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Wirtschaftsstandort: Schweiz rutscht ab

Ausländische Investitionen in der Schweiz haben im letzten Jahr um satte 38 Prozent abgenommen. Im europäischen Vergleich gehört der hiesige Wirtschaftsstandort damit zu den grossen Verlierern.

Die Schweiz hat im vergangenen Jahr einen deutlichen Rückschlag bei den ausländischen Direktinvestitionen hinnehmen müssen. Dennoch bleibt die Schweiz für ausländische Unternehmen attraktiv, weil der Taucher nach Einschätzung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (E&Y) nur vorübergehend sein dürfte.

Im Jahr 2012 sei die Zahl der Direktinvestitionen aus dem Ausland in der Schweiz um 38 Prozent gesunken, stellte E&Y in einer Studie fest. Die Schweiz fiel im Vergleich der attraktivsten Investitionsstandorte Europas von Platz 11 auf Platz 14 zurück.

Grosser Verlierer

Damit gehört die Schweiz zusammen mit Schweden, Rumänien und Italien zu den grössten Verlierern. 2012 gab es nur noch 61 ausländische Investitionsprojekte in der Schweiz. Das sei der tiefste Stand seit acht Jahren, sagte der E&Y-Verantwortliche für den Markt Deutschschweiz, Alessandro Miolo, vor den Medien in Zürich. 2011 waren es noch 99 Investitionsprojekte gewesen.

Insgesamt wurden nur noch 1155 Arbeitsplätze durch ausländische Investoren geschaffen. Das ist ein Viertel weniger als im Vorjahr. Die Schweiz belegt nur noch Platz 20 in Europa. Sogar in Litauen und Bosnien-Herzegowina schufen ausländische Unternehmen mehr Jobs.

Die mit Abstand grössten Investoren sind Amerikaner, die hierzulande 405 Stellen schufen, vor den Franzosen (308 Stellen) und einer dänischen Firma (200 Arbeitsplätze).

Starker Franken schuld

Allerdings hätten Investitionen immer eine Vorlaufzeit von eineinhalb Jahren, sagte Miolo. Damit fielen die Entscheide, welche für den starken Rückgang ausländischer Investitionsprojekte verantwortlich seien, in die Zeit der starken Aufwertung des Schweizer Frankens in den Jahren 2010 bis 2011.

Die Euro-Mindestgrenze der Schweizerischen Nationalbank (SNB) im September 2011 habe sich als wirksam erwiesen, sagte Miolo. Dies zeige sich an der stabilen Entwicklung der Exporte und der Planungssicherheit, die seither deutlich zugenommen hätten.

Auf der anderen Seite sei die Abwanderungswelle abgeebbt. Nur noch 14 Prozent der Befragten hätten vor, aus der Schweiz wegzuziehen. Das ist der tiefste Stand seit sieben Jahren. 2011 hätten noch 38 Prozent Verlagerungsabsichten gehabt.

Gestiegenen Kosten in den Zielländern

Damit scheine der Trend der Vorjahre gebrochen, sagte der Leiter der E&Y-Steuer- und Rechtsabteilung, Philip Robinson. Dazu trügen auch die gestiegenen Kosten in den Zielländern – in erster Linie Mittel- und Osteuropa– bei.

Unternehmen, die aus Kostengründen die Verlagerung an billigere Standorte erwogen hätten, seien bereits weg. 82 Prozent der Befragten hätten die Absicht, auch in zehn Jahren noch in der Schweiz zu produzieren. Nur 10 Prozent würden dies für unwahrscheinlich halten.

Aussichten trüber

Allerdings sind auch die Aussichten trüber geworden. Nur noch 19 Prozent der Befragten planen derzeit, im kommenden Jahr in der Schweiz zu investieren. Im Vorjahr war die Zahl mit 47 Prozent mehr als doppelt so hoch.

42 Prozent sind der Ansicht, dass sich die Attraktivität des Standortes Schweiz in den nächsten drei Jahren verbessern werde. 2011 waren es deutlich mehr (61 Prozent). Allerdings hat auch die Zahl der negativen Stimmen von 12 auf 8 Prozent abgenommen, die eine Verschlechterung erwarten.

Damit steht die Schweiz deutlich besser da als Europa. Hier erwarten nur 39 Prozent eine Verbesserung der Attraktivität in den nächsten drei Jahren, aber 23 Prozent eine Verschlechterung. Die Schweiz werde von ausländischen Investoren vor allem als Standort für Hauptsitze und Forschungszentren gesehen, die eine hohe Wertschöpfung brächten, sagte Miolo. Hier sei die Schweiz deutlich attraktiver als Deutschland. Deutschland habe dagegen als Produktionsstandort die Nase vorne.

SDA/mrs

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