Warum die Fenaco trotz Schweizer Holzschwemme in Osteuropa einkauft

Schweizer Schadholz ist derzeit günstig. Trotzdem importiert der grösste landwirtschaftliche Konzern des Landes Holzprodukte aus Polen. Teile der dortigen Holzindustrie stehen in der Kritik.

Schadholz, wie hier vom Borkenkäfer befallene Stämme, gibt es derzeit in der Schweiz mehr als genug.

Schadholz, wie hier vom Borkenkäfer befallene Stämme, gibt es derzeit in der Schweiz mehr als genug.

(Bild: Keystone Alexandra Wey)

Mischa Stünzi

Haushoch türmen sich die Holzkisten zwischen den Hallen auf dem Gelände der Fenaco in Bätterkinden. In solchen Grosskisten transportieren die Bauern Gemüse und Früchte vom Feld zum Abnehmer – in diesem Fall zur Fenaco, wo die Ernte verarbeitet oder eingelagert wird. Zuletzt hat die Genossenschaft ihre Paloxen, wie die Holzkisten in der Fachsprache heissen, in Polen bestellt.

Dabei gibt es am Schweizer Holzmarkt nach heftigen Stürmen im letzten Jahr und vor allem nach dem starken Borkenkäferbefall im Sommer ein Überangebot an Schadholz. Die Preise in dem Bereich seien unter Druck, ist am Markt zu hören.

Viel Holz zu günstigen Preisen – beste Voraussetzungen also, um Paloxen aus Schweizer Holz herzustellen? Ja, sagte sich das Bio-Unternehmen Rathgeb aus dem Zürcher Weinland und hat beim Emmentaler Hersteller WK Paletten 1000 Paloxen bestellt. Diese bestehen teils aus eher weichem Käferholz, teils aus harter Eiche. Der Preis sei so immer noch leicht höher, als wenn er die Grosskisten in Frankreich bestelle, sagt der zuständige Thomas Keller.

Bestrebungen im Gang

Und die Fenaco? Sie bestellt heuer rund 8000 neue Grosskisten. Bei mehreren Schweizer Anbietern hat sie abgeklärt, ob eine grössere Lieferung möglich wäre – auch bei WK Paletten. Deren Chef sagt, er habe preislich nicht mit der ausländischen Konkurrenz mithalten können. Experten sprechen von einem Aufpreis in der Höhe von 20 bis 50 Prozent.

Doch der Preis ist laut Fenaco gar nicht das Hauptproblem. Es fehle in der Schweiz schlicht die Kapazität, um die kurzfristige Nachfrage zu decken. Und weil die Grossbestellungen unregelmässig anfielen, sei es auch nicht sinnvoll, hierzulande diese Kapazitäten aufzubauen. Gleichzeitig teilt der Konzern mit, es zeichne sich eine Schweizer Lösung ab, um ab 2020 wenigstens den kontinuierlichen jährlichen Ersatzbedarf an Grossboxen in der Schweiz zu decken. In der Verantwortung sieht die Fenaco aber primär die Holzindustrie. Sie müsse dafür sorgen, dass der Bedarf an Hartholz aus der Schweiz gedeckt werden könne. Sonst müsse man weiterhin Paloxen in Polen beziehen.

EU klagte gegen Polen

Dabei ist die osteuropäische Holzindustrie, vor allem die polnische und die rumänische, zuletzt in die Kritik gekommen. Dort stehen einige der grössten verbleibenden Wälder Europas – etwa der bekannte Urwald im polnischen Bialowieza-Nationalpark, Lebensraum nicht nur für Wisente, sondern für zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten. Die EU hat gegen Abholzungen im Nationalpark geklagt und von den Richtern letztes Jahr recht bekommen. Trotzdem hält die Nicht-Regierungsorganisation Forest Stewardship Council (FSC) in ihrem Bericht zu Polen fest, es gebe Hinweise dafür, dass das Abholzungsverbot der EU von den lokalen Behörden nicht eingehalten werde. Und der WWF schätzt, dass ein Drittel des Brennholzes, das aus Rumänien stammt, illegal abgeholzt wurde.

Ein Problem im Zusammenhang mit dem Rohstoff Holz: «Die Herkunft lässt sich innerhalb Europas leicht verschleiern», sagt Tom Waitz, Forstwart und EU-Parlamentarier der Grünen, in einem Dokumentarfilm des WDR. Im gleichen Film stützt diese Aussage der Sprecher des Holzverarbeiters Kronospan, der unter anderem in Rumänien produziert: Als Abnehmer habe man nie hundertprozentige Sicherheit, dass das Holz nicht aus einer illegalen Quelle stamme.

Darauf angesprochen, heisst es vonseiten der Fenaco, man verfüge vom polnischen Lieferanten «über zertifizierte Nachweise», dass das Holz legal geschlagen wurde. «Sollte der Verdacht aufkommen, dass der Lieferant gegen die Auflagen verstösst, würden wir die Geschäftsbeziehung natürlich überdenken», sagt Fenaco-Sprecherin Alice Chalupny.

Bauen mit Schweizer Holz

Der Fenaco vorzuwerfen, sie mache viel zu wenig für Schweizer Holz, wäre verfehlt. Denn die Genossenschaft bezieht gemäss eigenen Angaben beispielsweise für ihre Holzbauten den Rohstoff aus Schweizer Wäldern. Auch die steigende Nachfrage nach Heizpellets deckt die Fenaco mit hiesigem Holz.

Und doch weicht der Konzern nicht nur bei den Paloxen auf Holz aus dem europäischen Raum aus. Wer etwa in der zur Fenaco gehörenden Landi einen Holzzaun, Holzpfähle oder Brickets kauft, kommt nicht um EU-Holz herum. Das meiste Holz, das die Landi verkaufe, sei Brennholz, teilt die Detailhändlerin mit. Und in dem Bereich liege der Schweiz-Anteil bei 63 Prozent.

Auffallend ist, dass kaum FSC-zertifiziertes Holz in den Landi-Regalen zu finden ist. Die FSC-Zertifizierung stehe bei der Wahl der Ware nicht an erster Stelle, teilt die Landi mit. Dank der engen Begleitung der Lieferanten könne dennoch eine nachhaltige Produktion garantiert werden.

Als Unternehmen der Schweizer Bauern sei es der Landi ein Anliegen, möglichst Holz aus Schweizer Wäldern zu verkaufen. Die grosse Mehrheit der privaten Waldbesitzer der Schweiz kommt nämlich aus dem landwirtschaftlichen Umfeld. Je mehr also aus Osteuropa importiert wird, desto weniger Holz können letztlich die Landi- und Fenaco-Eigentümer absetzen.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt