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Corona-Trickser wollen vom Virus profitieren

Die einen versuchen sich ohne Arztbesuch krankschreiben zu lassen, andere mit falschen Angaben einen Test zu erzwingen

Mit falschen Angaben am Telefon versuchen vermehrt Leute einen Corona-Test zu bekommen. Foto: iStock
Mit falschen Angaben am Telefon versuchen vermehrt Leute einen Corona-Test zu bekommen. Foto: iStock

Seit dem Auftreten des neuen ­Coronavirus gibt es einen grossen Zusammenhalt im Land. Aber nicht bei allen. Es gibt Schlauberger, die versuchen, im abgekürzten Verfahren zu einer Beurlaubung zu kommen. «Zurzeit kommen Leute zu uns, die am Empfang ein Arztzeugnis verlangen, ohne einen Arzt gesehen zu haben», heisst es bei der Ärztestation Permanence am Zürcher Hauptbahnhof. «Sie sagen, der Chef wolle das so.» Solche «Über-die-Theke-Arztzeugnisse ohne Konsultation» stelle man selbstverständlich nicht aus. Das Arbeitsunfähigkeitszeugnis sei in der Schweiz ein wertvolles Gut, das man schützen müsse.

Die Zürcher Stadtspitäler Triemli und Waid meldeten bereits vor ein paar Tagen: «Vermehrt suchen gesunde Personen unseren Notfall auf und verlangen ein Arztzeugnis, obwohl keine Symptome vorliegen.» Das machten die Spitäler auf den sozialen Kanälen publik.

Manche Menschen dürften das aus Angst vor einer Ansteckung tun. Andererseits gilt aber: Blaumachen war noch nie so einfach wie in diesen Tagen.

«Wenn Gesunde ein Arztzeugnis verlangen, dürfte es sich einerseits um Personen handeln, die sich stark gefährdet fühlen und aus ­diesem Bedrohungsgefühl heraus handeln, aber andererseits leider auch um Leute, die die Situation für sich und ihre Interessen nutzen wollen», sagt der Psychologe Frank Wieber von der Forschungsstelle für Gesundheitswissenschaften an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.

Ein Arztzeugnis musste man bisher vorlegen, wenn man mehr als drei Tage fehlte. Neu soll das erst nach fünf Tagen gelten, empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit (BAG). «Wir sind bereit, diese Empfehlung verantwortungsbewusst und grosszügig anzuwenden», sagt Fredy Greuter vom Arbeitgeberverband. «Diese Vertrauenskultur setzt aber umgekehrt bei den Arbeitnehmern voraus, das nicht auszunutzen, um tagelang blauzumachen.» Sollten sich Missbräuche häufen, sagt Greuter, «müssten die Arbeitgeber eine gelockerte Abgabepflicht bei Arztzeugnissen wieder rückgängig machen».

Lügen, um Zugang zu einer Praxis zu erhalten

Seit nicht mehr alle Personen mit Grippesymptomen getestet werden, gibt es neuerdings auch hier Corona-Trickser. Das stellt Axel Rowedder fest, leitender Arzt der Praxis Medix Toujours in Basel. «Uns macht die Tatsache zu schaffen, dass zunehmend mehr Personen mit bewusst falschen Angaben zu ihren Vorerkrankungen oder Risikosituationen versuchen, einen Test zu bekommen», sagt er. «Sie kennen die Testkriterien des BAG sehr genau und wissen, was sie ­sagen müssen, damit sie getestet werden.»

Auch mache man leider die ­Erfahrung, sagt Rowedder, «dass Patienten am Telefon falsche Angaben machen, damit sie in die ­Praxis kommen können und nicht – wie vom BAG empfohlen – nur telefonisch beraten werden».

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