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Wenn der Gärtner zum Baumeister mutiert

Im Baugewerbe wird immer öfters gegen das Mindestlohngesetz verstossen. Ein Grund sind branchenfremde Firmen, die sich ins Gewerbe einmischen, wie Beispiele zeigen.

Im letzten Jahr wurden 614 Lohnverstösse registriert: Arbeiter auf einer Baustelle.(Archivbild)
Im letzten Jahr wurden 614 Lohnverstösse registriert: Arbeiter auf einer Baustelle.(Archivbild)
Keystone

Die Zahl der registrierten Fälle von Lohndumping bei Schweizer Firmen hat sich innert Jahresfrist deutlich erhöht. 2010 haben die Paritätischen Kommissionen (PK) im Baugewerbe in 42 Prozent aller kontrollierten Fälle Verstösse gegen die Mindestlohnregeln festgestellt. Das entspricht 614 Lohnverstössen. Ein Jahr zuvor waren es noch 28 Prozent. Das zeigen Zahlen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco), wie die «SonntagsZeitung» (Bericht nicht Online verfügbar) berichtet.

Bei den Kontrollen kam es neben den erwähnten 614 Lohnverstössen in weiteren 610 Fällen zu Beanstandungen. Beispielsweise wegen Nichteinhaltens von Vorgaben des allgemeinverbindlichen Landesmantelvertrags (LMV) bei Arbeitszeit, Spesen oder Wegpauschalen. «Immer mehr branchenfremde Firmen mit schlechteren Anstellungsbedingungen schnappen den Baumeistern Aufträge weg, das ist ein Grund für die hohen Verstossquoten im Bauhauptgewerbe», sagt Christa Suter, Präsidentin der PK Bau im Kanton Zürich.

Gute Auftragslage zieht Trittbrettfahrer an

Beim Schweizerischen Baumeisterverband (SBV) stellt auch Vizedirektor Martin A. Senn fest, dass die gute Auftragslage Trittbrettfahrer anziehe. So weichen gemäss der Gewerkschaft Syna Gärntermeister aus dem Thurgau für Baumeister- und Aushubarbeiten nach Zürich aus, um ihre Leute auszulasten. Die fehlende Allgemeinverbindlichkeit im Arbeitsvertrag würde dies ermöglichen. Die Lohndumpingprobleme ergeben sich aus den Lohnniveaus, die sich in den beiden Branchen stark unterscheiden.

Die PK im Kanton Bern stiess letzte Woche bei einer Baustellenkontrolle auf eine Gipserfirma, die den Rohbau eines Einfamilienhauses hochzog, wie die «SonntagsZeitung» schreibt. Gemäss der Syna zeigen solche Beispiele, dass die Trennung der Branchen auf dem Bau immer fliessender würde. Die Unia hält fest, dass die Baubranche Probleme mit Firmen habe, welche die Vertragsbestimmungen unterlaufen würden. Das führe zu «Wettbewerbsverzerrungen».

Kunde kann nicht profitieren

Der Kunde kann vom Lohndumping nicht profitieren. Aktuelle Statistiken zeigen: Obwohl das Lohnniveau im Baugewerbe laufend sinkt, verbilligen sich die Wohnbaupreise trotzdem nicht. Wer etwa in der Stadt Zürich bauen will, muss immer tiefer in die Tasche greifen. Der Zürcher Index der Wohnbaupreise ist zwischen April 2010 und April 2011 um 1,7 Prozent gestiegen. Die Teuerung war damit noch höher als im Jahr davor. Damals betrug sie 1,2 Prozent.

Bei den Vorbereitungsarbeiten stieg das Preisniveau gegenüber dem Vorjahr um 0,6 Prozent. Bei den Gebäudekosten zogen die Preise um durchschnittlich 1,8 Prozent an. Ebenfalls gestiegen sind die Umgebungsarbeiten ( 1,4 Prozent) sowie die Baunebenkosten und Übergangskonten ( 1,5 Prozent), wie Statistik Stadt Zürich am Donnerstag mitteilte.

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