Davoser WEF soll Konkurrenz bekommen

Das New Economy Forum wird erstmals im Herbst in Peking stattfinden. Initiator ist der frühere New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg.

Höhepunkt beim diesjährigen WEF in Davos: US-Präsident Donald Trump macht seine Aufwartung.

Höhepunkt beim diesjährigen WEF in Davos: US-Präsident Donald Trump macht seine Aufwartung. Bild: Denis Balibouse/Reuters

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«Es ist keine Partyveranstaltung, wo man hingeht, mit jedermann diniert und ein Stelldichein mit Filmstars hat. Dies ist eine seriöse Sache, von der wir hoffen, dass wir alle Teilnehmer dazu bringen, etwas beizusteuern.» Mit diesen Worten umreisst Michael Bloomberg, wie er sich seine Konkurrenzveranstaltung zum Weltwirtschaftsforum in Davos vorstellt – nicht ohne dem WEF sanft vors Schienbein zu treten. Gesprochen hat der frühere Bürgermeister von New York mit der «Financial Times», die heute als Erste von dessen Absicht berichtete, ein «Neues Wirtschaftsforum» zu organisieren.

Davos sei inzwischen zu einer sehr grossen Konferenz geworden und beschäftige sich mit einer Vielzahl globaler Probleme, sagte Bloomberg. Demgegenüber stehe beim «New Economy Forum» ein Thema im Vordergrund: «Die Welt und China als aufstrebende Macht, und wie wir alle gemeinsam kooperieren», so der US-Milliardär. Ihm geht es denn auch primär darum, die sich grundlegend verändernde Weltordnung und die daraus erwachsende zunehmende Rivalität zwischen China und den USA ins Zentrum zu stellen.

Henry Kissinger mit an Bord

Folgerichtig hat Bloomberg zwei ausgewiesene Chinakenner an Bord geholt, um das neue Forum auf die Beine zu stellen: den früheren US-Aussenminister Henry Kissinger, der in den 1970er-Jahren unter Präsident Richard Nixon die Annäherung zwischen den USA und China vorantrieb, und Hank Paulson, Finanzminister während der Präsidentschaft von George W. Bush. Kissinger zeigte sich gegenüber der «Financial Times» besorgt darüber, dass die USA und China zunehmend konträre Positionen einnehmen. «Derzeit konzentriert sich die Administration Trump meist auf Themen, wo wir nicht auf der gleichen Wellenlänge sind wie die Chinesen», sagte der amerikanische Ex-Chefdiplomat. Dabei hätten die USA «keine echte Wahl», als zu einem besseren Verständnis mit Peking zu kommen. Auch in der Geschäftswelt macht sich laut Bloomberg wachsendes Unbehagen über die Diskrepanz zwischen Amerikanern und Chinesen breit. Mit Sorge werde dort die kurzfristige Ausrichtung der US-Politik zur Kenntnis genommen; diese kontrastiere mit dem langfristigen Denken der Chinesen, wie sie zum Beispiel in der Initiative «Neue Seidenstrasse» ihren Niederschlag finde. China, so Bloomberg, «geht um die Welt mit einem Zeithorizont von Jahrzehnten, während Amerikas Zeithorizont derzeit leider nur bis zum nächsten Budgetkompromiss reicht».

Überschaubare Grösse

Das Neue Wirtschaftsforum wird erstmals im November in Peking stattfinden. Zu der zweitägigen Veranstaltung haben die frühere US-Notenbankchefin Janet Yellen sowie der kürzlich zurückgetretene oberste Wirtschaftsberater von Präsident Donald Trump, Gary Cohn, ihre Zusage gegeben. Bloomberg will die Gästezahl auf rund 400 begrenzen (während das WEF im Januar jeweils etwa 3000 Teilnehmer ins Landwassertal lockt). Anders als in Davos soll auch weniger eine abgehobene Finanz- und Wirtschaftselite angesprochen werden. Bloombergs Anliegen ist es vielmehr, die Chefs privater und staatlicher Unternehmen sowohl aus der aufstrebenden als auch aus der entwickelten Welt zusammenzuführen. Im Idealfall schenken sie sich gegenseitig Gehör und finden Ansätze zu einer Zusammenarbeit, die ein sozial breit abgestütztes und umweltverträgliches Wirtschaftswachstum befördert. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.05.2018, 20:14 Uhr

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