Das bringt Trumps Besuch am WEF in Davos

Wer profitiert von der Visite des US-Präsidenten in der Schweiz? 6 Fragen, 6 Antworten.

Hier landet Trump in Zürich. (Video: Tamedia)
Christof Münger@ChristofMuenger

Donald Trump hat die Globalisierung scharf kritisiert. Nun kommt er ans WEF, wo sich die Champions der Globalisierung treffen. Hat der US-Präsident seine Haltung geändert?
Nein. Das zeigt sein jüngster Entscheid, die Zölle für Hersteller von Solaranlagen und Waschmaschinen aus China und Südkorea stark zu erhöhen. Vielmehr will Donald Trump den Globalisierungschampions am WEF erklären, dass seine nationalistische Wirtschaftspolitik funktioniert. In seiner Rede am frühen Freitagnachmittag wird er auf das Wachstum verweisen, ganz egal, ob das nun sein Verdienst ist oder nicht. Er wird jedoch auch betonen, dass «Amerika zuerst» nicht «Amerika allein» heisst. Vor seiner Abreise in die Schweiz hat Trump angekündigt, dass er ausländische Investitionen anlocken möchte. «Ich werde sagen: Kommt in die USA, ihr habt viel Geld.» Von Businessman zu Businessman eben, Hauptsache es gibt einen Deal.

Was beabsichtigt Trump sonst noch mit seinem WEF-Besuch?
Er will im Fernduell mit dem chinesischen Machthaber punkten. Vor einem Jahr war Xi Jinping der Star am WEF. Er sprach von globalem Engagement und Verantwortung, und das nur wenige Tage vor Trumps Rede zum Amtsantritt, die an einen nationalistischen Schlachtruf erinnerte. Xi wurde in Davos gefeiert, obwohl er der Führer einer kommunistischen Diktatur ist, während Trumps Wahlsieg weltweit Befürchtungen geweckt hat, wirtschaftlich wie politisch. Trump will diesen Eindruck korrigieren.

Wie will Trump das erreichen?
Sein Besuch ist zuerst einmal eine grosse Show mit durchgeplanter Dramaturgie und inszeniert wie von Hollywood, inklusive Air Force One, vielen Helikoptern, dem Secret Service und dem ganzen Gefolge. Heute und morgen erleben wir live einen Politthriller mit Reality-Show-Star Donald Trump in der Hauptrolle, für einmal mit den verschneiten Alpen als Kulisse. Und wie bestellt, scheint auch noch die Sonne – es herrscht Präsidentenwetter.

Bildstrecke: Donald Trumps Tag in der Schweiz

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Abgesehen von der Show: Bringt der Trump-Besuch politisch oder wirtschaftlich etwas?
Der US-Präsident gibt heute ein Abendessen für Vorsitzende europäischer Grosskonzerne, um sie für Investitionen zu gewinnen. Ausserdem ist er der Stargast an einem Empfang mit anderen Staatschefs. Geplant sind bilaterale Treffen mit dem israelischen Premier Benjamin Netanyahu, der britischen Regierungschefin Theresa May und Paul Kagame, dem Langzeitpräsidenten von Ruanda und Vorsitzenden der Afrikanischen Union. Diese Ehre wird auch dem Schweizer Bundespräsidenten Alain Berset zuteil sowie, last but not least, WEF-Gründer Klaus Schwab, dem Godfather der Globalisierungschampions. Wobei die Treffen mit Berset und Schwab Pflichttermine sind, jene mit May, Netanyahu und Kagame dagegen sind die Kür. Denn diese drei Gesprächspartner sind Trump gegenüber wenig oder gar nicht kritisch eingestellt. Die deutsche Kanzlerin dagegen hat am Mittwoch bereits eine Gegenrede zum US-Präsidenten gehalten, worin sie vor Populismus und Protektionismus warnte. Entsprechend gehen sich Angela Merkel und Donald Trump in Davos aus dem Weg.

Hilft der Trump-Besuch dem gegenseitigen internationalen Verständnis?
Zu hoffen wäre es angesichts des enormen finanziellen, logistischen und sicherheitstechnischen Aufwands. Tatsächlich werden die angereisten Staats- und Regierungschefs die Gelegenheit nutzen, Trump einmal live zu erleben. Damit können allenfalls Schranken oder gegenseitige Ressentiments abgebaut werden. Und für die Schweizer Regierung ist es immer eine Ehre, den US-Präsidenten begrüssen zu dürfen. Sehr nachhaltig sind diese Begegnungen in Davos jedoch selten. So wurde am WEF schon oft ein Nahostfrieden angemahnt, wenn nicht gar verkündet. Mit dem bekannten Resultat.

Video: Trumps Mega-Konvoi in Davos

Ein gewaltiger Auto-Tross fuhr den US-Präsidenten ins Intercontintal Hotel. (Video: Franziska Kohler/Tamedia)

Wer profitiert denn überhaupt vom Trump-Besuch?
Davos und die Schweiz generell als Tourismusdestination. Zunächst einmal in der WEF-Woche an sich. Die Preise für Übernachtungen, Speis und Trank sind in diesen Tagen in Davos immer besonders hoch. Und seit bekannt ist, dass Trump einfliegt, sind sie ins Absurde gestiegen. So kostet die Übernachtung auf einer Luftmatratze 646 Franken, wie «20 Minuten» berichtete.

Neben dem kurzfristigen Gewinn wird Davos dank Donald Trump noch bekannter, als es ohnehin schon ist. Denn wo der Twitterer-in-Chief auftaucht, da sind die News.

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