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Zum Zmittag gibt es Mikroplastik

Wir verlieren die Kontrolle darüber, was wir uns einverleiben und was nicht.

Durchschnittlich 31 Kilogramm Plastikmüll verursacht ein Europäer pro Jahr aus Verpackungen. Foto: Christian Beutler (Keystone)
Durchschnittlich 31 Kilogramm Plastikmüll verursacht ein Europäer pro Jahr aus Verpackungen. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Ein halb verwester Albatros, Schnabel, Federn, Rippenbögen – und der offene Bauch gefüllt mit bunten Plastik-Schraubverschlüssen, Einwegfeuerzeugen, Zellophan. Der amerikanische Künstler Chris Jordan fotografiert die verendeten Seevögel seit bald zehn Jahren, auf einem Atoll im Pazifik. Es sind Jungtiere, ihre Eltern haben sie mit Plastikmüll aus dem Meer gefüttert. Tod durch Zivilisation.

Vielleicht nur gerecht, dass das Plastik nun auch in Menschenmägen auftaucht. Forscher der Medizinischen Universität Wien und des Umweltbundesamtes Österreich haben erstmals Mikroplastik in menschlichem Stuhl nachgewiesen, und zwar bei allen Versuchsteilnehmern. Insgesamt fanden sie neun Kunststoffarten in der Grösse von 50 bis 500 Mikrometern, am häufigsten Polypropylen (PP) und Polyethylenterephthalat (PET).

Die Pilotstudie ist vorläufig und mit acht Probanden wenig aussagekräftig. Umso mehr braucht es weitere, umfassendere Untersuchungen zum Plastik im Menschen. Der Befund der Österreicher macht Angst. Offenbar haben wir nicht mehr unter Kontrolle, was wir uns einverleiben. Niemand würde freiwillig Plastik schlucken.

Die Forscher sagen nicht, auf welchem Weg das Plastik in den Menschen gelangt ist. Hypothesen aber gibt es viele: Die Partikel könnten von Verpackungsmaterial stammen, in das Früchte und Gemüse auch in der Schweiz oft eingeschweisst werden. Oder von PET-Flaschen. Auch Zahnpasta und Kosmetika enthalten abrasives Plastik, das bei der Wiederaufbereitung des Abwassers nicht immer weggefiltert werden kann. Selbst der Abrieb von Autoreifen und Gummischuhsohlen setzt Mikroplastik frei.

Kein Entrinnen, also? Du isst, was du bist, Plastikmensch? Fatalismus ist zu einfach. Irgendwo muss man anfangen. Bei den Trinkröhrli, Plastiksäcken. Dass das EU-Parlament gestern für ein Verbot von Wattestäbchen, Wegwerfgeschirr und anderen Plastikprodukten gestimmt hat, ist nicht übertrieben. Sondern Dienst am Bauch des Bürgers.

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