Werbekampagne schadet Nike? Von wegen

Nach Protesten wütender Trump-Anhänger wegen der neuen Werbekampagne zeigt sich: Kommerziell zahlt sich der Wirbel aus.

Verkäufe schiessen nach neuer Werbekampagne in die Höhe: Werbespot von Nike (Video: Nike).

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Die Werbeaktion werde für Nike noch nach hinten losgehen, drohten wütende Kunden. Nike hatte letzte Woche eine gross angelegte Kampagne mit dem US-Football-Spieler Colin Kaepernick gestartet. Dieser hatte vor zwei Jahren eine Reihe von Protesten ausgelöst, indem er während der Nationalhymne vor Football-Spielen kniete, um gegen Polizeigewalt gegen Schwarze zu demonstrieren. US-Präsident Donald Trump nannte ihn dafür einen «Hurensohn».

Aus Ärger über die Werbeaktion von Nike verbrannten und zerschnitten wütende Kunden ihre Nike-Produkte. Hashtags wie #BoycottNike oder #Justburnit machten auf sozialen Medien die Runde. Auch Trump mischte sich wieder ein: Die Werbung sende eine «furchtbare Botschaft». Nike würde von Wut und Boykott getötet werden. Tatsächlich sank der Aktienkurs des Sportartikelherstellers nach Start der Kampagne um drei Prozent. Mittlerweile hat sich die Aktie allerdings wieder erholt.

Verkäufe legen um 31 Prozent zu

Zudem scheint die Aufmerksamkeit bis in die obersten Polit-Etagen Nike eher Auftrieb gegeben zu haben: Seit Start der Kampagne letzte Woche haben die Verkäufe im US-Onlinestore von Nike um 31 Prozent zugelegt. Das zeigen Zahlen des Marktforschers Edison Trends.

Diese Werbekampagne mit Colin Kaepernick sorgt für Gesprächsstoff.

Vor allem bei der jüngeren Generation ist die Aktion gut angekommen. Die meisten Nike-Kunden sind Männer und männliche Jugendliche im Alter von 14 bis 22 Jahren. «Nike hat sich auf die jüngere Generation konzentriert. Die Werbung hat bei dieser funktioniert», sagt auch Hetal Pandya, Mitgründer von Edison Trends.

Junge Händler kaufen Nike-Aktien

Das zeigt sich auch daran, dass die Werbekampagne einen Hype bei jungen Investoren ausgelöst hat. Das zeigen Daten der Investment-Plattform Robinhood, die vor allem bei jungen Aktienhändlern beliebt ist. 15'191 Investoren hätten in der letzten Woche Nike in ihre Portfolios aufgenommen, teilte Robinhood gegenüber Business Insider mit. Das seien 45 Prozent mehr als in der Woche zuvor.

«Investoren kauften Nike-Aktien 300 Prozent häufiger, als dass sie welche verkauften», sagt Sahill Poddar, Datenwissenschaftler der App, zu Business Insider. «Investoren in Oregon, wo Nike seinen Hauptsitz hat, kauften die Aktien sogar 850 Prozent häufiger, als dass sie sie verkauften.»

«Ein kalkuliertes Risiko»

Nike scheint mit dem Schritt, Kaepernick für seine Werbung zu verpflichten, richtig kalkuliert zu haben. Marktforschung hatte denn auch gezeigt, dass 46 Prozent der Nike-Kunden ein positives Bild des Footballers haben. Das ist überdurchschnittlich viel: Auf alle Amerikaner gerechnet unterstützen ihn nur 34 Prozent.

Zudem hatten Auswertungen ergeben, dass Nike-Kunden häufiger der Ansicht seien, ein Unternehmen solle sich bei sozialen Fragen positionieren. «Nike versteht gesellschaftliche Trends und seine Kundendemografie besser als die meisten anderen», sagt Pandya von Edison Trends gegenüber NBC News. «Es ist ein kalkuliertes Risiko, aber eines, das sich bisher positiv auf den Onlineverkauf ausgewirkt hat.»

Verbot von Nike-Produkten

Unterdessen gehen auch die Proteste gegen den Sportartikelhersteller weiter. In Kenner, einem Vorort von New Orleans im US-Bundesstaat Louisiana, zum Beispiel. Der örtliche Bürgermeister verbot in einem Schreiben seiner Verwaltung, Nike-Produkte für die städtischen Fördervereine und Freizeiteinrichtungen zu kaufen.

Der Brief landete auf Facebook und Bürgermeister Ben Zahn sah sich gezwungen, sich zu rechtfertigen. Das Verbot sei dazu da, die Steuerzahler der Stadt davor zu beschützen, die politische Agenda von Nike zu unterstützen. Zahn stellt auch klar, dass das Tragen von Nike-Produkten weiterhin erlaubt sei. Ein Shitstorm auf den ursprünglichen Brief war die Folge:

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.09.2018, 13:49 Uhr

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