Der schlaue Mr. Tim Cook

Er ist zwar vorsichtiger als Steve Jobs, aber auf eindrückliche Weise schafft es der heutige Apple-Boss, die Kunden mit immer neuen Ideen bei Laune zu halten.

Kein Homeknopf, aber Gesichtserkennung: : Das neue iPhone X. (Video: Tamedia/Apple)

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Mit seinen 41 Jahren hat sich Apple als unbestrittener und ebenso beneideter Platzhirsch im Silicon Valley etabliert. Wie zuvor Microsoft und noch früher IBM bestimmt Apple die Regeln des Spiels der Techindustrie und führt mit einem Marktwert von mehr als 830 Milliarden Dollar sämtliche US-Firmen an. Für Apple-Chef Tim Cook ist das nicht gut genug. Dieses Jahr setzt er zum Sprung in einen grösseren Markt der ­digitalen und virtuellen Realität an. Ziel ist, noch einige Jahren vom Erfolg des iPhone profitieren zu können.

Dabei bleibt Cook sich selbst treu. Er war nie der schnellste oder mutigste der Hightech-Topmanager. Google, Facebook oder Amazon waren Apple in vielen Bereichen voraus, auch bei der Entwicklung von Anwendungen für die virtuelle Realität. Doch Cook wartete lieber etwas ab, als die hohen Erwartungen der Kunden mit unfertigen oder unbefrie­digenden Produkten zu enttäuschen. Diese Vorsicht, verbunden mit dem Drang zum schlicht-eleganten Design sowie der fliessenden Integration von Soft- und Hardware, erklären den Erfolg von Apple mehr als alles andere. Cook gelang es, die Fangemeinde von Steve Jobs zu übernehmen und sie sogar auszubauen. Der Konzern kann sich heute weltweit auf mehr als 1,2 Milliarden iPhone-Kunden abstützen. Sie sind dem Unternehmen wie keinem anderen treu. Apple-Kunden wechseln weit seltener als Benützer von Android-Geräten, die Treue-Quote liegt bei weit über 90 Prozent. Wie loyal sie sind, zeigen die Zahlen des letzten Quartals, als Apple zwei Prozent mehr iPhones verkaufen konnte, obwohl das Gerät nicht im üblichen Zweijahresschritt, sondern letztmals 2014 modernisiert worden war.

Apple in allen Lebenslagen

Kein anderes Techunternehmen ist allerdings so stark von einem einzigen Gerät abhängig wie Apple. Mit dem iPhone macht der Konzern mehr als zwei Drittel des Gewinns und erreicht eine Profitmarge von über 40 Prozent. Das ist schön, und ist riskant. Ein Brand der Batterie etwa wie beim Samsung Note 7 wäre für das Image von Apple und das iPhone gleichermassen fatal. Die Angst um einen Einbruch nimmt Cook sehr wörtlich. Zum Beispiel, als die Bundespolizei FBI ihn aufforderte, den Entschlüsselungscode für das iPhone offenzulegen, um ein Verbrechen aufzuklären. Cook sperrte sich vehement und mit Erfolg gegen das Ansinnen. Ein solches Eindringen ins Apple-Biotop sei so etwas wie eine «Software-Krebserkrankung», sagte Cook.

Überall, zu jeder Zeit

Apple ist für den nächsten Entwicklungsschritt auf ein integres iPhone-System angewiesen, denn es liefert äusserst wertvolle Daten über die Nutzer, ihr Konsumverhalten und ihre Wünsche und Bedürfnisse. Zusammen mit Google, Microsoft, Google und Amazon schreibt Apple das Betriebssystem der neuen, querbeet digitalisierten Wirtschaft. «Je grösser diese Konzerne sind, desto mehr Daten sammeln sie und desto besser können sie die Daten für neue Geschäftsfelder nutzen», sagt Brad Slingerlend von Janus Henderson. UBS-Analyst Steve Milunovich stimmt zu: «Das iPhone führt Apple nicht in eine Sackgasse». Vielmehr wolle Cook das iPhone als Basis für einen umfassenden digitalen Dienstleistungskonzern einsetzen, schreibt Milunovich, die Apple Watch und der AirPod seien dafür nur Übergangsprodukte, wie das der iPod gewesen war.

Ziel ist der Einbezug der virtuellen und erweiterten Realität in sämtliche Lebensbereiche. Cook beschreibt diesen Ausbauschritt als «iOS everywhere». Die Apple-Software soll im Gesundheitswesen, im Sport, in der Unterhaltung, bei der Ausbildung oder beim Einkaufen zum Einsatz kommen. «Ich betrachte dies als die gleich grosse Idee wie das Smartphone selber», so Cook. Ob der Apple-Chef übertreibt oder nicht, wird das neue iPhone zeigen. Das Modell X ist das erste Modell, das direkt die Entwicklung von Applikationen für die virtuelle und angewandte Realität erlaubt. Auch Google und Microsoft arbeiten an solchen Anwendungen. Cook muss nun zeigen, was er versprochen hat: dass er die Erfolgsgeschichte um ein weiteres Jahrzehnt verlängern kann. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.09.2017, 06:22 Uhr

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