Zum Hauptinhalt springen

UBS-Manager sollen Boni im Krisenfall zurückzahlen

Wer bei der UBS Boni erhält, soll dafür behaftet werden können. Eine neue EU-Vorschrift ermöglicht dies.

14,2 Millionen verdiente Sergio Ermotti im letzten Jahr. Foto: Marvin Ziim (13 Photo)
14,2 Millionen verdiente Sergio Ermotti im letzten Jahr. Foto: Marvin Ziim (13 Photo)

Für die UBS ist das letzte Kapitel der Finanzkrise noch nicht abgeschlossen – die grösste Schweizer Bank hat ihre Rückstellungen für Tricksereien am US-Immobilienmarkt vor dem Ausbruch der Finanzkrise vor über zehn Jahren noch einmal erhöht. Insgesamt hat die Bank von Chef Sergio Ermotti Rückstellungen über mehr als 2,4 Milliarden Franken gebildet. Dies geht aus dem UBS-Geschäftsbericht hervor.

Frühere Spitzenmanager konnten dank riskanten Geschäftspraktiken hohe Gewinne einfahren und hohe Boni kassieren. Heute verursachen die juristischen Verfahren den Banken riesige Kosten. Doch für diejenigen, welche den Schaden angerichtet haben, bleibt das Debakel oft folgenlos – sie müssen ihre Boni nicht zurückgeben. Mit sogenannten Clawback-Klauseln soll sich dies nun ändern. Die Klauseln erlauben es künftig der Bank, ausbezahlte Gehälter und Boni zurückzufordern.

Für die UBS-Mitarbeiter ist der Bonustopf im letzten Jahr auf 3,1 Milliarden Franken gewachsen.

Die UBS führt in mehreren europäischen Ländern solche Klauseln ein. Ab 2018 werden diese Rückforderungsregelungen beispielsweise in Frankreich, Italien und Deutschland eingeführt, erklärt eine Sprecherin der Grossbank. Die UBS kommt damit einer Auflage der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde nach, die für die gesamte Branche gilt.

Auch andere Schweizer Banken werden daher folgen. Die europäischen Behörden nehmen sich ein Beispiel an Grossbritannien. Dort wurde bereits vor drei Jahren eine solche Regelung beschlossen. In der Schweiz gibt es keine vergleichbare Vorschrift.

Nur für Entscheidungsträger

Die Boni können bei der UBS zurückgefordert werden, wenn «eine Person dazu beigetragen hat, dass dem Konzern erhebliche finanzielle Verluste entstanden sind oder die offengelegten Ergebnisse deutlich nach unten korrigiert werden müssen». Oder wenn «der Konzern einen erheblichen Reputationsschaden erlitten hat».

Die nun eingeführten Clawback-Klauseln erlauben es, einen bereits ausbezahlten Lohn oder Bonus bis zu sieben Jahre später wieder einzufordern. Experten in der EU sind gespannt auf die ersten Anwendungsfälle. Denn es sei schwierig abzuschätzen, wie die Gerichte bei ersten entsprechenden Klagen entscheiden werden.

Die Rückforderungsklauseln betreffen nicht alle Bankmitarbeiter, sondern nur solche, die als wichtige Entscheidungsträger gelten. Bei der UBS in London fallen rund 600 Mitarbeiter unter diese Kategorie. Für wie viele UBS-Mitarbeiter die neue EU-Vorschrift gilt, lässt sich offenbar noch nicht abschätzen. Ob die UBS in Grossbritannien schon einmal von der Clawback-Klausel Gebrauch gemacht hat, gibt die Bank nicht bekannt.

Ermottis Salär steigt

Derzeit steht bei der grössten Schweizer Bank nicht die Rückforderung, sondern das Verteilen der Boni im Fokus. Für die UBS-Mitarbeiter ist der Bonustopf um 100 Millionen auf 3,1 Milliarden Franken gewachsen. Auch das Salär von UBS-Chef Ermotti stieg wieder. Nach dem Rückgang im letzten Jahr wuchs sein Salär um rund eine halbe Million Franken, auf 14,2 Millionen. Der Gewinn der Bank ist heuer aber kleiner ausgefallen als im Vorjahr. Betrug er 2016 rund 3,2 Milliarden Franken, ist es dieses Jahr nur noch ein Plus von 1,1 Milliarden.

Die UBS erklärt das Lohnplus trotz schlechterem Ergebnis damit, dass der Vorsteuergewinn um 29 Prozent gestiegen sei. Das tiefere Ergebnis sei durch Sonderfaktoren wie Abschreibungen auf Steuergutschriften in den USA entstanden. Diese hätten nie eine Auswirkung auf die Vergütung. Auch in den letzten Jahren, als die Sonderfaktoren positiv ausfielen, hätten sie keinen Einfluss gehabt, erklärt eine UBS-Sprecherin.

Im Vergleich zu den US-Grossbankchefs fällt Ermottis Lohn fast schon bescheiden aus. Die Chefs der fünf grössten amerikanischen Banken wurden dieses Jahr mit gewaltigen Lohnsprüngen beglückt. Die Entlöhnung der Top-Shots stieg im Schnitt um 17 Prozent, wie das «Wall Street Journal» schreibt. Mit 29,5 Millionen Dollar das höchste Salär kassiert JPMorgan-Chef James Dimon. Über den grössten Lohnzuwachs konnte sich Citigroup-Chef Michael Corbat mit einem Plus von 48 Prozent freuen. Er verdient 23 Millionen Dollar.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch