inzwischen sicher: «Dies ist das Schiff, das den Gang der Menschheitsgeschichte veränderte.»

«Überzeugende Hinweise»

Trotz den Zweifeln spanischer Experten, dass das Schiff aus Holz keine 500 Jahre unter Wasser überdauern könne, halten verschiedene Forscher die Angaben Cliffords für glaubwürdig. Laut dem Meeresarchäologen Charles Beeker gebe es «überzeugende Hinweise, dass es sich tatsächlich um die Santa Maria handelt».

Auch Nikolaus Böttcher, Gastprofessor am Lateinamerikanischen Institut an der Freien Universität Berlin, liefert Hinweise, dass es sich bei dem Schiffswrack um die Santa Maria handelt. Solche Expeditionen seien sehr zeitaufwendig – ebenso deren Nachweis. «Bis man mit solchen Informationen und Mutmassungen an die Öffentlichkeit geht, ist eine gewisse Sicherheit notwendig.»

Die Karibik sei eine Schatzkammer, sagt Böttcher: «Im Karibischen Meer werden immer wieder grosse Entdeckungen von Schiffswracks gemacht – ein solcher Fund ist keine Seltenheit.» Im 16. Jahrhundert wurden die entdeckten Schätze in Amerika von Europäern zurück in ihre Heimat gebracht. Durch die Angriffe von Piraten liefen jedoch Hunderte Schiffe auf Grund. Verschiedene Forscher sehen daher eine Verwechslung mit einem anderen Schiff als wahrscheinlich.

Böttcher verweist auf den Sensationsfund der gesunkenen Atocha. Die spanische Galeone aus dem 17. Jahrhundert wurde 1985 von dem erfolgreichsten «Schatzsucher», Mel Fisher, entdeckt. Der Fund gilt als eine Sensation und als einer der grössten Schätze, die je gefunden wurden. Das Wrack war voller Gold, Silber und Smaragden im Wert von 400 Millionen Dollar. «Zwar sind die Schiffe und der Fundort nicht miteinander vergleichbar, aber die Bedeutung der Funde weist grosse Ähnlichkeiten auf», sagt Böttcher. «Die Wichtigkeit der Santa Maria ist enorm. Es ist wohl eines der bekanntesten, wenn nicht das bekannteste Flaggschiff. Eine solche Entdeckung wäre eine wissenschaftliche Sensation für die Meeresarchäologen.»

Potenzial für Haitis Tourismusbranche

Solche Schiffe aus der Entdeckerzeit könnten neue Informationen bringen, welche von enorm grosser Bedeutung für die Forschung wären. Das Wrack wäre aber nicht nur für die Wissenschaft eine Sensation. Es habe auch das Potenzial, bei der Entwicklung des Tourismus in Haiti eine Rolle zu spielen. Für weitere Expeditionen habe die Regierung Haitis bereits Interesse gezeigt.

Kolumbus war mit dem Dreimaster 1492 auf der Suche nach Ostasien in See gestochen, doch führte ihn seine erste Expedition statt nach Indien auf die Bahamas. Am 25. Dezember soll die Santa Maria auf eine Sandbank vor der Insel Hispaniola aufgelaufen sein und sank anschliessend. Auf der Insel liegen heute die Dominikanische Republik und Haiti. Das 25 Meter lange und acht Meter breite Schiff hatte eine 40 Mann Besatzung und wog 102 Tonnen.

Clifford und sein Forschungsteam machten bereits 1984 Schlagzeilen mit der Entdeckung des Sklaventransporters und Piratenschiffs Whydah aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Es handelte sich um das erste nachweislich als Piratenschiff identifizierte Schiffswrack. Zuletzt machte Clifford Furore mit der Entdeckung des Schiffs des legendären Captain Kidd vor Madagaskar, einem Freibeuter des 17. Jahrhunderts.

Angereichert mit Material der Nachrichtenagentur SDA und AFP.

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