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Wirtschaft hofft nun auf bilaterale Verträge

Gross ist die Enttäuschung über das WTO-Debakel - und zwar über die traditionellen Exportsektoren hinaus.

Gerade die Schweizer Banken hätten sich von einem erfolgreichen Abschluss der sogenannten Doha-Runde einen verbesserten Marktzugang in wachstumsträchtige Schwellenländer wie Indien, China, Russland und Brasilien versprochen, sagt Jean-Marc Felix, Sprecher der Schweizerischen Bankiervereinigung. Das Stichwort heisst (oder hiess) Inländerbehandlung: Ausländische Banken hätten wie einheimische Institute behandelt werden müssen.

Schweizer Geldhäuser hätten dadurch Lizenzen in den neuen Märkten einfacher erwerben können, und das ganze Prozedere bis zum Erhalt einer solchen Bewilligung wäre transparenter geworden. Laut Felix haben Indien und China im Rahmen der WTO-Gespräche konkrete Erleichterungen angeboten, etwa bei Dienstleistungen für die Finanzberatung oder beim Erwerb von Firmenbeteiligungen. Davon, so der Bankier-Sprecher, hätte das Finanzsystem insgesamt in diesen Ländern profitieren können, was dem globalen Handel wiederum neue Impulse gegeben hätte.

Besorgte Lebensmittelhersteller

Alexander Jost, Präsident des Markenartikelverbands Promarca, ist vor allem deshalb «unglücklich» über den Abbruch der WTO-Verhandlungen, weil der multilaterale Prozess, der für ein Gleichgewicht des Gebens und Nehmens sorge, nun «für Jahre blockiert ist». Bei bilateralen Freihandelsabkommen, die nach dem WTO-Aus wohl forciert werden, sieht Jost die Schweizer Lebensmittelhersteller «besonders exponiert». Sie müssten dafür kompensiert werden, dass sie die viel teureren landwirtschaftlichen Rohstoffe aus dem Inland verarbeiten. Dies, so Jost, gelte es künftig immer wieder neu auszuhandeln - kein leichtes Unterfangen, wo doch das Ausland ständig auf sinkende Lebensmittelpreise in der Schweiz dränge.

Der Promarca-Präsident räumt ein, dass hiesige Lebensmittelhersteller für den Fall eines neuen WTO-Vertrags auch «Opfer» hätten bringen müssen - besonders dort, wo ein grosser Anteil der Wertschöpfung auf Agrarprodukte entfällt - etwa bei Joghurts und anderen Milchprodukten. Die Branche, so Jost, müsse sich jedoch eines bewusst sein: Der Schweizer Markt sei gesättigt, eine stärkere Ausrichtung auf den Export deshalb unumgänglich.

Welch hochgesteckte Erwartungen die Schweizer Industrie in den WTO-Prozess hatte, mag ein Hinweis von Gregor Kündig, Geschäftsleitungsmitglied des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse, geben: Sämtliche Industriezweige, inklusive die Textilindustrie, hätten einen vollständigen Zollabbau akzeptiert, wenn auch andere wichtige Länder dazu bereit gewesen wären. Da dies nicht möglich war, hoffte man unter anderem auf Sektorabkommen für bestimmte Produkte, die von einer radikalen Zollsenkung profitiert hätten. Angedacht waren sie für chemische Produkte, industrielle Maschinen und medizintechnische Erzeugnisse - doch all dies hat sich jetzt ebenso in Luft aufgelöst wie die erzielten Fortschritte im Bereich der Handelserleichterungen, die zum Beispiel einfachere Grenzabfertigungen von Waren vorgesehen hätten.

Pharma kanns gelassen nehmen Einzig die Pharmahersteller hegten laut Thomas Cueni, Sprecher des Verbandes Interpharma, «keine grossen Erwartungen» in die jüngsten WTO-Gespräche. Einen Erfolg hätte man zwar begrüsst, weil dies den Zugang auch in die Schwellenländer erleichtert hätte. Die Doha-Runde sei aber «nicht matchentscheidend» gewesen. Kein Wunder: Die Pharmabranche verfügt bereits über ein Sektorabkommen, an dem die wichtigsten Länder beteiligt sind.

Rundum einig sind sich die Branchenverbände über die Konsequenzen aus dem WTO-Debakel: Der Bundesrat muss nun so schnell wie möglich die Freihandelsabkommen vorantreiben, allen voran mit Russland, Indien, Japan und Brasilien.

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