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Vom Kranken- zum Kultgetränk

Die Wahrnehmung von Tee hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Vor allem hochwertige Produkte erfreuen sich wachsender Beliebtheit.

Qualitätstee hat sich als Alternative zum Kaffee etabliert.
Qualitätstee hat sich als Alternative zum Kaffee etabliert.
Adrian Moser

Der Teeladen an der Länggassstrasse darf getrost als Berner Institution bezeichnet werden. Seit den frühen 80er-Jahren verkauft die Familie Lange hier hochwertige Tees. Beim Betreten des Ladens weht einem ein süsslich-herber Duft entgegen. Immer mehr Schweizerinnen und vor allem auch immer mehr Schweizer verbinden diesen Geruch mit Genuss. Während dem Tee früher der Ruf eines Getränks für Alte und Kranke anhaftete, hat sich sein Image in den letzten Jahren stark verändert. Heute ist Tee ein gefragtes Genussmittel, vergleichbar mit Kaffee.

Katrin Lange, die zusammen mit ihrem Mann Gerhard die Länggass-Tee AG führt, stellt vor allem in der Gastronomie ein deutliches Umdenken fest. Dies nachdem das Geschäft einen Schritt auf die Gastronomie zu gemacht habe. «25 Jahre lang haben wir versucht, in diesem Bereich Qualitätstee zu etablieren. Ohne Erfolg.» Dann seien sie vom Anspruch weggekommen, dass auch in der Gastronomie ausschliesslich offene Tees serviert werden müssten, und hätten spezielle Beuteltees entwickelt. Seitdem gebe es eine wachsende Nachfrage aus diesem Segment. Wobei interessanterweise weniger die 5-Stern-Hotellerie, sondern eher kleine Häuser auf hochwertigen Tee setzten. Aktuell kämen auch von Altersheimen und Spitälern viele Anfragen, sagt Lange.

Berner Teeläden wachsen

Ob es auch bei Privaten eine steigende Nachfrage nach Qualitätstees gebe, ist für Lange schwierig zu beurteilen. «Wir sind seit über 30 Jahren ein Fachgeschäft und hatten immer unseren Markt.» Das Geschäft wurde in den letzten Jahren allerdings immer grösser. 2010 kamen ein neuer Raritätenladen und ein japanischer Teeraum dazu. Und seit 2012 betreibt Schwiegertochter Tina Wagner Lange die zum Geschäft gehörende Teeschule.

Stark gewachsen ist in den letzten Jahren auch ein anderes Berner Tee-Unternehmen: La Cucina aus Schüpfen. Was in den 80ern als Tee- und Gewürzstand auf dem Berner Wochenmarkt angefangen hat, ist heute ein Unternehmen mit zwei Filialen in Bern, einer in Zürich und einer in Schüpfen. «Wir stellen klar eine steigende Nachfrage fest», sagt Junior-Chef Tobias Vögeli. «Das allerdings schon seit 15 Jahren.» In letzter Zeit habe das Geschäft von verschiedenen Trends profitieren können: Viele Leute würden bewusster konsumieren und legten mehr Wert auf Lebensmittel von hoher Qualität. Zudem hat La Cucina viele Bio-Produkte im Sortiment – weil viele spezialisierte Tee- und Gewürzproduzenten auf Bio umstellten, wie Vögeli erklärt. Und Bio ist derzeit gefragt.

Die wachsende Nachfrage nach Tee belegen auch die Importzahlen. Laut der Nachrichtenagentur SDA wurden letztes Jahr 5832 Tonnen Tee importiert. Im Jahr 2012 waren es erst 4623 Tonnen. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sagte Pierre Maget von der Lausanner Teeladen-Kette Tekoe, die auch in Bern präsent ist, sein Geschäft sei dank der steigenden Nachfrage stark gewachsen. Und er wolle weiter wachsen. Maget will zusätzliche Filialen und mit eigenen Verkaufsregalen in den grossen Einkaufszentren präsent sein.

Die Konkurrenz aus der Romandie fürchten die beiden Berner nicht. Vögeli findet, es habe für alle Platz. Und Lange würde es sogar gerne sehen, wenn sich die Schweizer Teegeschäfte etwas intensiver austauschen könnten. Derzeit gebe es in Bern vor allem zwischen Länggass-Tee und La Cucina einen informellen Austausch.

Teeplantage im Tessin

Grosse Wachstumspläne haben die beiden Tee-Spezialisten dagegen nicht. Für Vögeli ist klar: La Cucina sei in den letzten Jahren im Verkauf so stark gewachsen, dass der Fokus in nächster Zeit eher auf der Produktion und auf den internen Abläufen liege. Gleichzeitig räumt er ein, dass die Romandie ein interessantes Wachstumsgebiet wäre. Mit dem Laden im Westside hat La Cucina bereits viele Kunden aus der Romandie. Vögeli warnt aber vor einem übereilten Entscheid: «Für ein Fachgeschäft wie unseres ist vor allem die Zweisprachigkeit eine grosse Herausforderung.»

Auch bei Familie Lange winkt man auf die Frage nach zusätzlichen Filialen ab. «Unsere Strategie war immer: nicht verteilen, sondern vertiefen.» Zudem stehe im Moment eher die Übergabe an die nächste Generation an. Der Betrieb soll dabei in der Familie bleiben. Ganz vom Tee lassen können Katrin und Gerhard Lange aber trotzdem nicht. Sie haben auf dem Monte Verità oberhalb von Ascona eine Teeplantage und ein Teehaus gekauft. Hier sollen Tee-Enthusiasten in der Praxis erleben können, wie das Genussmittel hergestellt wird.

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