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«Nennen Sie uns nicht Loser!»

Mächtige Leute sprechen mit spitzer Zunge, oder: Davos diskutiert über den «neuen globalen Kontext». Besonders pikant waren heute die Panels über den Energiemarkt und den Ölpreis.

Sieht sein Land als Gewinnerin des Ölpreiszerfalls: Russlands stellvertretender Minsterpräsident Arkadi Dworkowitsch in Davos.
Sieht sein Land als Gewinnerin des Ölpreiszerfalls: Russlands stellvertretender Minsterpräsident Arkadi Dworkowitsch in Davos.
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Die Spekulationsblase beim Öl sei vorbei: UBS-Chef Axel Weber rechnet damit, dass sich der Preis zwischen 50 und 70 Dollar einpendelt.
Die Spekulationsblase beim Öl sei vorbei: UBS-Chef Axel Weber rechnet damit, dass sich der Preis zwischen 50 und 70 Dollar einpendelt.
Keystone
Der Ölmarkt ist immer von Zyklen geprägt: Patrick Pouyanne, Chef des französischen Ölkonzerns Total.
Der Ölmarkt ist immer von Zyklen geprägt: Patrick Pouyanne, Chef des französischen Ölkonzerns Total.
Keystone
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Am World Economic Forum in Davos kann man einiges lernen. Zum Beispiel über den Ölmarkt. Was dort in den letzten Jahren passiert ist, erklärte der Chef des französischen Ölförderers Total, Patrick Pouyanné, heute so: «Die Preise waren hoch, Geld ist in den Sektor hineingeflossen, mehr Projekte mit höheren Kosten wurden verwirklicht, neue Fördertechnologien entstanden, das Angebot stieg, Energieeffizienz begann sich zu lohnen, die Nachfrage fiel, die Preise sanken.»

Alles klar? Für alle, die die Übersicht verloren haben, hier noch einmal die Entwicklung des Ölpreises in der jüngeren Vergangenheit: Nach einem kontinuierlichen Anstieg in den Nullerjahren und wilden Ausschlägen während der Finanzkrise war der Ölpreis seit 2011 auf über 100 Dollar verharrt, ehe das Jahr 2014 erst einen langsamen und dann einen schnellen Preisabfall brachte. Heute liegt der Ölpreis bei 49 Dollar pro Fass. Es sei am Ende eben «ein typischer Rohstoffzyklus», so Unternehmenschef Pouyanné.

Spekulationsboom vorüber

Ähnlich sprach Axel Weber, der Präsident der UBS, der früher Notenbanker war und leidenschaftlicher Marktinterpret geblieben ist. «Rohstoffe werden heute wieder, was sie einmal waren», sagte er, mit einer gewissen Erleichterung darüber, dass der Spekulationsboom auf teure Rohstoffe jetzt offenbar am Ende ist. Claudio Descalzi, CEO des italienischen Ölkonzerns Eni, liess dagegen durchblicken, dass er mit den vielen Händlern, die aktuell beim Öl «short» gegangen sind – und damit den Preis heruntergetrieben haben – nicht ganz glücklich ist.

Panels in Davos zeichnen sich oft dadurch aus, dass zwar spannende Themen angeschnitten, letztlich aber nicht mehr als Gemeinplätze wiederholt werden. Bei einer Diskussionsrunde über «die Geo-Ökonomie der Energie» war das für einmal anders. «Nennen Sie uns nicht Loser!», entfuhr es dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Russlands, Arkadi Dworkowitsch, dort plötzlich. Dies, nachdem er sich ein Statement des Chefökonomen der Internationalen Energieagentur, Fatih Birol, angehört hatte. Kampfansagen, die als Analysen daherkommen – manchmal ist Davos gar nicht so langweilig.

Russland als Gewinner

Dworkowitsch sagte, sein Land könne eigentlich bei jedem Ölpreis nur gewinnen. Denn die tiefen Preise würden die Ölunternehmen nun zu Effizienzsteigerungen verleiten. Zudem gebe es nun mehr Anreize, in andere Sektoren wie die Industrie zu investieren, was dem Wirtschaftswachstum auf die lange Sicht helfen würde. Und zudem sei der jüngste Währungszerfall auch hilfreich beim Anliegen, die Exportwirtschaft anzukurbeln. «Vielleicht geht es Europa, vielleicht geht es uns allen besser bei einem Ölpreis von 60 oder 70 Dollar», so Dworkowitsch optimistisch.

Wohin sich der Preis des schwarzen Goldes entwickelt, scheint eine wichtige Frage am Forum. UBS-Präsident Weber rechnet mittelfristig mit 50 bis 70 Dollar, ähnlich wie die meisten Experten vor Ort. «Fundamental ist der Preissturz um 50 Prozent nicht gerechtfertigt», sagte auch der Opec-Generalsekretär Abdallah Salem al-Badri. Gleichzeitig verhöhnte er die anderen Ölnationen. «Vor vier Jahren wurde ich dauernd gefragt, warum wir die Produktion nicht ausbauen. Nun grillen sie mich, warum die Opec die Fördermenge nicht kürzt», so al-Badri.

Nach al-Badris Ansicht wird der Markt in den kommenden Jahren folgendermassen funktionieren: «Jetzt geht es um normale Geschäftslogik. Erst kommen die Förderer mit niedrigen Produktionskosten an die Reihe, dann jene mit höheren Kosten.» Energieökonom Birol, der die konsumierenden Länder vertritt, konterte prompt. «Es gibt jetzt einen neuen Treibstoff, der mit Öl konkurriert: Effizienz.» Geht es nach Birols Prognosen, so hat die Opec allerdings weiterhin gut lachen. Angesichts des steigenden globalen Verbrauchs sei die Welt in den kommenden Jahrzehnten sogar noch stärker auf den Mittleren Osten angewiesen, sagte er.

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