Wolkige Tarifspielchen

Es ist unverständlich, dass die Swiss die tieferen Treibstoffkosten nicht an ihre Kunden weitergibt.

Matthias Pfander@MatthiasPfander

Vor drei Jahren änderte der Name: Seither heisst der Treibstoffzuschlag bei der Swiss «internationaler Zuschlag». Man folge einem Branchentrend aus ­Amerika, erklärte die Fluggesellschaft damals. Am Zuschlag an sich ändere das nichts. Das erste Argument ist aus Sicht der Schweizer Passagiere irrelevant. Und das zweite erweist sich schlichtweg als unwahr.

Vorher konnte sich der Swiss-Kunde darauf ­verlassen, dass sich das Preisniveau des Kerosins auch auf den Gesamtpreis des Flugtickets auswirkt. Wurde das Flugbenzin teurer, stieg nach einer gewissen Zeit der Treibstoffzoll – und umgekehrt. So einfach. Die Passagiere muckten auf, wenn es zu lange ging bis zur Senkung, akzeptierten diesen Mechanismus aber grundsätzlich. Führt man sich vor Augen, dass die Ausgaben für den Treibstoff über 20 Prozent der ­Betriebskosten einer Fluggesellschaft ausmachen, ist ein solches Vorgehen nachvollziehbar.

Geschäftsgeheimnis der Swiss

Doch diese ein­fache Logik ist seit dem Juli 2012 weg. Welchen Regeln der internationale Zuschlag seither folgt, ist Geschäftsgeheimnis der Fluggesellschaft. Genau genommen ist es ein Mysterium. Klar ist nur, dass er sich auf keinen Fall am Treibstoffpreis orientieren kann, sonst hätte er längst sinken müssen.

Die Swiss hat an solchen Tarifspielchen Gefallen gefunden. Bei der letzten Anpassung Ende Juni baute sie noch eine weitere Ebene ein. Auf der Kurzstrecke verrechnet sie dem Kunden nun einen Aufschlag für einen reservierten Sitzplatz oder für zusätzliches ­Gepäck. Der Passagier solle nur zahlen müssen, was er wirklich benutze, lautet die Erklärung. Der Effekt aus Kundensicht ist aber vielmehr, dass sich Preise noch schlechter vergleichen lassen.

Dass das Jonglieren mit den verschiedenen Preisbestandteilen kommerziell erfolgreich ist, lässt sich an den Geschäftszahlen der Swiss fürs erste Halbjahr ablesen. Der Betriebsgewinn schoss um über 80 Prozent in die Höhe, obwohl der Umsatz um ­3 Prozent sank. Dass sich die Swiss einen solchen Umgang mit den Kunden leisten kann, zeigt, welche Position die ­Airline auf dem Heimmarkt nach wie vor hat. ­Kundenfreundlich ist das nicht.

Tages-Anzeiger

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