Zum Hauptinhalt springen

Würden Sie ein Handy mieten?

Media Markt vermietet Smartphones. Die Frage ist: Lohnt sich das aus Kundensicht?

Mieten statt Kaufen: Seit November können Kunden bei Media Markt auf diesem Weg ein iPhone nutzen.
Mieten statt Kaufen: Seit November können Kunden bei Media Markt auf diesem Weg ein iPhone nutzen.
Martin Rüetschi, Keystone

Seit November können Kunden bei Media Markt ein iPhone mieten statt kaufen. Die Kundenresonanz sei besser als erwartet, besonders im Raum Zürich und Genf werde das Angebot rege genutzt, heisst es beim Elektronikhändler. Ein iPhone SE mit einer Speicherkapazität von 16 Gigabyte lässt sich beispielsweise für 19.90 Franken pro Monat mieten. Der offizielle Preis für dieses Modell wird von Apple auf der eigenen Webseite aktuell mit 479 Franken angegeben. Das teuerste Geräte, das iPhone 7 Plus mit 256 Gigabyte, kostet monatlich 48.95 Franken. Der offizielle Apple-Preis liegt bei 1139 Franken.

Das heisst gleichzeitig, dass nach 24 Monaten (iPhone SE) beziehungsweise 23 Monaten (iPhone 7) die aufsummierte Miete den Verkaufspreis der Smartphones erreicht. Allerdings muss bei dieser Rechnung ein wichtiger Faktor mitberücksichtigt werden: Bei der Miete bleibt das Gerät über die ganze Dauer in Besitz von Media Markt. Wer sein Gerät beim Kauf sofort bar bezahlt oder über die Bindung an einen Mobilfunkvertrag erwirbt, kann es später verkaufen. Bei der Miete besteht hingegen für den Kunden die Pflicht, das Smartphone nach Ende des Mietverhältnisses in «vertragsgemässem Zustand» zurückzugeben.

Haftung für Schäden

Das bedeutet auch, dass der Mieter für Schäden haftet, die durch «unsachgemässe Behandlung (dies beinhaltet auch technische Eingriffe in das Mietobjekt), übermässige Beanspruchung, zweckentfremdete Verwendung, äussere Einwirkung» entstehen, wie in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) von Media Markt steht. Als äussere Einwirkungen sind «Feuchtigkeitsschäden, Kontakt mit Flüssigkeiten, Schläge oder Stürze aller Art, übermässigen Druck, längere Sonneneinstrahlung, äussere Hitzeeinwirkung, äussere Kälteeinwirkung, Kontakt mit Schmutz, Dreck, Staub oder Schlamm» genannt. Kommt es zu einem Totalschaden, muss der Mieter den Restwert des Smartphones aufbringen.

Die Vertragslaufzeit beträgt mindestens drei Monate und der Vertrag kann alle drei Monate mit einer Frist von 30 Tagen gekündigt werden. Man gehe davon aus, dass die meisten Kunden ein Gerät jeweils für ein Jahr mieten würden, heisst es bei Media Markt. Diese Erwartung ist nachvollziehbar, da neue SmartphoneModelle jeweils ebenfalls in diesem Rhythmus auf den Markt kommen.

Kritik an den Mietbedingungen

Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) begrüsst das Mietmodell zwar grundsätzlich. «Die Konsumenten wollen nicht mehr durchwegs alle Geräte kaufen», sagt Geschäftsleiterin Sara Stalder. Die Miete könne einem Kleinkredit oder Leasing überlegen sein, da mit dem Mieten grössere Flexibilität vorhanden sei und ein Gerät schon mit kleinem Budget genutzt werden könne. Doch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen für die Miete bei Media Markt kritisiert Stalder.

Der Vertragsrücktritt sei einseitig zugunsten des Vermieters ausgelegt. Während der Kunde jeweils alle drei Monate mit einer Frist von 30 Tagen kündigen darf, kann der Vermieter mit einer Frist von drei Tagen den Vertrag beenden. Media Markt verteidigt diese Bedingung mit dem Hinweis, dass es sich bei den drei Tagen um eine ausserordentliche Kündigungsfrist handle, die nur gelte, wenn die vertraglichen Pflichten vom Mieter stark verletzt würden.

Auch dass ein gemietetes Gerät nur mit schriftlicher Einwilligung jemand anderem zur Nutzung überlassen werden kann, bemängelt Stalder. Zudem sei die Haftung für Mängel und Schäden zu streng gefasst. Bei beiden Punkten argumentiert Media Markt mit der Sorgfaltspflicht des Mieters: «Da es sich um ein Gebrauchsgegenstand handelt, haben wir die Mängel spezifiziert. Es dient der Klarheit, was unter eine sorgfältige Nutzung des Mietobjektes zu verstehen ist.»

Bald weitere Produkte im Angebot

Als «sehr stossend» bezeichnet die Konsumentenschützerin, dass bei den Mietgeräten kein Anspruch auf Ersatz besteht, wenn es den Dienst versagt. «Das widerspricht dem allgemeinen Verständnis der Mietidee.» Deshalb kommt Stalder zum Schluss: «Mit solchen Bestimmungen werden die Vorteile einer Miete leider hinfällig gemacht.» Man sei immer bemüht Ersatz zu organisieren, können aber nicht garantieren, dass das exakt identische Gerät gerade an Lager sei, entgegnet Media Markt und verteidigt die Mietbedingungen: «Sie entsprechen dem gesetzlichen Vorgehen bei einem Mietvertrag. Solche Bestimmungen gibt es auch beim Mieten eines Autos oder einer Wohnung.»

Bis jetzt bietet Media Markt die Miete ausschliesslich für verschiedene iPhone-Modelle an. Bereits breiter ist das Angebot von Media Markt in Deutschland. Dort stehen 500 Produkte zur Auswahl - darunter TV-Geräte, Computer, Fotokameras, aber auch Haushaltgeräte. Dass das Mietangebot auch in der Schweiz erweitert werden soll, ist bereits klar. Laut Media Markt könnte es im Sommer soweit sein.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch