Wo Bern noch ein Bauernkanton ist

Ein Vergleich der regionalen Wirtschaftsstrukturen des Kantons zeigt auch Überraschendes: etwa, dass im Seeland die Landwirtschaft keine grosse Rolle spielt.

Die Wirtschaft des Berner Seelands ist entgegen seinem Ruf nicht landwirtschaftlich orientiert.

Die Wirtschaft des Berner Seelands ist entgegen seinem Ruf nicht landwirtschaftlich orientiert. Bild: Adrian Moser

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Der Kanton Bern ist in der Schweiz ein wirtschaftliches Schwergewicht. Nur Zürich erbringt von allen Kantonen eine noch höhere Wirtschaftsleistung. Allerdings unterscheiden sich die fünf bernischen Verwaltungsregionen in Sachen Branchenstruktur und damit wirtschaftlicher Ertragskraft sehr stark. Das zeigt eine aktuelle Übersicht des kantonalen Amts für Wirtschaft (Beco). Sie zeigt auch, dass sich die Branchenstruktur insgesamt im Kanton Bern kaum von derjenigen der gesamten Schweiz unterscheidet.

Das Zugpferd der bernischen Wirtschaft ist die Region Bern-Mittelland, die sich von Guggisberg bis Fraubrunnen und von Linden bis Gurbrü erstreckt. In dieser Region wohnen nicht nur mit Abstand die meisten Menschen. Hier sind auch die Hälfte aller bernischen Arbeitsplätze angesiedelt. Diese sind zudem überdurchschnittlich produktiv. So wird mehr als die Hälfte der kantonalen Wirtschaftsleistung in der Region Mittelland erarbeitet. Zu verdanken ist das vor allem ertragsstarken Dienstleistungsjobs im Gesundheits- und Sozialwesen, in der öffentlichen Verwaltung sowie in Branchen wie der Finanzindustrie und Beratung.

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Wenig produktive Oberländer

Der Dienstleistungssektor hat im Kanton Bern in den letzten fünf Jahren an Wichtigkeit gewonnen. Dagegen haben in sämtlichen Regionen Landwirtschaft und Industrie an Bedeutung eingebüsst, wie eine Auswertung des «Bund» zeigt. Speziell hoch ist der Anteil der Dienstleistungsjobs im Berner Oberland. Allerdings überwiegen hier die Branchen Gastgewerbe und Tourismus. Diese sowie die ebenfalls stark verbreitete Baubranche sind sehr arbeitsintensiv, werfen dabei allerdings eher geringe Erträge ab. Ökonomisch spricht man in dem Zusammenhang von einer niedrigen Arbeitsproduktivität. Das Oberland hat denn auch von allen bernischen Verwaltungsregionen die geringste Arbeitsproduktivität.

Etwas besser sieht diese in der Region Emmental-Oberaargau aus. Zwar sind in keiner anderen Region mehr Beschäftigte in der Landwirtschaft tätig – einem Wirtschaftszweig, der ebenfalls von geringer Arbeitsproduktivität gekennzeichnet ist. Gleichzeitig ist die Region zwischen Schangnau und Niederbipp aber stark von der Industrie geprägt – besonders dem Maschinenbau und der Nahrungsmittelindustrie –, wo die Produktivität wiederum höher ist.

Stellenrückgang im Seeland

Überraschenderweise spielt die Landwirtschaft im Emmental-Oberaargau sogar die deutlich grössere Rolle als im Seeland, das immerhin die Gemüsekammer des Kantons ist. Die Erklärung dafür: Zum Seeland gehört auch die – für bernische Verhältnisse grosse – Stadt Biel, die einen sehr hohen Anteil an Beschäftigten im Industrie- und Dienstleistungssektor aufweist. Das drückt den Anteil der Landwirtschaft nach unten. Der Metall- und Präzisionsindustrie, inklusive Uhren, hat die Region Seeland auch ihren sehr hohen Exportanteil zu verdanken. Höher ist der Exportanteil einzig im Berner Jura. Wobei auch in der kleinsten Verwaltungsregion die Metall- und Uhrenindustrie stark vertreten ist. Der Berner Jura ist dadurch sogar die am stärksten industrialisierte Region im Kanton.

In den letzten zehn Jahren ist der Berner Jura dank der Uhrenindustrie stärker gewachsen als die anderen Regionen. Die Wirtschaftsleistung hat sich hier um 15 Prozent gesteigert. Nur leicht geringer war das Wirtschaftswachstum in der Region Bern-Mittelland. Mit einem Plus von knapp 8 Prozent am geringsten war es im Oberland. Beim Arbeitsmarkt fällt dagegen das Seeland ab. Als einzige bernische Region hatte es 2016 weniger Beschäftigte als noch zehn Jahre davor. (Der Bund)

Erstellt: 13.10.2017, 06:36 Uhr

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