Wer länger arbeitet, steigt schneller auf

Die Anzahl Arbeitsstunden ist wichtig für die Karriere, sagt eine neue Studie. Ein Schweizer Personalexperte nennt weitere wichtige Faktoren.

Überstunden für den nächsten Karriereschritt? Das legt eine Studie nahe.

Überstunden für den nächsten Karriereschritt? Das legt eine Studie nahe. Bild: istock

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Das persönliche Netzwerk, Selbstmarketing via sozialer Medien, Auslandserfahrung: Ratgeber überschlagen sich mit Tipps, wie man in Unternehmen die Karriereleiter hochklettert. Grundtenor ist dabei oft: Die reine Arbeitszeit macht nicht den Unterschied. Dem widerspricht jetzt eine neue Studie.

Diese besagt, dass es durchaus darauf ankommt, wie viele Stunden man bei der Arbeit verbringt. Die Studie des deutschen Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit basiert auf zwei Langzeitstudien des dänischen Statistikamts. Dieses verfolgte seit 1994 den Werdegang von rund 170'000 Däninnen und Dänen.

Leistung sichtbar machen

Die Teilnehmer wurden regelmässig befragt, wie viele Stunden pro Woche sie arbeiteten und auf welcher Hierarchiestufe im Unternehmen sie sich befinden. Das Ergebnis: Wer es in der Zeit zwischen zwei Umfragen vom Abteilungsleiter in die Geschäftsleitung geschafft hatte, hatte im Schnitt 42,1 Stunden pro Woche gearbeitet. Wer nicht ins Topmanagement befördert wurde, verbrachte nur 36,5 Wochenstunden bei der Arbeit.

Umfrage

Arbeiten sie mehr, um eine Beförderung zu erhalten?





Wer mehr Stunden im Büro verbringe, gebe sich eine Möglichkeit, mehr zu leisten, sagt Gery Bruederlin, Personalexperte und Professor an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Und bei Beförderungen ginge es immer um Leistungen und darum, diese sichtbar zu machen. Auch die Studienautoren kommen zum Schluss: Wer mehr Zeit bei der Arbeit verbringe, verbessere seine Fähigkeiten und sein Wissen und sei daher qualifizierter für eine Beförderung.

Mehr als Kollegen arbeiten

Die Forscher hinter der Studie stellten allerdings fest: Es gehe nicht nur um die Anzahl geschufteter Stunden, sondern vor allem darum, mehr als die Arbeitskollegen zu arbeiten. Und: Die Anzahl gearbeiteter Stunden helfe nur bei internen Beförderungen. Das sagt auch Bruederlin: Intern gehe es bei Beförderungen darum, vom Vorgesetzten wahrgenommen zu werden. Aussenstehende bekommen vom Arbeitsaufwand nichts mit – deshalb wird jemand, der viel arbeitet, wohl auch nicht von anderen Unternehmen abgeworben.

Allerdings merkt Bruederlin an: «Allein mit einer höheren Anzahl gearbeiteter Stunden kommen Sie nicht besonders weit.» Die aufgewendete Zeit müsse auch effizient genutzt werden. Und neben der Leistung und dem Arbeitsaufwand spielen Bruederlin zufolge weitere Faktoren eine entscheidende Rolle: Motivation, Flexibilität, Teamfähigkeit. Diese hingen jedoch auch teilweise mit der Anzahl gearbeiteter Stunden zusammen. Aber nicht nur.

Diese Einschätzung dürfte den Schweizern gelegen kommen – arbeiten diese neusten Zahlen zufolge immer weniger. Waren es 2011 laut dem Bundesamt für Statistik noch 41 Stunden und 28 Minuten pro Woche bei Vollzeitangestellten, arbeiteten Schweizer 2017 noch 41 Stunden und 7 Minuten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.07.2018, 17:37 Uhr

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