Die beiden alten Männer und die Bombe

Henry Kissinger und Shimon Peres haben am WEF vor einer Eskalation des Atomstreits mit dem Iran gewarnt. Die «rote Linie» sei schon gefährlich nahe.

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Henry Kissinger, der grosse alte Mann der US-Diplomatie, wird im Mai 90 Jahre alt. Nur zwei Monate später feiert der Methusalem der israelischen Politik, Staatspräsident Shimon Peres, ebenfall seinen 90. Trotz ihres Alters sind die beiden WEF-Stammgäste einmal mehr ins winterliche Davos gereist.

Beide Strategen warnten eindringlich vor dem Iran. Kissinger, in den 70er-Jahren US-Aussenminister und Sicherheitsberater von Präsident Nixon, sieht die rote Linie näher rücken. «Sie ist bereits in Sichtweite», sagte Kissinger. Und sie sei definitiv erreicht, wenn der Iran über Atomwaffen verfüge. Denn der UNO-Sicherheitsrat habe bereits vor Jahren entschieden, nicht zuzulassen, dass der Iran die Bombe baut.

Kissinger vertraut Obama

Allerdings gibt es verschiedene Stufen zwischen einem nuklearen Habenichts Iran und einer Atommacht Iran. «Die Frage ist, wie nahe man den Iran an die technologische Fähigkeit herankommen lässt, die den Bau der Bombe ermöglicht.» Hier biete sich Spielraum, sagte Kissinger, der einst mit den Sowjets über die Reduktion von Atomwaffen verhandelt hat. In den kommenden Wochen sollen die Gespräche zwischen den UNO-Vetomächten sowie Deutschland und dem Iran zum Atomstreit wieder aufgenommen werden. «Diese Verhandlungen verdienen eine Chance, und sie sollten auch flexibel geführt werden.»

Falls die Iraner aber nur auf Zeit spielen, um ihr Atomprogramm voranzutreiben, dann werde es «sehr gefährlich», warnte Kissinger. «Das müssen sie wissen in Teheran.» Er habe US-Präsident Obama zwar nicht gewählt, vertraue aber auf dessen Politik in Sachen Iran.

«Militärische Option bleibt sichtbar»

Das tut auch Shimon Peres. Barack Obamas Politik sei «richtig». Noch halte sich der US-Präsident zurück, beschränke sich auf Sanktionen, könne aber jederzeit aktiv werden, sagte der israelische Präsident. «Die Amerikaner versuchen immer, ein Problem diplomatisch und wirtschaftlich zu lösen, bevor sie schiessen.» Das Problem sei, dass die Mullahs «irrational sind und nicht zuhören wollen». Der Iran wolle «Hegemon des Mittleren Ostens» werden, und das könnten weder die Araber noch die Nicht-Araber hinnehmen. Kissinger befürchtet, dass andere Länder der Region mit einem eigenen Atomprogramm auf eine iranische Bombe reagieren würden.

«Deshalb bleibt die militärische Option weiterhin am Horizont sichtbar», versicherte Peres, der einst eine zentrale Rolle gespielt hatte bei der Beschaffung der israelischen Atombombe. Sein Jahrgänger mahnte allerdings Zurückhaltung an. Kissinger warnte Israel, als «verzweifelte letzte Option» alleine zuzuschlagen. Eine militärische Aktion gegen den Iran müsste international abgestützt sein, könne aber hoffentlich vermieden werden. Eine nicht nur uneigennützige Forderung, stehen doch zwei grosse Geburtstagsfeiern an. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.01.2013, 19:57 Uhr

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