Wenn Haferflöckli nicht bio sind

Bei Coop wurden konventionelle Haferflocken als bio verkauft. Die Detailhändlerin hat die Ware aus dem Verkauf genommen.

Die Getreidemühle Swissmill verpackt die Haferflocken von Coop.

Die Getreidemühle Swissmill verpackt die Haferflocken von Coop.

(Bild: Keystone Gaetan Bally)

Benita Vogel@tagesanzeiger

Die Biohaferflocken von Coop sind gar nicht bio. Deshalb hat der Detailhändler gestern die Naturaplan-Biohaferflocken grob und die Biovollkorn-Haferflöckli fein, beide im 500-Gramm-Beutel, aus dem Verkauf genommen. «Spuren des Pflanzenschutzmittels Chlormequat wurden in einer Höhe nachgewiesen, in der sie nur in der konventionellen Produktion vorkommen können», begründet ein Sprecher den Rückruf. Coop musste die Ware aus dem Verkauf nehmen, weil sich die Detailhändlerin sonst der Kundentäuschung schuldig macht – sie hätte dies aber nicht kommunizieren müssen.

Wenn sich bio als nicht bio herausstellt, ist das für die ganze Branche heikel. Schnell taucht die Frage auf: Kann ich mich auf das Label noch verlassen? Dies, zumal der aktuelle Fall quasi per Zufall entdeckt worden ist – bei einer Kontrolle des Coop-Produktionsbetriebs Swissmill. Solche Kontrollen werden zwar regelmässig durchgeführt, heisst es bei Coop und beim Dachverband Bio Suisse, welcher die Lizenzen für Knospen-Produkte vergibt. Doch was «regelmässig» genau bedeutet, ist nicht definiert und liegt im Ermessen der Unternehmen. «Bio Suisse gibt ihren Lizenznehmern im Normalfall keine bestimmte Anzahl Rückstandanalysen vor», sagt ein Sprecher. Ausnahmen seien Risikowaren wie zum Beispiel Biorohstoffe aus Ländern, in denen der GVO-Anbau in der konventionellen Landwirtschaft erlaubt ist. Der Coop-Sprecher sagt, «regelmässig» bedeute «mehrmals pro Jahr». Der Kontrollplan werde mit den Lebensmittelbehörden abgesprochen.

Dritter Fall in sechs Jahren

Dass bio nicht bio ist, kam laut Bio Suisse in den letzten sechs Jahren zweimal vor: 2009 rief ebenfalls Coop Biodinkel-Cracker zurück, weil Produzentin Hug bei einer Analyse konventionellen Dinkel in den Biskuits fand. 2012 erschütterte ein Betrugsskandal die Branche. Ein Bio-Suisse-zertifizierter Futtermittelhändler verkaufte unter anderem konventionelle Soja als bio.

Was mit den Coop-Flöckli nun geschieht, ist noch unklar. Geprüft werden eine Umetikettierung oder eine Weitergabe an Organisationen wie die Schweizer Tafel. Vernichtet werden sie sicher nicht. Kein Wunder, das wäre nämlich ein weiterer Fauxpas, diesmal unter dem Titel «Food-Waste».

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