Zeiler Köniz stellt Betrieb ein

Die deutschen Besitzer bauen in Köniz mindestens 60 Stellen ab. Die Produktion von Verpackungen wird in den Aargau und ins Ausland verlagert.

Seit 1930 stellt Zeiler in Köniz Verpackungen her.

Seit 1930 stellt Zeiler in Köniz Verpackungen her. Bild: Christian Pfander

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Wer bei Zeiler Köniz an Volleyball denkt, liegt nicht falsch: Zehn Jahre lang war die Verpackungsdruckerei Sponsorin und Namensgeberin des erfolgreichen Sportklubs. Seit 2009 heisst dieser wieder Volley Köniz.

Nun wird der Name Zeiler Köniz ganz verschwinden: 30 Angestellte der Verpackungsdruckerei haben im November die Kündigung erhalten, andere bereits in den Monaten zuvor. Insgesamt wird das Unternehmen bis nächstes Jahr mindestens 60 der heute rund 80 Stellen abbauen.

Die Produktion von Verpackungen wird 2019 vollständig einstellt, wie das deutsche Mutterhaus der Druckerei in Köniz auf Anfrage des «Bund» bestätigt. Die Druckmaschinen werden demontiert, das Werk in Köniz soll noch als Lager genutzt werden. Die maximal 20 verbleibenden Mitarbeiter sollen in der Entwicklung und im Verkaufsinnendienst eingesetzt werden.

Wie lange sie in Köniz bleiben können, ist jedoch offen. Laut gut unterrichteten Kreisen ist die grosse, zentral in Köniz gelegene Immobilie «praktisch schon verkauft». Das Unternehmen wollte das nicht kommentieren.

Nespresso-Verpackungen made in Köniz

Die Druckerei hat sich auf Verpackungen von Lebensmitteln spezialisiert. Ein wichtiger Kunde von Zeiler ist Nespresso mit den langen Zehnerschachteln für Kaffeekapseln. Auch Ricola und Halter liessen ihren Bonbonschachteln jahrzehntelang in Köniz drucken.

Die Druckerei wurde 1930 gegründet. Bis im Jahr 2000 war das Unternehmen im Besitz der Gründerfamilie Zeiler. Weil in der Familie keine Nachfolge bereit stand, wurde Zeiler dann an die Migros-Tochter Limmatdruck im aargauischen Spreitenbach verkauft. Damals arbeiteten in Köniz 180 Angestellte, das Unternehmen erzielte einen Jahresumsatz von über 40 Millionen Franken.

Migros verkaufte die Druckerei ins Ausland

Die Migros verkaufte Limmatdruck im Jahr 2011 wiederum nach Deutschland, an das Familienunternehmen RLC mit Sitz in Hannover. Seither ist die Belegschaft in Köniz geschrumpft. Den nun finalen Abbauschritt begründet Stephan Bestehorn, geschäftsführender Gesellschafter der RLC-Gruppe, damit, dass die Kunden internationale Aufträge ins Ausland verlagert hätten. Deshalb sei «die Aufrechterhaltung dieses Standortes nachhaltig nicht mehr wirtschaftlich». Die in der Schweiz verbleibenden Aufträge würden von Limmatdruck in Spreitenbach übernommen, schreibt Bestehorn.

Laut Bestehorn haben alle vom Stellenabbau betroffenen Angestellten das Angebot erhalten, in Spreitenbach weiterzuarbeiten. Gemäss einem Kenner des Unternehmens ist dies wegen des langen Wegs und des frühen Arbeitsbeginns aber für fast niemanden eine Option. «Für Mitarbeiter, die nicht wechseln können oder wollen, verhandeln wir mit der Personalkommission aktuell einen Sozialplan», schreibt Stephan Bestehorn von RLC weiter.

Bei der Zeiler-Belegschaft in Köniz heisst es, eine Mitarbeiterin aus der Zentrale habe den Betroffenen die Kündigungsschreiben kommentarlos übergeben. Bestehorn widerspricht: Die Kündigungen seien den Betroffenen «im Rahmen eines persönlichen Gespräches zumeist mit HR und ihrem direktem Vorgesetzten» überreicht worden. (Der Bund)

Erstellt: 05.12.2018, 06:40 Uhr

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