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Wie Finanzjongleure tricksen

Die amerikanische Börsenaufsicht hat gegen Goldman Sachs wegen zweifelhafter Geschäfte mit Wertpapieren Anzeige wegen Betrugs erstattet. Warum eigentlich? Fragen und Antworoten zu Tricksereien.

Im Visier der Behörden: Ein Polizist vor dem Goldman-Sachs-Hauptquartier, am vergangenen Freitag in New York.
Im Visier der Behörden: Ein Polizist vor dem Goldman-Sachs-Hauptquartier, am vergangenen Freitag in New York.
Keystone

Von Alain Zibel

Wie hat alles begonnen?

In früheren Zeiten hielten lokale Banken in den USA Hypothekenkredite von Kunden als Investment in ihren Depots. Schliesslich kamen Finanzexperten auf die Idee, diese Kredite zu bündeln und an Investoren zu verkaufen.

Wie funktioniert das?

Diese Bündel wurden verbrieft, das heisst, zu Wertpapieren erklärt. Sie konnten nun weltweit an Investoren wie andere Banken, Versicherungen, Hedgefonds oder sogar Privatanleger weiterverkauft werden. Die Käufer übernahmen die Forderungen aus den Krediten und erhielten die laufenden Zinszahlungen, trugen aber nun auch das Risiko, wenn Schuldner zahlungsunfähig wurden.

Wie ging es weiter?

Das wurde nicht nur mit Hypothekenkrediten so gemacht, sondern beispielsweise auch mit Autokrediten. Man nennt diese Konstrukte Asset Backed Securities (ABS). Das sind Bündel von Kreditverträgen, die durch Werte (Assets) wie etwa Immobilien besichert sind. Durch sogenannte Verbriefung werden sie zu handelbaren Wertpapieren.

Hört es damit auf?

Nein. Viele dieser Wertpapiere wurden in noch grössere Investments zusammengebündelt, die sogenannten Collateralized Debt Obligations (CDO).

Was ist das denn schon wieder?

CDO ist ein Oberbegriff für eine ganze Gruppe von Finanzprodukten. Sie dienen dazu, Kreditrisiken vom ursprünglichen Darlehensgeber weg zu verlagern beziehungsweise ihm Geld für neue Darlehen zu verschaffen.

Wer hat diese CDOs gekauft?

Grosse Investoren aus aller Welt, von Banken bis hin zu Pensionsfonds.

Wie haben Investoren CDOs benutzt, um damit gegen den Immobilienmarkt zu wetten?

Ein Weg war die Schaffung eines weiteren Wertpapiers mit dem Namen synthetische CDO. Erforderlich hierfür war ein passendes, versicherungsähnliches Finanzkonstrukt, die sogenannten Credit Default Swaps (CDS). Das ist eine Art Versicherung gegen Kreditausfälle. Der Käufer kann sich für eine periodisch anfallende Gebühr beispielsweise gegen den Konkurs eines Unternehmens absichern, an dem er Anteile hält. Diese Papiere sind handelbar und hochspekulativ, der Markt der CDS war bis Mitte 2009 praktisch völlig unreguliert.

Wie ging es weiter?

Firmen an der Wall Street brachten von etwa 2005 an Papiere auf den Markt, mit denen Investoren riesige Wetten platzieren konnten, wie die mit Hypothekenkrediten gesicherten Wertpapiere abschneiden.

Wie ging das?

Der Käufer einer synthetischen CDO setzte darauf, dass die Hausbesitzer in dem Pool von Hypothekenkrediten, auf denen das Papier basierte, weiter pünktlich ihre Zinsen zahlten. War das der Fall, durfte er das Geld einstreichen, das am anderen Ende ein CDS-Investor bezahlt hatte, um sich gegen einen Zahlungsausfall zu versichern. Der Käufer des CDS wiederum wettet darauf, dass ein wachsender Anteil von Hausbesitzern seine Zinsen nicht mehr zahlen kann. War das der Fall, wurde ihm ein zuvor ausgehandelter Betrag ausgezahlt.

Wie hat das im Fall Goldman Sachs funktioniert?

Laut Börsenaufsicht verpflichtete das Goldman-CDO seine Käufer zur Zahlung von rund einer Milliarde Dollar, wenn der Hypotheken-Pool, der dem Papier zugrunde lag, schlecht abschnitt - was dann auch der Fall war. Grosser Gewinner war ein anderer wichtiger Goldman-Kunde: der Hedgefonds Paulson. Der hatte nämlich auf ein Ende des Immobilienbooms in den USA gewettet.

Warum hat die Börsenaufsicht Anzeige erstattet?

Die Börsenaufsicht wirft der Bank die Irreführung ihrer Kunden vor. Goldman habe nicht bekanntgegeben, dass Paulson an der Zusammenstellung der Wertpapiere mitgewirkt habe und dann auch noch genau die Hypothekentitel dort untergebracht habe, die mit grösster Wahrscheinlichkeit platzen würden. Goldman dagegen bezeichnet sich nur als Mittler.

Welche Wirkung hatten derartige Geschäfte auf den Immobilienmarkt?

Das ist nicht so leicht zu beantworten. Klar ist aber, dass durch die Schaffung einer zweiten Ebene von Wetten auf dem ohnehin bereits überhitzen Hypothekenkredit-Markt - einem Markt, in dem Investoren nicht kapierten oder es nicht wahrhaben wollten, dass die Standards bei der Vergabe von Krediten sich rasch verschlechterten - die Auswirkung des Zusammenbruchs des Immobilienmarktes noch vergrössert hat.

Ist es denn falsch, wenn man gegen ein Investment wettet?

Dazu gehen die Meinungen auseinander. Nach Ansicht ihrer Befürworter erfüllen diese Finanzkonstruktionen einen wichtigen Zweck: Sie signalisieren dem Markt, wenn der Preis für bestimmte Wertpapiere überhöht ist.

ddp

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