UBS: So verlief das Tauziehen um die Boni-Rückzahlungen

Dass das frühere UBS-Führungstrio Ospel, Haeringer und Suter auf 33 Millionen Franken verzichtet, ist der Erfolg von Verwaltungsratspräsident Peter Kurer. Vor allem die Verhandlungen mit Ospel waren alles andere als einfach.

Samstag, 8. November, 14 Uhr. Die Herren Marcel Ospel, Stephan Haeringer und Marco Suter treffen zum vereinbarten Gespräch mit UBS-Verwaltungsratspräsident Peter Kurer im dritten Stock an der Bahnhofstrasse 45 ein. Und nehmen Platz am Konferenztisch, an dem sie in den guten alten Tagen Milliarden bewegten. Einziges Traktandum: Verzicht auf die ihnen arbeitsrechtlich zustehenden Millionen.

Im Verlauf des Gesprächs eröffnet Kurer seinen drei ehemaligen Chefs überraschend, der frühere Konzernchef Peter Wuffli verzichte auf 12 Millionen Franken. Das werde Wuffli am folgenden Tag in der «NZZ am Sonntag» ankündigen. Was in der Folge geschah, darüber existiert nicht einmal eine inoffizielle Version. Keiner der vier Herren äussert sich dazu.

Die Gespräche mit Ospel waren schwierig

Es heisst nur: Die Gespräche mit Ospel hätten sich schwierig gestaltet. Ihr Ausgang sei lange Zeit offen gewesen. Ospel neige dazu, auf Druck mit Gegendruck zu reagieren. Bestätigen will das niemand. UBS-Sprecherin Tatiana Togni sagt nur: «Das erste Treffen fand statt, bevor Peter Wuffli seinen Verzicht bekannt machte. Die genannten Herren waren über diesen Verzicht nicht informiert.»

Ospels Medienbeauftragter Jörg Denzler nimmt dazu keine Stellung. Die UBS sei aber «frühzeitig über den Verzicht informiert» worden. «Einen solchen Entscheid fällt man nicht von einem auf den anderen Tag. So etwas muss man zuerst mit sich selber ausmachen», sagt Denzler. Er bestätigt, dass es seit dem Sommer Gespräche zwischen Kurer und Ospel gegeben habe. Vielleicht sei dabei einmal das Wort «Rückzahlung» gefallen. Von Druckversuchen seitens der UBS keine Spur.

Ospel: «Unvorstellbare Situation»

Marcel Ospel lässt nur mitteilen: «Spätestens mit dem Engagement des Bundes war mir klar, dass von meiner Seite substanzielles Handeln gefordert ist. Für mich ist die heutige Lösung richtig. Ich hoffe, dass ich damit einen Beitrag zur Bewältigung einer für mich bis vor kurzem unvorstellbaren Situation leisten kann.» Mehr sagt der ehemalige Präsident nicht.

Die beiden Vizepräsidenten Stephan Haeringer und Marco Suter – sie bildeten mit Ospel das dreiköpfige Chairman’s Office, die Machtzentrale der Grossbank – sagen jetzt: «Es stand für uns von Anfang an ausser Frage, dass wir uns auch in dieser schwierigen Situation solidarisch und loyal gegenüber der UBS verhalten.» In ihrem gemeinsamen Mitteilung halten die drei fest, ihr Verzicht erfolge freiwillig und bedeutete «keinerlei Schuldeingeständnis im rechtlichen Sinn». Sie seien sich aber bewusst, dass sie mit heutigem Wissen verschiedene Entscheide anders fällen würden.

Die drei ehemaligen Lenker der UBS verzichten zusammen auf 33 Millionen Franken. Von dieser Summe trage Ospel mehr als zwei Drittel. Dieser Anteil reflektiere das Verhältnis der effektiven Lohnzahlungen und weiterer Vergütungen, sagt Ospels Sprecher Denzler. Genaueres sagt er nicht. Dass Ospel auf 23 Millionen verzichtet, Haeringer und Suter auf je 5 Millionen, dementiert er nicht. Die drei ehemaligen Konzernleitungsmitglieder haben gemäss Jahresbericht von der UBS insgesamt 93 Millionen an Abgangsentschädigungen erhalten.

Mit weiteren Top-Managern im Gespräch

Ob die UBS mit den 12 Millionen von Wuffli und den 33 Millionen von Ospel, Haeringer und Suter nun 45 Millionen reicher geworden ist, bleibt offen. Ebenso will sich keine der beteiligten Parteien dazu äussern, worauf sich der Verzicht beziehe: auf Bonus, Gehaltsfortzahlungen oder die Abgangsentschädigung. «Entscheidend ist, dass es sich um einen namhaften Betrag handelt, der an die Bank zurückfliesst», sagt UBS-Sprecherin Togni.

Unklar ist auch, ob die UBS auf weitere Millionen hoffen kann. Kurer führe derzeit noch mit anderen Personen Gespräche, heisst es. Es handelt sich wohl um Ex-Finanzchef Clive Standish und Ex-Investmentbankchef Huw Jenkins. «Diese Gespräche werden wir in der Öffentlichkeit nicht kommentieren», sagt UBS-Sprecherin Rebeca Garcia. Das Trio Wuffli, Jenkins und Standish hat nach seinem Abgang insgesamt 61 Millionen eingestrichen.

Tages-Anzeiger

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