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Wankt die zweite Säule?

Die Finanzkrise beschert den Pensionskassen massive Verluste. Jetzt soll der Mindestzinssatz massiv gesenkt werden: um 0,75 Prozent auf 2 Prozent.

Es liegt in der Natur der Sache, dass die aktuelle Finanzkrise die Diskussion um die Mindestsatz bei der Verzinsung bei den Guthaben der zweiten Säule wieder aufflackern lassen. Immerhin haben die Pensionskassen gemäss einer Schätzung des «Tages Anzeiger» inzwischen rund 60 Milliarden Franken verloren. Das sind zwar vorläufig noch Buchverluste. Doch derzeit sieht es nicht danach aus, dass sich der Himmel über den Finanzmärkten sehr rasch wieder aufhellen und diese Verluste wieder wettmachen wird.

Aus 2,75 mach 2,0

Die BVG-Kommission schlägt deshalb vor, den Mindestzinssatz von 2,75 Prozent um 0,75 Prozent auf 2 Prozent zu senken. Der Mindestzinssatz ist die gesetzlich vorgeschriebene Rendite zur Verzinsung der Pensionskassenvermögen. Er ist bei Finanzexperten umstritten. Viele würden diesen Mindestzinssatz am liebsten abschaffen und die Rendite nur von der Marktentwicklung abhängig machen. Der Mindestzinssatz ist nicht identisch mit dem Rentenumwandlungssatz. Dieser bestimmt die Höhe der Rente im Bezug auf das Pensionskassenvermögens eines Versicherten und liegt derzeit bei 6,8 Prozent.

Altersrenten sind politisch ein sehr heisses Eisen. Der so genannte «Rentenklau» ist noch in bester Erinnerung. Rund 20 Milliarden Franken Pensionskassenvermögen haben sich dabei in Luft aufgelöst. Grund war eine unklare Rechnungslegung der grossen Versicherungen, die in Sammelkassen die Vermögen von KMU verwalten. Auch beim Mindestsatz fürchten Linke und Gewerkschaften, die Finanzinstitute würden sich auf kosten der kleinen Beitragszahler bereichern.

Der Börsenboom der 1990er-Jahre hat zu weit überrissene Erwartungen geführt. Er hat den Pensionskassen zum Teil traumhafte Renditen ermöglicht, die ihnen wiederum grosszügige Leistungen und kleine Beträge möglich gemacht haben. Die schwachen Börsenjahre 2001 bis 2003 haben die Illusion platzen lassen, die Altersvorsorge liesse sich durch die Finanzmärkte regeln. Viele Kassen gerieten in Schwierigkeiten, wiesen zum Teil erhebliche Unterdeckungen auf und mussten saniert werden. Senkungen des Umwandlungssatzes und des Mindestzinssatzes waren Teil dieser Sanierung.

Die gute alte AHV

Für die aktuelle Finanzkrise sind die meisten Pensionskassen deutlich besser gerüstet. Sie sollten in der Lage sein. die Verluste zu verkraften. Das ändert jedoch nichts daran, dass sich die Diskussion um die Altersversorgung verschoben hat. Lange wurde befürchtet, die, die AHV sei wegen der zunehmenden Überalterung in Gefahr. Heute macht man sich mehr Sorgen um die Pensionskassen, die weit mehr von der Entwicklung der Finanzmärkte abhängig sind. Die AHV hingegen hat in den letzten Jahren stets Überschüsse zwischen einer und zwei Milliarden Franken ausgewiesen.

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