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Warum britische Chefs weniger verdienen

Was in der Schweiz nicht vorstellbar ist, geschieht derzeit in Grossbritannien. Die Cheflöhne sinken um 17 Prozent. Das liegt auch am Spitzenverdiener Martin Sorrell.

Bei den britischen Chefs sinken die Löhne: WPP-Chef Martin Sorrell verdiente letztes Jahr 22 Millionen Pfund weniger als 2015.
Bei den britischen Chefs sinken die Löhne: WPP-Chef Martin Sorrell verdiente letztes Jahr 22 Millionen Pfund weniger als 2015.
Eric Gaillard, Reuters

Es ist seit Jahren fast schon ein Naturgesetz: Die Cheflöhne steigen. In der Schweiz waren es bei den grössten börsengehandelten Unternehmen im letzten Jahr 4,6 Prozent. Fast 6 Millionen Franken verdienten die Firmenchefs im Schnitt. Nicht immer war die Lohnsteigerung nachvollziehbar, denn bei so manchem CEO stieg der Lohn, obwohl die Firma in einer tiefen Krise steckte. Doch es geht auch anders.

Laut einer Studie des britischen Thinktanks The High Pay Centre sind die Durchschnittslöhne der Chefs bei den 100 wichtigsten börsenkotierten englischen Firmen im vergangenen Jahr um 17 Prozent gesunken. Die Manager verdienten auf der Insel 4,5 Millionen Pfund. Im Vorjahr waren es noch 5,4 Millionen Pfund.

Steigender Druck der Öffentlichkeit

Stefan Stern, der Chef des High Pay Centre, sieht die Ursache beim steigenden politischen Druck und der zunehmend kritischen öffentlichen Meinung gegenüber den hohen Löhnen. Ein Jahr mit sinkenden Salären genüge aber nicht: Es brauche einen anhaltenden Effort, um die Exzesse an den Firmenspitzen zu beschränken und den Trend umzudrehen, so Stern.

Ein britischer Angestellter verdient in einem Jahr im Schnitt 28'000 Pfund. Laut der Studie des High Pay Centre muss dieser 160 Jahre lang arbeiten, um auf das durchschnittliche CEO-Salär bei Grosskonzernen zu kommen.

Der britische Top-Verdiener war im letzten Jahr Martin Sorrell. Der Gründer und Firmenchef des Medienunternehmens WPP verdiente im letzten Jahr 48 Millionen Pfund. Das waren 22 Millionen Pfund weniger als im Vorjahr. Damit ist er alleine für einen ansehnlichen Teil des Rückgangs bei den durchschnittlichen Chefsalären verantwortlich. In der Schweiz kam UBS-Chef Sergio Ermotti mit rund 13 Millionen Franken auf die höchste Vergütung.

Massnahmen in Vorbereitung

Interessant ist der Blick über den Ärmelkanal aus einem weiteren Grund. Während in Grossbritannien die Cheflöhne sinken, obwohl noch keine gesetzlichen Massnahmen ergriffen wurden, steigen in der Schweiz die Saläre, obwohl es eine rechtliche Handhabe gibt. Doch ist die Wirkung der «Abzocker-Initiative» von Ständerat Thomas Minder beschränkt.

Zwar nutzen die Aktionäre verstärkt ihr Recht, über die Saläre abzustimmen. Abgelehnt werden die Vergütungsberichte der Firmen aber kaum. Immerhin werden die schlechten Abstimmungsergebnisse an den Generalversammlungen als ein Denkzettel für das Management angesehen.

In Grossbritannien wird erst über die Einführung von Instrumenten diskutiert, mit denen die Cheflöhne begrenzt werden sollen. Im letzten November wurden erste Details zu den vorgesehenen Massnahmen publik. Damals hiess es, dass die Aktionäre einen grösseren Einfluss auf die Cheflöhne haben sollen, die Unternehmen die Saläre der Firmenchefs transparent offenlegen müssen. In Kürze soll vom entsprechenden Ministerium eine Vorlage präsentiert werden, berichtet Bloomberg.

Laut der britischen Firmen-Ministerin Margot James sollen die Massnahmen das öffentliche Vertrauen in die Wirtschaft stärken. Firmen sollen verantwortungsbewusst geführt werden, so James. Dazu gehöre auch, dass die Chefsaläre an den Erfolg des Unternehmens angepasst sind.

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