Wenn der Nachbar eine Minute früher jubelt

Heute beginnt die Fussball-WM in Russland. Ein Ärgernis für die Fans bleibt: Je nach Verbreitungsart sind die Fernsehbilder mit Verzögerung zu sehen.

Wer die WM-Tore früher sehen will, riskiert ein schlechteres Bild. (Symbolbild/Archiv)

Wer die WM-Tore früher sehen will, riskiert ein schlechteres Bild. (Symbolbild/Archiv) Bild: Esther Michel

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Es ist ein Widerspruch im Zeitalter der Digitalisierung. Ausgerechnet jene Zuschauer, die mit der ältesten Fernsehtechnologie die Fussball-WM verfolgen, können die Tore als Erste sehen.

Gemeint ist die Antenne, welche das TV-Signal terrestrisch respektive landgestützt empfängt. Wer hingegen via Satellit, Kabel oder Internet fernsieht, muss Verzögerungen bei der Übertragung der Livebilder hinnehmen.

Das kann zur seltsamen Situation führen, dass der Nachbar am offenen Fenster schon jubelt, während die Nati am eigenen Bildschirm den Spielzug erst lanciert. Die Dauer der Verzögerung kann im Vergleich zum Antennensignal bis zu einer Minute dauern, wie Zahlen zur Schweiz zeigen.

Im Vorfeld der Weltmeisterschaft 2014 untersuchte das Testlabor der SRG die Unterschiede. Fussballfans vor TV-Geräten mit Satellitenempfang sind drei Sekunden im Rückstand. Wenn die Fussballspiele wie bei UPC über ein Kabelnetz übertragen werden, beträgt die Verspätung rund sechs Sekunden.

Bei einer Verbreitung übers Telefonkupferkabel wie bei Swisscom liegt der Rückstand bei acht Sekunden. Sunrise nutzt fürs eigene Fernsehangebot ebenfalls das Swisscom-Netz. Am schlechtesten schneiden Internet-Streamingdienste wie Zattoo und Wilmaa ab.

Die SRG wiederholte die Tests vor der Fussball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich noch einmal und kam zu ähnlichen Resultaten. Im Ausland ist die Problematik ebenfalls bekannt. Messungen des Fachmagazins «ct» in Deutschland zeigen ein vergleichbares Bild wie hierzulande: Antenne und Satellit vorne, Telecombetreiber im Mittelfeld und Streamingdienste als Schlusslicht.

Haben die Betreiber nun die Zeit genutzt, um die Übertragung der TV-Signale zu beschleunigen? Die Antwort von Swisscom, UPC und Zattoo lautet, dass die Dauer der Verzögerung unverändert geblieben sei. Als Grund nennen sie die eingesetzten Technologien. Da heute in den Kabelnetzen die Signale digital verbreitet werden, müssen diese zuerst umgewandelt werden - das kostet Zeit.

Zattoo will handeln

Zattoo ist sich bewusst, gegenüber der Konkurrenz aus der Telecombranche in einen Rückstand geraten zu sein. Das Thema Signalverzögerung hätten «alle Streaminganbieter auf der Agenda», sagt Zattoo-Sprecherin Sonja May. «Wir gehen davon aus, dass schon bei der nächsten Europameisterschaft und spätestens bei der nächsten Weltmeisterschaft deutliche Verbesserungen zu sehen sein werden.»

Auch wenn das Fernsehsignal via Antenne am schnellsten ist, so hat es einen Nachteil. Es stellt die bewegten Bilder in einer geringen Auflösung dar. Ralf Beyeler vom Vergleichsdienst Moneyland rät deshalb ab, die Spiele terrestrisch zu schauen. «Da ist die kurze Verzögerung gegenüber einer massiv schlechteren Bildqualität das kleinere Übel», meint der Telecomexperte. Ein Trost bleibt allen Zuschauern: Es ist kein teures Bezahlfernsehen-Abo notwendig, die SRG überträgt alle WM-Spiele. (Der Bund)

Erstellt: 14.06.2018, 07:07 Uhr

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