Zahnradbahn wird zum Kulturgut

Die Brienz-Rothorn-Bahn AG ändert ihre Statuten, damit sie künftig als Betreiberin der ältesten Dampfzahnradbahn der Schweiz vom Kanton unterstützt werden kann.

Verwaltungsratspräsident Peter Flück hofft auf Subventionen.

Verwaltungsratspräsident Peter Flück hofft auf Subventionen.

(Bild: Valérie Chételat)

Hans Galli

Die Brienz-Rothorn-Bahn kämpft seit Jahren mit finanziellen Schwierigkeiten. Vor einem Jahr wurde die Bilanz durch die Aufwertung verschiedener Vermögenswerte saniert. Unter anderem wurden die alten Dampflokomotiven auf einen Schlag um 2 Millionen Franken aufgewertet. Die Lokomotiven waren vom Verein Freunde des Dampfbetriebs finanziert, genauso wie Weichen und weitere Teile des Schienennetzes sowie Gebäude. Diese Anlagen figurierten früher nicht in der Bilanz. Aufgrund der schwierigen Situation wurden sie nun aber in die Anlagerechnung aufgenommen. Insgesamt wurde die Erfolgsrechnung 2012 dadurch um 3,7 Millionen Franken aufgebessert. Deshalb resultierte 2012 ein Gewinn von 3,5 Millionen Franken – ohne die Aufwertung hätte ein Verlust resultiert. Auch so verblieb in der Bilanz ein Verlustvortrag aus früheren Jahren von fast 1,4 Millionen Franken.

Im vergangenen Jahr ist der Verlustvortrag aber auf 940'000 Franken und somit unter eine Million Franken gesunken. Der Grund ist, dass das Bahnunternehmen 2013 einen Gewinn von 427'000 Franken erarbeitet hat.

«Kleine Silberstreifen»

Es gebe «kleine Silberstreifen am Horizont», hält Verwaltungsratspräsident Peter Flück im Geschäftsbericht fest. Das positive Unternehmensergebnis sei zum Teil auf die eingeleiteten Massnahmen zurückzuführen. Dazu haben auch die Aktionäre beigetragen. Sie erhielten für das Jahr 2013 keine Gratisbillette, und an der letztjährigen Generalversammlung wurde der Apéro eingespart. Das sorgte damals für Kritik, aber in der Kasse hat es sich offensichtlich positiv ausgewirkt. Als Silberstreifen bezeichnet Flück auch das Juli-Ergebnis: «Der Juli war ein Rekordmonat wie seit Jahren nicht mehr. Es wäre gar nicht möglich gewesen, mehr Gäste auf das Brienzer Rothorn zu befördern.»

Weniger erfreulich war, dass die Bahn nur 128 Tage in Betrieb war statt 139 wie im Vorjahr. Der Grund war, dass der Sommerbetrieb wegen der grossen Schneemengen zwei Wochen später aufgenommen werden konnte. Zudem stand die Bahn während der Saison an fünf weiteren Tagen wegen Schneefällen still. Deshalb ging die Zahl der Fahrgäste um 4240 auf 124'766 zurück.

Weil der Durchschnittserlös pro Passagier aber um 2.74 Franken auf 21.56 Franken stieg, resultierte trotzdem ein Umsatzanstieg um 1,4 Prozent auf 3,9 Millionen Franken.

Aktien nur noch elektronisch

Die Aktionäre der Brienz-Rothorn-Bahn können auch in Zukunft nicht mit einer Dividende rechnen. Es gibt auch weiterhin keine Gratisbillette, aber immerhin Gutscheine für vergünstigte Fahrten. An der Generalversammlung vom 26. April im Kursaal Interlaken wird über die Umwandlung der Inhaberaktien in Namenaktien abgestimmt. Letztere haben den Vorteil, dass das Unternehmen seine Inhaber künftig kennen wird – und sie auch direkt in die Werbung einbeziehen kann. Allerdings werden die Namenaktien nicht mehr gedruckt und den Aktionären ausgehändigt, sondern zentral im Computer verwaltet, wie dies heute bei Aktiengesellschaften üblich ist.

Nostalgie als Firmenzweck

Ein weiterer wichtiger Teil der umfassenden Statutenrevision ist der vorgeschlagene neue Zweckartikel. Die Brienz-Rothorn-Bahn wird bei einem Ja vom wirtschaftlich ausgerichteten Betrieb quasi zu einem Kulturunternehmen. Artikel 2 soll neu heissen: «Zweck der Gesellschaft ist der Erhalt der ältesten Dampfzahnradbahn der Schweiz und damit eines Stücks schweizerischer Kulturgeschichte durch den Betrieb der Brienz-Rothorn-Bahn gemäss der ihr jeweils vom Bund erteilten Konzession sowie der angeschlossenen Betriebe.»

In den Anmerkungen steht, diese Änderung werde auf Wunsch des Kantons Bern vorgeschlagen. Die Brienz-Rothorn-Bahn hofft, dass sie dank der neuen Zweckbestimmung Geld vom Kanton erhalten wird. Als rein touristische Bahn wären die Chancen klein, für Kulturgüter verfügt der Kanton dagegen über geeignete Fördertöpfe.

Ob die Aktionäre an der GV 2014 einen Apéro erhalten werden, ist unklar. Im Geschäftsbericht steht hinter diesem Traktandum ein Fragezeichen.

Der Bund

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