Warum sich ein Haus im schönsten Dorf der Schweiz nicht lohnt

Die UBS hat untersucht, ob die Immobilien in einer schönen Gemeinde teurer werden. Die Ergebnisse werden einige Idylle erschüttern.

Attraktiv ist nicht gleich teuer: Albinen VS zählt zu den schönsten Dörfern, aber auch zu den preisgünstigsten. (Keystone/Jean-Christophe Bott/Archiv)

Attraktiv ist nicht gleich teuer: Albinen VS zählt zu den schönsten Dörfern, aber auch zu den preisgünstigsten. (Keystone/Jean-Christophe Bott/Archiv)

Jorgos Brouzos@jorgosbrouzos

Es sind malerische Ortschaften. Albinen VS, Morcote TI, Sils im Engadin GR oder Clos du Doubs JU. Sie alle waren in den letzten fünf Jahren für den Preis des schönsten Schweizer Dorfs nominiert. Dort sollten Herr und Frau Schweizer eigentlich gerne wohnen wollen und die Immobilien entsprechend gefragt sein. Denn sie verfügen über ein prächtiges Ortsbild und sind meist umgeben von der schönsten Natur.

Die Ökonomen der UBS kommen aber zum gegenteiligen Schluss. «Die Eigenheimpreise in den schönsten Dörfern stiegen in den vergangenen drei Jahren vergleichsweise weniger stark als in anderen Schweizer Gemeinden», heisst es in einer heute veröffentlichten Studie. Bregaglia GR, das Siegerdorf von 2015, verzeichnete den grössten Preisrückgang der 47 untersuchten Dörfer.

S-Bahn-Anschluss entscheidet

Die für den Preis nominierten Ortschaften befinden sich oft in touristischen oder ländlichen Regionen. Dort haben sich die Preise generell unterdurchschnittlich entwickelt. Ein hochranginger Banker sagte jüngst, der entscheidende Faktor für die Attraktivität eines Dorfs im urbanen Raum sei ein S-Bahn-Anschluss. Dann steigen dort auch die Immobilienpreise. Eine gute Strassenanbindung sei oftmals gar nicht mehr so wichtig.

Die Experten der UBS schreiben, dass derzeit eine Wohnung von 100 Quadratmetern im gehobenen Segment im Durchschnitt der Dörfer für unter 700'000 Franken zu haben sei. Ob die Preise steigen, hänge davon ab, ob dort Wohnraum gesucht wird. Besonders die nominierten Gemeinden aus den Kantonen Tessin und Graubünden verzeichneten aber eher eine Bevölkerungsabnahme.

Kein Preiszerfall

Ein Preiszerfall zeichne sich aber nicht ab, weil in den nominierten Gemeinden im Vergleich wenig gebaut werde. Dies hänge auch mit strikten Bauvorschriften zusammen, mit denen die schönen Ortschaften geschützt werden sollen.

Die Ökonomen der UBS kürten aus den nominierten Gemeinden die wirtschaftlichen Gewinner. In Falera GR hätten die Immobilienpreise in den letzten drei Jahren angezogen und die Bevölkerungszahl sei gestiegen. Der Ort ist daher der Gewinner bei den touristischen Gemeinden. Bei den vorstädtischen Gemeinden sei Regensberg (ZH) im Vorteil. Die Ortschaft sei gut gelegen, die Preise entwickelten sich stabil und der Leerstand sei tief. Bei den ländlichen Dörfern habe Calanca GR die Nase vorn. Die Preise seien gestiegen und die Lebenshaltungskosten seien tief.

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