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Wenn die Verpackung das Essen verunreinigt

Verpackungen geraten in Verruf, weil sie chemische Stoffe an die Lebensmittel abgeben.

Dass Schokolade dick und glücklich macht, ist ja bekannt. Kann sie auch krank machen, wenn sie falsch verpackt ist?
Dass Schokolade dick und glücklich macht, ist ja bekannt. Kann sie auch krank machen, wenn sie falsch verpackt ist?
Adrian Moser

Lebensmittel kaufen ohne Verpackung: Was früher auf dem Markt, in der Molkerei oder beim Bäcker gang und gäbe war, soll demnächst in Bern ein Comeback feiern. Gleich mehrere Läden wollen den Einkaufstrend in die Bundesstadt bringen («Bund» vom Montag). Ihnen helfen dürfte vor allem das Bedürfnis der Konsumenten, einen Beitrag zur Abfallverminderung zu leisten. Aber nicht nur.

Verpackungen sind die Hauptquelle für chemische Verunreinigungen im Essen. Laut Experten gibt es rund 100'000 chemische Stoffe, die aus der Verpackung in die Lebensmittel migrieren können. Obwohl diese Erkenntnis nicht neu ist – schon vor über 30 Jahren analysierten Forscher das Phänomen der wandernden Chemikalien –, schenkt die Öffentlichkeit dem Thema in letzter Zeit mehr Aufmerksamkeit. Unlängst sorgten etwa unerlaubte, krebserregende Substanzen in Fast Food für Schlagzeilen, davor waren es Mineralölrückstände in Schokolade.

Darüber, ob und wie schädlich diese Stoffe für die Konsumenten sind, ist bisher nur wenig bekannt. Zumal für qualifizierte Aussagen Studien über eine sehr lange Dauer durchgeführt werden müssten. Viele Stoffe entstehen zudem erst in der fertigen Verpackung als Reaktions- oder Abbauprodukte.

Vorsicht bei heissem, öligem Essen

Wie stark chemische Stoffe in Lebensmittel migrieren, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Diese stellte der britische Forscher Laurence Castle im Buch «Chemical Migration and Food Contact Materials» in einer Übersicht zusammen. Förderlich für den Stoffaustausch sind demnach ein langer Kontakt zwischen dem Lebensmittel und der Verpackung, eine hohe Temperatur, kleine Verpackungen, poröse Verpackungen wie Karton und fettige oder saure Lebensmittel.

Weniger von migrierenden Stoffen betroffen sind dagegen trockene Lebensmittel mit wenig Kontakt zur Verpackung und Verpackungen aus undurchlässigen Materialien wie Glas, Metall und Keramik. In einem Bericht der «NZZ am Sonntag» riet Jane Muncke, Direktorin des Food-Packaging-Forums, den Konsumenten, möglichst wenig verpackte Lebensmittel zu konsumieren.

Doch auch die Kunden in den neuen Berner Verpackungsfrei-Läden werden nicht ganz gefeit sein vor chemischen Verunreinigungen ihrer Lebensmittel. Denn erstens gebe es kein Material, das gar keine Moleküle abgebe, schreibt Castle. Also selbst, wenn die Milch mit einer Mehrweg-Glasflasche im Laden geholt wird, muss mit gewissen Verunreinigungen gerechnet werden. Zudem wandern nicht nur aus der Verpackung des Endprodukts Stoffe in die Lebensmittel, sondern auch aus Transportbehältern, Förderbändern und selbst aus Gummihandschuhen, die in der Produktion verwendet werden.

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