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Wie die Griechen über vier Milliarden Euro aufgenommen haben Von Steffen Gosenheimer, DAPD Hintergrund

Frankfurt Was einmal geht, geht auch zweimal.

Während sich die internationalen Geldgeber EU und IWF streiten, wie Griechenland weiter geholfen werden soll, hat das Land an der Ägäis die für Freitag benötigten 5 Milliarden Euro zur Abzahlung alter Schulden schon fast zusammen. Bereits im August war den Griechen dieses Kunststück gelungen, damals unter kräftiger Mithilfe der Europäischen Zentralbank (EZB). Und die EZB spielte auch diesmal mit. Der Trick bestand darin, dass die EZB der griechischen Notenbank, also ihrer Schwester in Athen, gestattete, sehr kurz laufende Schuldtitel von Banken als Sicherheiten zu akzeptieren, die sie selbst nicht mehr beleiht. Anders als noch im Sommer, als das Limit dafür mit 7 Milliarden Euro mehr als ausreichend war, gab es diesmal allerdings eine Höchstgrenze von 3,5 Milliarden Euro zu beachten. Das Limit, im Rahmen dessen diese Papiere als Sicherheiten für die Notkredite akzeptiert werden, wurde nach Informationen der Zeitung «Die Welt» kurz vor der Auktion griechischer Kurzläufer am Dienstag von der EZB reduziert. Damit revidierte der Rat eine Entscheidung von August, als die Obergrenze angehoben worden war. Banken ermöglichen Zwischenfinanzierung Dass letztlich die benötigten 5 Milliarden Euro doch zusammenkommen, verdanken die Griechen nach Aussage informierter Personen der Tatsache, dass der Kurswert von Papieren gestiegen ist, den die Banken in ihren Büchern haben. Mit den zusätzlichen Mitteln können die Banken wieder Staatsanleihen kaufen und der Regierung in Athen damit die dringend benötigte Zwischenfinanzierung ermöglichen. So geplant und geschehen ist es am Dienstag, als die griechische Finanzagentur Schuldtitel mit vier und 13 Wochen Laufzeit im Gesamtvolumen von 4,063 Milliarden Euro offenbar problemlos unterbrachte. Der Zins lag zwischen 3,95 und 4,20 Prozent. Übliche Praxis bei derartigen griechischen Auktionen ist auch, dass ein weiterer Teil über 30 Prozent am Donnerstag folgt. Damit betrüge das Gesamtvolumen exakt 5 Milliarden Euro. Die Notkredite sind formal Sache der nationalen Notenbanken, der EZB-Rat hat jedoch ein Vetorecht. Zentralbank-Präsident Mario Draghi hatte vergangene Woche deutlich gemacht, dass die Notkredite ein reguläres Instrument des Euro-Systems seien. Krach zwischen Währungsfonds und Eurozone Während Griechenland also einmal mehr einen Zahlungsausfall verhindern kann, befinden sich seine Zahlmeister immer offener im Clinch, wie beziehungsweise ob dem Land noch zu helfen ist. Im Anschluss an das Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel erklärte die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, dass sie mit den Europäern nicht übereinstimme. Diese wollen Griechenland bei der Schuldentilgung erhebliche Zugeständnisse machen. Der IWF aber sieht das nicht ein. Hintergrund ist, dass Lagarde unter erheblichem Druck der aussereuropäischen Staaten steht. Diese finden, dass die reichen Europäer ihren Laden gefälligst selbst in Ordnung bringen sollen. Lagarde möchte zum Beispiel einen zweiten Schuldenschnitt für Griechenland. Der würde nach Lage der Dinge vor allem die öffentlichen Haushalte in Europa treffen, denn dort sind derzeit die meisten griechischen Anleihen vergraben. Schuldenberg abbauen Nach Ansicht des IWF sollte Griechenlands Schuldenberg bis zum Jahr 2020 auf 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung schrumpfen. Griechenland selbst geht davon aus, dass seine Schuldenquote im Jahr 2014 mit mehr als 190 Prozent einen vorläufigen Höhepunkt erreichen und danach sinken wird. Der luxemburgische Ministerpräsident und Chef der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, aber pocht auf längere Fristen. Die Eurozone habe sich doch «mehr oder weniger» darauf geeinigt, dass man Griechenland bis 2022 Zeit geben wolle, um das Schuldenziel zu erreichen. Der Druck auf die Geldgeber, die nächste Kreditzahlung umgehend freizugeben, ist allerdings nicht mehr ganz so gross, seitdem klar ist, dass die griechische Regierung ihrer Tilgungszahlung am Freitag wird nachkommen können. Die Finanzminister der Eurozone wollen nun am 20. November erneut tagen.

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