«Wir würden mehr nach Russland exportieren»

Als Antwort auf die westlichen Strafmassnahmen schränkt Russland den Import von Nahrungsmitteln ein. Was bedeuten diese Einschränkungen für die Schweizer Lebensmittelhersteller?

Wird Schweizer Käse nun zum Exportschlager in Russland? Ein Mitarbeiter der Gotthard-Schaukäserei in Airolo. (14. Oktober 2013)

Wird Schweizer Käse nun zum Exportschlager in Russland? Ein Mitarbeiter der Gotthard-Schaukäserei in Airolo. (14. Oktober 2013)

(Bild: Keystone)

Anna Jikhareva@Anna_Jik

Fleisch, Fisch, Käse, Milch, Gemüse und Obst – diese Produkte unterliegen in Russland ab sofort für ein Jahr einem Einfuhrstopp. Wie Premierminister Dmitri Medwedew heute erklärte, soll dieses Importverbot für EU, USA, Norwegen, Kananda und Australien gelten. Nicht also für Schweizer Unternehmen, die nach wie vor Lebensmittel nach Russland liefern dürfen.

Auf den ersten Blick betrachtet, machen die Exporte nach Russland keinen grossen Anteil aus. Zwar stiegen die Ausfuhren in den letzten 20 Jahren um jährlich 12 Prozent, wie aus einer Medienmitteilung der Eidgenössischen Zollverwaltung hervorgeht. Doch die Bedeutung für die Schweizer Aussenwirtschaft ist verhältnismässig gering. 2013 wurden Waren und Dienstleistungen im Wert von 3 Milliarden Franken exportiert – nur 1,5 Prozent des gesamten Exports. 2012 war Russland für die Schweizer Exporteure auf dem 15. Rang, vor allem chemisch-pharmazeutische Produkte, Maschinen und Präzisionsinstrumente oder Uhren finden in Russland grossen Anklang.

Viele Fabriken und Mitarbeiter in Russland

Die Lebensmittelexporte nach Russland machen rund 7 Prozent der Schweizer Gesamtausfuhren aus, wie Zahlen aus dem Jahr 2013 belegen. Einer der grössten Investoren auf dem russischen Markt ist dabei Nestlé, wo man Russland als einen «Höhepunktmarkt» bezeichnet. Mit mehreren eigenen Fabriken und über 10'000 Mitarbeitern produziert der Lebensmittelriese überwiegend Kaffee, Schokolade und Fertigprodukte für den russischen Verbraucher.

Rund 90 Prozent der vor Ort produzierten Nestlé-Produkte werden auch im Land verkauft, erklärt Konzern-Sprecherin Lydia Méziani auf Nachfrage. Man befürchte also kaum Auswirkungen der westlichen Sanktionen auf den Umsatz des Unternehmens. Ob und welche Folgen die russischen Importverbote auf Nestlé haben könnten und ob der Konzern möglicherweise sogar profitiert, darüber erteilt Sprecherin Méziani keine Auskunft.

«Interessanter Nischenmarkt»

Auch bei Emmi reagiert man zunächst zurückhaltend auf die Sanktionen gegen den Westen. Der Milchverarbeiter exportiert vor allem Käse in der oberen Preiskategorie nach Russland – einen «interessanten Nischenmarkt, jedoch keinen Hauptmarkt von Emmi», wie Konzernsprecherin Sibylle Umiker erklärt. Zwar hätten die gegen die EU und USA verhängten Sanktionen derzeit noch keine Auswirkungen auf Emmi – die Situation werde dennoch laufend neu bewertet, so Umiker. «Das Thema Russland ist ein staatspolitisches, deshalb sollten solche Entscheide nicht durch ein einzelnes Unternehmen gefällt werden», erklärt sie. Man werde jedoch vorerst auch weiterhin nach Russland liefern.

Während die grossen Konzerne noch Zurückhaltung üben, könnte es für kleinere Unternehmen sogar von Vorteil sein, dass deutsches Fleisch und französischer Käse bald nicht mehr in russischen Supermärkten zu finden sind. So zeigt sich die Käseexportfirma Intercheese, die seit mehreren Jahren ihre Produkte nach Russland liefert, optimistischer. Zwar könne man auch noch nicht abschätzen, welche Auswirkungen die Strafmassnahmen auf die Firma haben, so Sprecher Stefan Vonesch. «Bei grösserer Nachfrage würden wir vermutlich aber mehr nach Russland exportieren», fügt er hinzu.

DerBund.ch/Newsnet

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt