Wie lange überlebt Charles Vögele noch?

Wieso ist das Modehaus in Schwierigkeiten? Wie reagieren die Investoren nach der heutigen Meldung über den Millionenverlust? Sechs Fragen, sechs Antworten.

Kommt nicht aus der Krise: Das Modehaus Charles Vögele schreibt erneut einen Millionenverlust. Werbeplakat an der Bilanzmedienkonferenz vom 26. April.

Kommt nicht aus der Krise: Das Modehaus Charles Vögele schreibt erneut einen Millionenverlust. Werbeplakat an der Bilanzmedienkonferenz vom 26. April. Bild: Walter Bieri /Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Auf dieses Ritual würde das Traditionsunternehmen Charles Vögele gerne verzichten: Seit Jahren präsentiert das Unternehmen schwindende Umsätze – so auch heute. Der Umsatz ist 2015 gegenüber dem Vorjahr um 11 Prozent von 901 Millionen Franken auf 803 Millionen gesunken. Gleichzeitig stieg der Konzernverlust um ein Vielfaches, von 11 Millionen Franken auf 62 Millionen an. Die Firma steckt tief in der Krise.

1. Wieso steckt Charles Vögele in der Krise?
Seit Jahren will Charles Vögele den Turnaround schaffen, doch es will nicht gelingen. Seit 2007 gehen die Verkäufe bei Charles Vögele zurück. Der Konzern versuchte mit Marketingaktionen den Umsatz anzukurbeln. Die Modekette wollte mit den Hollywood-Stars Penélope und Mónica Cruz und Schauspieler Til Schweiger das Image aufbessern und abstauben. Die ältere Stammkundschaft sprang daraufhin ab, der Umsatz konnte nicht gesteigert werden. Die Strategie wurde verworfen. Die missglückte Marketing-Aktion und die vielen Chefwechsel in den vergangenen Jahren sind ein Symbol für die fehlende Strategie des Unternehmens. Charles Vögele bewegt sich in einem schwierigen Marktumfeld. Wie andere Modehäuser kämpft Vögele mit der Online- und Billigkonkurrenz aus dem Ausland, beispielsweise Zalando, Zara oder H&M. Der starke Franken und der Einkaufstourismus setzen dem Unternehmen ebenfalls zu.

2. Wie lange gibt es Charles Vögele noch?
Wie die Firma heute bekannt gab, sollte die Finanzierung für die nächsten zwei Jahre gesichert sein. Ende April konnten die Kreditverträge mit einer Kreditlinie von 245 Millionen Franken verlängert werden. Dass die Banken dem angeschlagenen Modehaus weiterhin Geld leihen, ist womöglich weniger auf die Geschäftszahlen zurückzuführen als auf Charles Vögeles Immobilien, die den Banken als Sicherheit dienen.

3. Was sind die Eckzahlen des Modehauses?
Charles Vögele verkauft nicht nur in der Schweiz Kleider. Die Bekleidungskette zählt heute 761 Filialen in Europa, davon 167 in der Schweiz. Der Umsatz belief sich 2015 auf 803 Millionen Franken. Zwei Drittel des Umsatzes erwirtschaftet Vögele in den beiden wichtigsten Märkten, Schweiz und Deutschland: 286 Millionen Franken in der Schweiz, 255 Millionen Franken in Deutschland. 2015 schrieb die Firma einen Verlust von 62 Millionen Franken und vernichtete viel Geld. Der Free Cashflow, also die Differenz zwischen den Einnahmen und den Ausgaben aus dem alltäglichen Geschäft plus Investitionen, belief sich im vergangenen Jahr auf minus 63 Millionen.

4. Wie geht es mit dem Traditionsunternehmen weiter?
Das Marktumfeld für Charles Vögele bleibt weiterhin anspruchsvoll: starker Franken, Onlinekonkurrenz, Einkaufstourismus. Für das laufende Geschäftsjahr gibt sich das Modehaus vorsichtig optimistisch. In der Medienmitteilung schreibt die Firma, dass sie dank einem bereits eingeleiteten Restrukturierungsprogramm, also Entlassungen, auf Stufe Betriebsergebnis (Ebit) 2016 bereits wieder schwarze Zahlen schreiben sollte. Seit Anfang Jahr hat Vögele in Pfäffikon 50 Stellen abgebaut – 25 gekündigt, 25 über natürliche Fluktuation. Unklar bleibt, ob in naher Zukunft Charles Vögele übernommen wird. Übernahmegerüchte tauchen seit Jahren immer wieder auf und lassen den Aktienkurs schwanken. Vor einem Jahr kletterte der Aktienkurs aufgrund von Übernahmegerüchten zwischenzeitlich um 27 Prozent. Für die Anleger ist Vögele zu einem Spekulationsobjekt geworden.

5. Wie reagierten die Investoren und Analysten auf die jüngste Verlustmeldung?
Der Aktienkurs von Charles Vögele ist nach der Bekanntgabe des Konzernverlustes eingebrochen. Zwischenzeitlich lag er über 8 Prozent im Minus, während der SMI leicht im Plus lag. Das Vögele-Ergebnis sei tiefer als erwartet ausgefallen, heisst es im Kommentar der Zürcher Kantonalbank (ZKB). In den wichtigsten Märkten, Schweiz und Deutschland, sei der Konzern hinter der Marktentwicklung zurückgeblieben. Leicht positiv werten die Analysten die Verlängerung der Kreditfaszilitäten über maximal 245 Millionen Franken um zwei Jahre. Damit habe sich das Unternehmen Zeit gekauft. Eine Investition in die Titel bleibe aber dennoch «hochspekulativ», urteilt der zuständige Analyst der ZKB.

6. Gehört Vögele Shoes zu Charles Vögele?
Nein! Trotz des ähnlichen Namens hat Vögele Shoes geschäftlich nichts mit Charles Vögele zu tun. Ihre Gründer waren allerdings Geschwister. Karl Vögele eröffnete ursprünglich in Uznach eine Schuhmacherei. Die Gründung der Karl Vögele AG erfolgte 1960 durch den Eintritt des Sohnes Max Vögele. Sein Bruder Charles gründete 1955 zusammen mit seiner Frau die Charles Vögele AG. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.04.2016, 17:29 Uhr

Artikel zum Thema

Charles Vögele schreibt tiefrote Zahlen

Der warme Herbst und die Aufhebung des Mindestkurses machten dem Schweizer Modehändler letztes Jahr zu schaffen. Der Verlust weitete sich auf 62 Millionen Franken aus. Mehr...

Vögele-Aktien legen nach Übernahmespekulationen stark zu

Bereits wurden doppelt so viele Wertpapiere des Modeunternehmens gehandelt wie normalerweise – und der Preis steigt. Mehr...

Grossaktionär macht bei Vögele den Abflug

Beim Modekonzern wird das Kapital knapp, und die Hoffnung auf eine Sanierung sinkt. Jetzt soll einmal mehr ein Käufer aus dem Schneider helfen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Mit geschwellter Brust: Ein Mann aus Indien zeigt bei einem Wettbewerb für die beeindruckendste Gesichtsbehaarung stolz seinen Schnurrbart. Der Wettbewerb fand am Rande des jährlichen Kamel Festivals in der nordindischen Wüstenstadt Pushkar statt. (20. November 2018)
(Bild: Himanshu SHARMA ) Mehr...