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«Wir bringen 5G noch dieses Jahr»

Swisscom-Netzchef Heinz Herren kündigt einen früheren Start des ultaschnellen Netzes an und spricht über die jüngste Pannenserie.

Mit Heinz Herren sprach Jon Mettler
«Ich bin zuversichtlich, dass auch die Politik versteht, was auf dem Spiel steht»: Heinz Herren. Foto: Nicole Philipp
«Ich bin zuversichtlich, dass auch die Politik versteht, was auf dem Spiel steht»: Heinz Herren. Foto: Nicole Philipp

Wann lanciert Swisscom in der Schweiz das schnelle 5G-Mobilfunknetz?

Swisscom zieht den Termin vor und plant, 5G in der Schweiz bereits im vierten Quartal 2018 punktuell auszurollen. Bisher gingen wir von 2020 aus.

Woher kommt dieser Sinneswandel?

Der neue Zeitpunkt ist einerseits bedingt durch die schnellere Standardisierung der 5G-Technologie. Andererseits zeichnet sich ab, dass unser Zulieferer Ericsson die nötigen Netzwerkkomponenten sowie die Software rascher liefern kann. Schliesslich befasst sich Swisscom zusammen mit der ETH Lausanne und Ericsson schon seit zwei Jahren intensiv mit dem Thema. 5G ist immerhin die Grundlage für die Digitalisierung in der Schweiz. Die Industrie sieht ihre Chancen und fordert eine schnellere Realisierung. Das alles gibt uns einen Vorsprung und das nötige Selbstvertrauen, um anzukündigen: Swisscom wird die erste Telecomanbieterin sein, die in der Schweiz 5G noch in diesem Jahr einführt.

Ihre Ankündigung tönt ehrgeizig. Sie haben ja noch nicht einmal die nötigen Lizenzen für 5G.

Die Eidgenossenschaft vergibt in der zweiten Jahreshälfte die nötigen Frequenzen, damit 5G in der Schweiz überhaupt betrieben werden kann. Ich gehe davon aus, dass dies in Form einer Versteigerung stattfinden wird. Ich rechne weiter damit, dass Swisscom die nötigen Frequenzbänder erwerben kann, um auf das Jahresende hin mit 5G loslegen zu können. Der neue Zeitplan sieht nun vor, dass eine schweizweite Abdeckung mit 5G in zwei Jahren erreicht ist und nicht erst 2022. Dies unter der Voraussetzung, dass die regulatorischen Rahmenbedingungen angepasst werden.

Dass Sie eine Auktion als Vergabe bevorzugen, ist klar. Sie haben ja eine volle Kriegskasse und können die Konkurrenten überbieten.

Das stimmt so einfach nicht. Salt ist im Besitz des französischen Multimilliardärs Xavier Niel, der bereits viel Geld aus der Firma abgezogen hat. Bei Salt scheint also Geld vorhanden zu sein. Sunrise hat Mobilfunkmasten verkauft und so ebenfalls rund 500 Millionen Franken eingenommen. Geld, das Sunrise für den Kauf von 5G-Lizenzen einsetzen kann. Bei uns ist der Umsatz unter Druck, wir haben im letzten Jahr im Schweizer Kerngeschäft einen Umsatzrückgang von 199 Millionen Franken verzeichnet und haben gerade unser Sparziel bis 2020 erhöht. Man kann also nicht behaupten, dass wir im Keller Gold eingelagert haben, um damit neue Technologien zu finanzieren.

Aber mit einer Versteigerung wären Sie doch im Vorteil, weil Swisscom mehr Lizenzen kaufen kann?

Diese Kritik ist sehr gesucht. In den meisten europäischen Ländern wurden in den letzten zehn Jahren Mobilfunk­frequenzen durch Auktionen vergeben und nicht fest zugeteilt. Es ist zwar korrekt, dass Swisscom heute 48 Prozent des absoluten Mobilfunkspektrums besetzt. Aber: Setzt man diese Zahl in Relation zu der Anzahl unserer Kunden, so haben wir bei mehr als sechs Millionen Abonnenten weitaus am wenigsten Bandbreite pro Nutzer zur Verfügung. Swisscom will mit 5G eine neue Technologie einführen und ihren Marktanteil verteidigen. Wir sollten demnach Frequenzen gemäss unserem Marktanteil erhalten.

Lizenzen allein reichen nicht aus. Damit das Geschäft mit 5G rentiert, müsste das Parlament zuerst die strenge Strahlenschutzverordnung lockern. Oder nicht?

Ich bin zuversichtlich, dass auch die Politik versteht, was auf dem Spiel steht. Es geht dabei nicht um die Lancierung von 5G im vierten Quartal. Dann dürfte die neue Strahlenschutzverordnung, sofern sie angepasst wird, noch gar nicht in Kraft getreten sein. Im Vordergrund steht vielmehr das Ziel, die Schweiz rasch in der Fläche mit 5G zu versorgen und das Potenzial von 5G voll zu nutzen. Dies wird durch die aktuellen Grenzwerte verhindert.

Weshalb?

Unsere Grenzwerte sind im europäischen Vergleich um das Zehnfache strenger und machen den Bau von zusätzlichen Antennen nötig, um eine bessere Abdeckung mit Mobilfunk zu erreichen. Komplexe Bauvorschriften erschweren es uns, an neue Standorte zu kommen. Schliesslich wendet die Schweiz ein anderes Messverfahren an als andere Länder. Bei uns gelten bei der Strahlung Höchstwerte, in Europa hingegen Durchschnittswerte. Swisscom – und übrigens auch unsere Mitbewerber ­– verlangt nur eine moderate Anpassung der Verordnung.

Das wird Kritiker nicht ­überzeugen. Diese fürchten ­gesundheitliche Schäden von ­stärker strahlenden Antennen. Was sagen Sie dazu?

Man muss diese Ängste ernst nehmen und den Kritikern zuhören. Swisscom hält sich an die geltenden Bestimmungen, die wie gesagt strenger sind als in anderen Ländern. Gemäss der Weltgesundheitsorganisation gibt es keinen Nachweis, dass Mobilfunkstrahlung die Gesundheit beeinträchtigt. Und auch nach einer Anpassung der Grenzwerte würden wir immer noch unter den empfohlenen Grenzwerten der WHO liegen.

Gibt es Ende Jahr überhaupt schon 5G-fähige Smartphones?

Damit Smartphones auf dem 5G-Netz laufen, braucht es neue 5G-fähige Chips. Auch hier zeichnet sich eine Beschleunigung bei der Produktion ab. Die Hersteller dürften diese neuen Bauteile ab 2019 verfügbar machen. Damit ist davon auszugehen, dass ab 2019 die ersten 5G-fähigen Smartphones auf den Markt kommen. Im laufenden Jahr werden auch schon erste 5G-fähige Geräte lanciert, allerdings keine Mobiltelefone. Es wird sich dabei wahrscheinlich um Router und USB-Sticks handeln, mit denen auf dem Laptop eine drahtlose Verbindung zum Internet hergestellt werden kann.

Dann startet Swisscom nicht mit einem 5G-Angebot für Smartphones?

Wir starten den Ausbau von 5G in den Städten und parallel in einigen ländlichen Regionen. Wann die ersten Smartphones auf den Markt kommen, hängt massgeblich von den Herstellern ab. Wir sind aber mit unserem Netz parat. Unsere Kunden profitieren ab dem ersten Tag.

Sie wollen ein neues Netz starten, hatten zuletzt aber ­Störungen im alten Festnetz. Was war da los, welche Konsequenzen gab es?

Es handelte sich um Softwarefehler, die tief im Quellcode verborgen waren. Ich spreche hier von unzähligen Programmzeilen, die unsere Spezialisten buchstäblich unter die Lupe nehmen mussten. Wir sind uns bewusst, dass die Anforderungen an unsere Netzverfügbarkeit noch steigen werden und wir darauf vorbereitet sein müssen, deshalb arbeiten wir hart daran. Man sollte aber auch die Verhältnisse richtig sehen: Swisscom nimmt bei all ihren Systemen und Anwendungen pro Woche über 3000 Änderungen vor. Insgesamt weisen die Netze eine sehr hohe Verfügbarkeit auf.

Vor allem Firmenkunden waren betroffen. Sie kritisierten, wie ­Swisscom über die Pannenserie informiert hat. Nämlich schlecht.

In der ersten Woche war die Kommunikation nicht optimal. Ich gebe zu, dass wir die betroffenen Kunden zu spät und zu wenig direkt informiert haben. Das hat in der zweiten Woche besser geklappt. Wir sind über die Bücher gegangen und wollen die Kunden bei Störungen künftig zeitnaher und umfassender informieren.

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