Was das neue Swisscom-Angebot taugt

Der Preiskampf zwischen den Telecomanbietern erhält wieder Schub. Die Swisscom versucht, die Kunden mit neuen Bündelangeboten stärker an sich zu binden.

Das Smartphone wird Teil des Bündels: Mit den neuen Angeboten versucht die Swisscom, die Kunden stärker an sich zu binden.<p class='credit'>(Bild: Keystone)</p>

Das Smartphone wird Teil des Bündels: Mit den neuen Angeboten versucht die Swisscom, die Kunden stärker an sich zu binden.

(Bild: Keystone)

Die Schweizer Telecomkunden dürfen sich freuen: Der Markt ist in Bewegung wie schon lange nicht mehr, und es zeichnet sich ab, dass der Preiskampf unter den Anbietern wieder härter wird. Heute hat die Swisscom ihr neues Angebot vorgestellt. Für den Freitag hat Sunrise ein «Company Update» angekündigt. UPC feilt an seinem TV-Produkt im Sportbereich. Und der Mobilfunkanbieter Salt soll neue Produkte in Vorbereitung haben, die erstmals auch Festnetzangebote enthalten.

Beim heute vorgestellten Angebot der Swisscom springt ins Auge, dass der Fokus noch stärker auf das Bündeln der verschiedenen Dienstleistungen gelegt ist. Am attraktivsten werden die Gebühren, wenn der Kunde möglichst viele Leistungen bezieht und dadurch in den Genuss von Kombinationsrabatten kommt.

Mit dem Bündeln hat die Swisscom schon langjährige Erfahrung. Damit lassen sich die Umsätze pro Kunde steigern und die Kundenbindung erhöhen. Die Erfahrungswerte der Swisscom zeigen, dass die Wechselbereitschaft eines Kunden mit jedem Produkt, das er zusätzlich bezieht, deutlich abnimmt. Konkret: Bei Kunden mit zwei Produkten beträgt die Wechselrate 12 Prozent pro Jahr, bei solchen mit vier Produkten sind es nur noch 4 Prozent.

Der Internetvergleichsdienst Dschungelkompass.ch hat einen Ausschnitt der neuen Abos der Swisscom jenen der Konkurrenz gegenübergestellt. Das Angebot sei insgesamt zwar übersichtlicher und günstiger geworden. Bei den Preisen für den Mobilfunk habe sich bei der Swisscom aber nicht viel bewegt. «Und insgesamt befindet sich die Swisscom, abgesehen vom Roaming, mit dem neuen Angebot im Vergleich mit der Konkurrenz preislich weiterhin eher im oberen Bereich», sagt Oliver Zadori von Dschungelkompass.ch. Besser sehe es aus, wenn zusätzliche Mobilabos für denselben Haushalt von der Swisscom bezogen würden.

Preisspanne von 120 bis 320 Franken pro Monat

Bis jetzt gab es bei der Swisscom Bündelangebote für Festnetz, Internet und TV namens Vivo sowie Infinity-Abos für die Mobiltelefonie. Diese Produktlinien lässt die Swisscom auslaufen und setzt ein einziges Produkt mit der Bezeichnung inOne an deren Stelle und bündelt darin alle Dienstleistungen.

Neu ist, dass sich die Leistung jedes Bestandteils separat festlegen lässt. Bei Internet, TV und Festnetztelefonie stehen dabei Profile mit der Bezeichnung S (Small), M (Medium) und L (Large) zur Verfügung. Diese Profile unterscheiden sich in ihren Leistungsmerkmalen – etwa der Internetgeschwindigkeit, der Anzahl TV-Sender, dem Aufnahme- und Replay-Volumen und den Gesprächstarifen.

Beim Mobilfunk reichen die Profile von S über M und L bis XL (Extra Large). Telefonieren ist bei allen unlimitiert enthalten. Die unterschiedlichen Preise kommen durch die Datengeschwindigkeit und die enthaltenen Roamingdienste zustande.

Zusätzlich werden bei den Mobilfunkabos auch eine XS- und eine Light-Variante für Wenignutzer angeboten. Der Haken bei diesen zwei Angeboten ist jedoch, dass der Kunde keinen Kombinationsrabatt erhält, wenn er diese dazubucht. Ansonsten gibt es für ein weiteres Mobilfunkabo im Bündelangebot 20 Franken Rabatt. Ab dem dritten Mobilfunkabo 40 Franken. Berücksichtigt werden dabei Verträge im selben Haushalt – also auch in Wohngemeinschaften.

Bestehende Swisscom-Kunden können ab April ohne Kündigungsfrist sofort auf die neuen Abomodelle wechseln. Für sie gilt danach eine Kündigungsfrist von 60 Tagen. Neukunden müssen eine Aufschaltgebühr zahlen und sind an eine vertragliche Mindestlaufzeit von einem Jahr gebunden.

Wie die Heizung runterdrehen

Die Preisspanne für einen Kunden, der Internet, Festnetztelefonie, Fernsehen und Mobilfunk über die Swisscom bezieht, reicht von 120 Franken mit den jeweils günstigsten Bestandteilen bis zu 320 Franken pro Monat in der teuersten Kombination. Gleichzeitig ist es auch möglich, einzelne Bestandteile wegzulassen. Also etwa nur Internet in Kombination mit Fernsehen oder nur in Kombination mit Festnetztelefonie zu beziehen. Wer ausschliesslich Internet beziehen will, der bezahlt zwischen 60 Franken pro Monat für eine Geschwindigkeit von 40 Mbit/s bis zu 90 Franken für eine Leitung mit einer Geschwindigkeit von 1 Gbit/s.

Die neuen Abomodelle lassen zu, dass die Kunden auch sehr kurzfristig Leistungen dazubuchen oder wieder abbestellen können. Wer in die Ferien fährt, kann beispielsweise die Internetleistung auf das Minimum drosseln – analog, wie man es vor der Abfahrt mit der Heizung macht. Und das Fernsehangebot sowie die Festnetztelefonie lassen sich für die Dauer der Abwesenheit komplett ausschalten. Diese Anpassungen werden sich online erledigen lassen.

Laut Auskunft der Swisscom-Verantwortlichen wird die neue Auswahl innerhalb von 24 Stunden angepasst und darauf in der Monatsrechnung pro rata berücksichtigt. Allerdings gehe man nicht davon aus, dass viele Kunden diese Möglichkeit ausschöpfen würden.

Tages-Anzeiger

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