Zwei Giganten sagen Amazon den Kampf an

Der Detailhandelsriese Walmart tut sich mit Google zusammen. Das ist eine Art Gegenschlag der US-Supermarktkette.

Für tiefe Preise auf Partner setzen: Angestellte in einer Walmart-Filiale bei der Arbeit.

Für tiefe Preise auf Partner setzen: Angestellte in einer Walmart-Filiale bei der Arbeit.

(Bild: Reuters Lucas Jackson)

Es ist eine Allianz der Giganten: Der US-Internetkonzern Google kooperiert ab September mit der Supermarktkette Walmart, dem grössten Einzelhändler der Welt. Das teilten die beiden Unternehmen mit. Demnach will Walmart seine Produkte künftig bei Google Express anbieten, einer Art Online-Supermarkt des Konzerns. Auf der Plattform, die 2013 in Betrieb ging, können sich Kunden in vielen Ballungsgebieten der USA Lebensmittel nach Hause bestellen. Es wäre das erste Mal, dass Walmart seine Waren ausserhalb des eigenen Online-Shops anbietet.

Die Kooperation zwischen Walmart und Google ist vor allem eines: eine Kampfansage an Amazon. Der Internet-Versandhändler, der anfangs noch Bücher und CDs verschickte, hat längst auch den Lebensmittel-Einzelhandel für sich entdeckt. Zuletzt gab Amazon etwa die Übernahme der Bio-Supermarktkette Whole Foods bekannt.

Sowohl für Walmart als auch für Google sind solche Ambitionen bedrohlich. Der Name Amazon ist gerade in den USA beinahe ein Synonym für das Online-Shopping geworden. Sollte der Konzern im Lebensmittelhandel weiter wachsen, könnten Walmart die Kunden davonlaufen. Google möchte hingegen verhindern, dass Kunden ihren Online-Einkauf häufiger mit einer Suche bei Amazon beginnen anstatt bei Google. Amazon hat bislang einen grossen Vorsprung beim Thema Online-Shopping. Der Konzern ist schnell bei Innovationen und hat einen riesigen Kundenstamm. Nach Schätzungen nutzt inzwischen jeder Dritte Amerikaner den Premium-Service prime.

Hunderttausende Produkte «vom Waschmittel bis zu Lego»

Auch Walmart ist ein Konzern der Superlative, beschäftigt mehr als zwei Millionen Mitarbeiter. Der Schwerpunkt liegt aber immer noch auf dem analogen Geschäft. Das Unternehmen betreibt weltweit fast 12'000 Supermarkt-Filialen. Zuletzt hatte Walmart versucht, beim Online-Shopping aufzuholen, etwa mit kostenfreiem Versand. Im Juni kündigte Walmart zudem an, im Kampf gegen Amazon die Lieferung von Lebensmitteln und anderen Waren durch die eigenen Mitarbeiter zu testen. Durch die Kooperation mit Google könnte der Einzelhändler nun einen grösseren Teil seines Umsatzes ins Internet verlagern. In einer Mitteilung von Google hiess es, das Angebot umfasse Hunderttausende Produkte «vom Waschmittel bis zu Lego».

Bei der Partnerschaft stünden vor allem Zukunftsthemen im Vordergrund, heisst es von beiden Unternehmen. So sollen Bestellungen künftig auch mit der Sprachsoftware Google-Assistant möglich sein. Ausserdem sollen Kunden ihre Konten von Walmart und Google miteinander verknüpfen können. Die Unternehmen könnten dadurch Rückschlüsse über das Einkaufsverhalten der Kunden ziehen und das Angebot entsprechend anpassen.

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