Zürcher Start-up steigt in die Top-Liga auf

Mit PDF zum Erfolg: Smallpdf gehört mit zu den am meisten besuchten Websites weltweit. Was das dem Start-up bringt.

Geschäftsführer Christoph Forsting (l.) und Mitgründer Manuel Stofer: Start-up Smallpdf.

Geschäftsführer Christoph Forsting (l.) und Mitgründer Manuel Stofer: Start-up Smallpdf. Bild: ZVG

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Eigentlich tönt das Produkt simpel: Der Nutzer kann mit einer Software Dokumente in PDF verwandeln und umgekehrt. Aber manchmal führen genau diese einfachen Lösungen zum Erfolg. Die Website des Zürcher Start-ups Smallpdf ist in die Top 1000 der weltweit am häufigsten besuchten Websites aufstiegen. Im Ranking der Amazon-Tochter Alexa kommt das Unternehmen auf Platz 904. Angeführt wird diese Liste von Google, Youtube und Facebook.

Bei anderen Analyse-Diensten wie Similarweb kommt Smallpdf zwar weiter unten auf der Liste, erreicht aber im Vergleich zu allen Websites der Welt Spitzenplätze. Start-up-Experte und Startups.ch-Gründer Michele Blasucci sagt: «Die Leistung von Smallpdf ist – für die kurze Zeitspanne, seit der sie online sind – ausserordentlich gut.» Das Unternehmen wurde 2013 gegründet. «Wir freuen uns sehr, diesen Meilenstein erreicht zu haben», freut sich Smallpdf-Geschäftsführer Christoph Forsting.

«Wie beim Tennis »

Über 13 Millionen Menschen nutzen den Dienst von Smallpdf jeden Monat – die meisten Kunden wohnen dem Start-up zufolge in Brasilien, Indien und in den USA. Durch das Ranking habe sich laut Geschäftsführer Forsting zwar zunächst nicht viel für die Kunden und das operative Geschäft geändert. Die Aufmerksamkeit für das Produkt steige aber.

Laut Experte Blasucci hat es für ein Jungunternehmen klare Vorteile, in so einem Ranking aufzutauchen: «Es steigert die Aufmerksamkeit, auch von Investoren und möglichen Kooperationspartnern. Die Lösung spricht sich herum, ihr Produkt wird in Foren diskutiert», sagt er. «Das ist wie im Tennis: Wenn es jemand in die Top 100 schafft, merken sich die Leute den Namen. Im Fall von Smallpdf kann das Start-up bei künftigen Projekten etwas vorweisen.»

«Immer wieder Anfragen»

Der Erfolg von Smallpdf ist auch an anderen nicht vorbeigegangen. Erste Kaufangebote seien schon eingegangen, sagt Geschäftsführer Forsting. «Wir bekommen immer mal wieder Anfragen.» Überzeugt hat sie bis jetzt keine: «Derzeit wollen wir selbst weiter wachsen und haben uns bisher auf keine Verkaufsverhandlungen eingelassen», so Forsting. Er ergänzt: «Da wir organisch gewachsen sind, haben wir keinen Investor im Nacken, der einen Verkauf forciert.» Das Unternehmen gehöre zu 100 Prozent den Gründern.

Smallpdf finanziert sich seit Anfang an selbst und verzichtet auf Risikokapital und Investoren. Anfängliche Kosten deckten die Gründer mit Werbeeinnahmen und Spenden von Nutzern. Damit fahren sie nach eigener Aussage gut: «Wir sind seit kurz nach unserer Gründung profitabel und aus erwirtschafteten Mitteln gewachsen», so Geschäftsführer Forsting.

Start-up-Experte Blasucci sieht in dieser Finanzierungsmethode kein Problem: «Die besten Start-ups kommen in der Startphase ohne Investor und Risikokapital aus, weil sie sofort rentieren. Irgendwann könnte das Jungunternehmen aber an seine Grenzen stossen.»

Bezahlmodell eingeführt

Um das zu verhindern, sucht Smallpdf neue Wege, Einnahmen zu generieren: Zuletzt lancierte das Start-up etwa ein kostenpflichtiges Abo. Damit gingen in der Regel allerdings auch wieder neue Kosten einher, sagt Experte Blasucci: «Sobald es kostenpflichtiger Dienst ist, brauchen Sie einen Support, einen Kundendienst, eine IT. Es müssen Abklärungen bezüglich Steuern und anderen rechtlichen Aspekten gemacht werden.» Das könne schnell Kosten von mehreren Zehntausend Franken verursachen.

Forsting sieht darin kein Problem. Ihr Dienst sei einfach und verständlich. Support-Anfragen habe man wenige. Was die Mehrwertsteuer betreffe, habe man Abklärungen gemacht und müsse nun in jedem einzelnen Land der EU eine Mehrwertsteuererklärung machen. Der Hauptservice des PDF-Dienstes bleibt derweil gratis: Diesem dürfte das Unternehmen dann auch seine Beliebtheit verdanken. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.11.2017, 15:26 Uhr

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