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Warum es an der Börse weiter abwärts geht

Schlechte Aussichten der Firmen, angeschlagene Schwellenländer und kriselnde Hedge Funds - das bekommt den Aktienmärkten nicht.

Tag für Tag das gleiche Bild: Weltweit brechen die Kurse an den Aktienbörsen ein. Kurze Aufschwünge erweisen sich als Bärenfallen, sie werden sofort durch neue Einbrüche zunichte gemacht. Auch Investoren sind nur Menschen. Wer zum x-ten Mal in eine Bärenfalle getappt ist, verliert die Hoffnung und gibt auf. Er kapituliert, das heisst er wirft alle seine Aktien auf den Markt und will nichts mehr von der Börse wissen.

Bei der Massenkapitulation der Kleininvestoren schlägt die Stunde der smarten Profis. «Wenn die Gierigen Angst kriegen, steigen die Mutigen ein», lautet das Motto des legendären Investors Warren Buffett. Er hat damit Milliarden verdient. Vor Wochenfrist hat er via «New York Times» verkünden lassen: Jetzt sei es wieder so weit. Die Börsen seien nahe dem Tiefstpunkt. Er würde die Gunst der Stunde nutzen und sein gesamtes Privatvermögen in Aktien anlegen.

Drei Gründe für die Fortsetzung der Krise

Von einer Massenkapitulation und damit einem Ende der Talfahrt kann jedoch noch keine Rede sein. Die Kurse fallen nach wie vor ins Bodenlose: Dafür gibt es drei Gründe:

- Erstens sind offenbar vor allem Hedge Funds derzeit gezwungen zu verkaufen.

- Zweitens erfasst die Finanzkrise jetzt auch die Schwellenländer, sprich Russland, Korea und Brasilien.

- Drittens sind die Gewinnaussichten der Unternehmen alles andere als rosig.

Die Hedge Funds erleben ein schreckliches Jahr. Durchschnittlich müssen sie bereits jetzt einen Verlust von rund 20 Prozent verkraften. Der abgelaufene September war für viele der schlimmste Monat, seit es diese Anlagevehikel überhaupt gibt. Die Investoren dieser Fonds werden nervös, viele wollen aussteigen. Die Banken drohen mit «Margin Calls», Nachzahlungen für Kredite, weil die als Sicherheit hinterlegten Aktien an Wert verloren haben. Beides führt dazu, dass die Hedge Funds verkaufen müssen, selbst wenn es mit grossen Verlusten verbunden ist. Damit treiben sie die Kurse weiter in den Abgrund.

Schwellenländer keine Hoffnungsträger mehr

Die Schwellenländer waren lange die grosse Hoffnungsträger. China, Indien, Russland & Co. waren mehrheitlich für den Boom der Weltwirtschaft der letzten Jahre verantwortlich. Sie verfügen auch über grosse Devisenreserven. Deshalb hat man bis vor kurzem von einem Abkoppeln gesprochen und damit gemeint, dass die Weltwirtschaft wegen einer Konjunkturschwäche der USA nicht aus der Bahn geworfen werden sollte. Da seien ja immer noch die schnell wachsenden Schwellenländer.

Das stellt sich immer deutlicher als Irrtum heraus, die Entwicklungsländer stecken in grossen Schwierigkeiten. Es besteht die Befürchtung, dass das Devisenpolster der Notenbanken nicht ausreicht, um die Verschuldung der Unternehmen zu kompensieren. Sollten jedoch die Entwicklungsländer wieder in eine ähnlich Lage kommen wie bei der asiatischen Finanzkrise 1998, dann wird es richtig gruselig.

Selbst Warren Buffett irrt sich

Die Finanzkrise greift immer stärker auf die reale Wirtschaft über. Deshalb werden die Unternehmen vorsichtig und reduzieren ihre Gewinnaussichten, Gift für die Börse. Auch die Konsumentenstimmung verschlechtert sich beinahe täglich. Die Milliarden-Subventionen für die Banken haben bisher zu keiner Beruhigung geführt. Auch die Devisenmärkte sind von den Unruhen erfasst worden, der Euro ist massiv ab- der Franken massiv aufgewertet worden.

Selbst Warren Buffett kann sich offenbar irren. Das Timing des Orakels von Omaha, wie Buffett auch genannt wird, sei diesmal nicht perfekt gewesen, spottet das «Wall Street Journal» und empfehlt ihm, sich eine neue Kristallkugel anzuschaffen.

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