Zum Hauptinhalt springen

Vapiano ist ein Sanierungsfall

Seit Jahren läuft es bei der Restaurantkette nicht mehr rund. Die Geschäftsleitung ist positiv gestimmt, doch die Sanierung komm nicht recht voran.

Das Rezept «Schnell, frisch und italienisch» funktioniert  bei Vapiano nicht mehr. Foto: Jeffrey Greenberg (Getty Images)
Das Rezept «Schnell, frisch und italienisch» funktioniert bei Vapiano nicht mehr. Foto: Jeffrey Greenberg (Getty Images)

Es ist gar nicht so einfach zu definieren, wann genau Vapiano vom Weg abgekommen ist. Es hatte durchaus gut angefangen, damals nach der Gründung 2002. Schnell, frisch, italienisch, das passte zum Zeitgeist und zum Massengeschmack, was sollte da schon schiefgehen? In den vergangenen Jahren allerdings, das kann man nicht anders sagen, ist bei Vapiano wirklich eine ganze Menge schiefgegangen. Jetzt ist das Unternehmen ein Sanierungsfall.

Seit zwei Monaten leitet Vanessa Hall diesen Konzern. Eigentlich war Hall die Verwaltungsratspräsidentin und sollte den Job nur kommissarisch machen, als der frühere Chef Cornelius Everke im vergangenen August hinschmiss – nach nur neun Monaten im Amt. Es zeichnet sich aber ab, dass Halls Engagement noch ein bisschen dauern wird. Am Mittwoch teilte das Unternehmen nun mit, wie es denn so vorankommt auf dem Weg in eine bessere Zukunft. Die Antwort lautet: Recht langsam.

46,1 Millionen Euro Verlust in neun Monaten

Grundsätzlich habe jeder Gast in den ersten neun Monaten dieses Jahres im Durchschnitt fünf Prozent mehr Geld ausgegeben als zuvor, heisst es bei Vapiano. Damit lag der sogenannte Durchschnittsbon pro Besuch bei mehr als zwölf Euro. Zudem sank der Materialaufwand, unter anderem wegen einer abgespeckten Menükarte. Das war aus Sicht des Unternehmens der gute Teil der Nachricht.

Weniger gut sieht aus, was unterm Strich rausgekommen ist bei den Bemühungen des Konzerns in den ersten neun Monaten dieses Jahres: 46,1 Millionen Euro Verlust. Das ist ein deutlich grösseres Minus als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, als der Verlust bei 29,4 Millionen Euro gelegen hatte.

Auch die Umsatzentwicklung sieht nicht gut aus: Zwar stiegen die Erlöse deutlich auf knapp 300 Millionen Euro – das lag aber an neu eröffneten Filialen. Vergleicht man die Umsätze, die auf der gleichen Fläche wie im Vorjahr erwirtschaftet wurden, verzeichnet der Konzern wieder Einbussen: minus 4,2 Prozent. Damit verfehlte das Unternehmen die ohnehin recht pessimistischen Prognosen, wonach der Umsatzrückgang auf gleicher Fläche zwischen zwei und vier Prozent liegen sollte.

«Die Massnahmen greifen und haben bereits positiven Einfluss auf das Gästeerlebnis und die operative Entwicklung von Vapiano.»

Vanessa Hall, Konzernchefin Vapiano

Konzernchefin Hall gibt sich dennoch optimistisch, sie bestätigte ihre zuvor ausgegebenen Jahresziele. Das Geschäft sei zuletzt im Rahmen ihrer Erwartungen verlaufen, erklärte sie und verwies auf den von der Geschäftsführung entwickelten Umstrukturierungsplan. «Die Massnahmen greifen und haben bereits positiven Einfluss auf das Gästeerlebnis und die operative Entwicklung von Vapiano», sagt sie.

Vapiano betreibt in Deutschland 82 Restaurants, 235 weltweit. In der Schweiz gibt es acht Restaurants. Je zwei liegen in Basel und Zürich. Lange lief es gut für die Kette, doch dann übernahm sich das Unternehmen mit einer zu schnellen Expansion: Viele neue Filialen brachten Verluste. Gleichzeitig gewannen Konkurrenten wie L'Osteria an Zuspruch, auch weil dort am Tisch bedient wird – während Gäste bei Vapiano ihr Essen am Tresen holen und oft lange warten müssen. Zudem schadeten Schlagzeilen um übervorteilte Arbeitnehmer und schlechte Hygiene in den Läden dem Image. Das hat auch Folgen für den Aktienkurs: Seit dem Börsengang 2017 verloren die Anteile mehr als 80 Prozent ihres Werts.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch