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Syngenta: Warum ist die Erlaubnis aus den USA so wichtig?

Die Übernahme des Basler Konzerns durch ChemChina ist einen grossen Schritt nähergerückt. Die fünf wichtigsten Fragen und Antworten.

Zusammenschluss wird immer wahrscheinlicher: Syngenta-Logo in Peking. (Archiv)
Zusammenschluss wird immer wahrscheinlicher: Syngenta-Logo in Peking. (Archiv)
Reuters

Auf diesen Entscheid haben die Syngenta-Aktionäre gespannt gewartet: Der Ausschuss für ausländische Investments in den USA hat die Übernahme des Basler Agrochemie-Konzerns durch ChemChina genehmigt. Damit sei eine wichtige Hürde für den Zusammenschluss der beiden Unternehmen aus dem Weg geräumt, sagen Experten. Vertreter der US-Landwirtschaft dürften enttäuscht sein.

Was bedeutet die Entscheidung der US-Behörde?

Der US-Ausschuss CFIUS (Committee on Foreign Investment in the United States) untersucht sicherheitsrelevante Aspekte, wenn amerikanische Vermögenswerte verkauft werden. Er schaltete sich ein, nachdem ChemChina die geplante Übernahme von Syngenta bekannt gegeben hatte. Denn der Schweizer Konzern ist einer der grössten Anbieter von Pestiziden und ein wichtiger Player im Saatgut-Markt. Er macht etwa ein Viertel seines Umsatzes in Nordamerika und besitzt unter anderem Niederlassungen in Kalifornien, Delaware, Iowa oder Minnesota.

Einige US-Politiker und Landwirtschaftsvertreter glauben deshalb, dass der Verkauf von Syngenta an die Chinesen die Versorgungssicherheit in den USA gefährden könnte. Ausserdem befürchten sie, dass die Produkte von Syngenta in China nun bevorzugt behandelt und US-Konkurrenten benachteiligt werden.

Das CFIUS ist ihrer Argumentation nicht gefolgt. Der Ausschuss erlaubt die Übernahme offenbar ohne wesentliche Auflagen. Details zur Vereinbarung werden nicht veröffentlicht. Doch ein Syngenta-Sprecher sagte: «Jegliche Zugeständnisse sind nicht materiell für Syngentas Geschäft.»

Warum ist die Erlaubnis aus den USA so wichtig?

Für Syngenta und ChemChina sei nun die grösste Hürde auf dem Weg zur Übernahme genommen, glauben Experten. «Der Entscheid dürfte Signalwirkung haben, da in den USA verschiedene politische Kreise und Interessenverbände gegen die Übernahme starke Bedenken angemeldet hatten», schreiben die Analysten der Zürcher Kantonalbank ZKB.

Das CFIUS ist zwar nicht die einzige Behörde, die über den 43-Milliarden-Dollar-Deal befinden muss. Ihre Zustimmung gilt aber als entscheidend. Im Februar zog sich zum Beispiel das chinesische IT-Unternehmen Unisplendor von einer Übernahme des US-Konzerns Western Digital zurück, weil das CFIUS angekündigt hatte, den Deal untersuchen zu wollen.

Ein US-Aktienanalyst hatte die Chance, dass die Übernahme von Syngenta durchgewunken wird, auf «Bloomberg» mit nur 35 Prozent beziffert. Entsprechend skeptisch waren die Anleger. Die Syngenta-Aktie kostete letzte Woche bei Börsenschluss 380.80 Franken – also deutlich weniger als die 465 Dollar je Aktie, die ChemChina den Syngenta-Aktionären offeriert. Nach Bekanntgabe des positiven Entscheids heute Morgen schoss die Aktie dann in die Höhe: Der Kurs stieg um rund 12 Prozent auf 422 Franken.

Guter Start in die neue Woche: Die Syngenta-Aktie.
Guter Start in die neue Woche: Die Syngenta-Aktie.

Ist der Deal nun definitiv?

Das CFIUS wird dem US-Präsidenten den Vorschlag unterbreiten, dem Deal zuzustimmen. Syngenta und ChemChina wollen die Transaktion bis Ende Jahr abschliessen. Mit dem heutigen positiven Entscheid erscheine dieser anvisierte Termin realisierbar, schreiben die ZKB-Analysten. Die Frist für die Annahme der Offerte läuft noch bis zum 13. September. ChemChina hat sie schon zweimal verlängert.

Wichtig werden laut der ZKB nun die Entscheidungen der Wettbewerbsbehörden, insbesondere jene aus den USA, der EU und Brasilien. Sie könnten Auflagen für die Übernahme erlassen. Zum Beispiel, dass Syngenta Firmenanteile abstossen muss. Sollten diese Auflagen dazu führen, dass der Jahresumsatz von Syngenta um mehr als 20 Prozent sinkt, könnte der Deal trotzdem noch scheitern.

Was bedeutet die Übernahme für den Schweizer Syngenta-Standort?

Der Hauptsitz des Unternehmens werde in der Schweiz bleiben, betonte Syngenta nach der Übernahme. Das derzeitige Management werde Syngenta weiterhin leiten, vier der zehn Verwaltungsräte behielten ihre Position. Verwaltungsratspräsident soll nach der Übernahme der ChemChina-Chef Ren Jianxin werden.

Der Konzern versicherte dem Arbeitgeberverband Basel, dass keine Arbeitsplätze in Gefahr seien. «Wir vertrauen der Unternehmensführung und hoffen, das ist wirklich so», sagte Sprecher Frank Linhart. Skeptischer ist die Gewerkschaft Unia. Sie forderte nach Ankündigung der Übernahme Garantien für die Arbeitsplätze in der Schweiz. Syngenta beschäftigt in der Schweiz rund 3300 Mitarbeiter an sieben Standorten.

Welche Folgen hat der Deal für die Branche?

Der Deal mit Syngenta wäre die bisher grösste Übernahme Chinas im Ausland. China will damit die Lebensmittelversorgung seiner Bevölkerung verbessern und die Abhängigkeit von Importen verringern. Ausserdem wird ChemChina zu einem wichtigen Player in der Agrochemie-Branche. Diese leidet unter fallenden Getreidepreisen, instabilen Märkten in den Schwellenländern und Wechselkursschwankungen.

Weil sich durch Fusionen Kosten senken lassen, wird deshalb wild über weitere Deals spekuliert. Der deutsche Konzern Bayer, der ebenfalls eine Agrochemie-Sparte führt, gab vor einigen Monaten bekannt, den US-Saatgut-Hersteller Monsanto kaufen zu wollen. Monsanto lehnte das Angebot ab. Gerüchte besagen, dass Monsanto seinerseits einen Teil der Geschäfte des deutschen Chemiekonzerns BASF übernehmen wolle. Die bisher grösste Fusion im Sektor wurde im letzten Dezember bekannt gegeben: Der US-Chemiekonzern Dupont will mit dem Konkurrenten Dow Chemical zusammengehen. Die Entscheidung der US-Behörden im Fall Syngenta/ChemChina könnte nun auch andere Fusionsvorhaben in der Branche voranbringen.

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